„Kunsttresor“ nennt Dieter Schosser seine neue Galerie in der Friedrichshafener Buchhornpassage. Und wer reinkommt, den erwartet Musik: Fred Frith, John Zorn, Lou Reed, Pere Ubu, Laurie Anderson, Pink Floyd, Karlheinz Stockhausen oder vertonte Texte von William S. Burroughs. „Nirgends steht geschrieben, dass in einer Galerie keine Musik laufen darf“, sagt der Künstler und fährt fort. „Es ist ja so: Wenn bei einer Vernissage mal Musik gemacht wird, ist es solche, die sich der Künstler beim Malen seiner Bilder bestimmt nicht angehört hat.“ Bei Schosser ist es anders: Er spielt den Underground, die Avantgarde, die Beat Generation, den Jazz.

Bis vor Kurzem war im Kunsttresor die Boutique Coco untergebracht. Wie lange der Kunsttresor Bestand haben wird, ist ungewiss – aber Dieter Schosser bekam Gelegenheit, den Leerstand zu nutzen. Wenn nun am morgigen Samstag um 11 Uhr nebenan der Grafikmarkt im Kunstverein eröffnet wird, sind die Besucher eingeladen, im Anschluss zu ihm zu kommen.

Viel zu entdecken: Ewa Wojciechowska und Bernd Lutze vom Kunstverein im Grafikmarkt.
Viel zu entdecken: Ewa Wojciechowska und Bernd Lutze vom Kunstverein im Grafikmarkt. | Bild: Harald Ruppert

Dieter Schosser hat in Karlsruhe Malerei studiert, bekam dort gleich zweimal den Akademiepreis und war in Friedrichshafen der Erste, der den Künstlerförderpreis erhielt. Im Kunsttresor zeigt er nun neben eigenen Arbeiten sieben Künstler, von denen er überzeugt ist und die auch deshalb zu seinen Freunden zählen. Zeichnungen etwa von Voré, dem renommierten Bildhauer, der schon seit 1968 die Sommer in Kressbronn verbringt – allerdings weithin unbeachtet, wie Dieter Schosser anmerkt, in Anspielung darauf, dass professionelle Künstler in unserer Region gerne übersehen werden. Von Werner Pokorny sind markante Grafiken zu sehen, die ihn sofort als Bildhauer ausweisen – in Fischbach steht seine Stahlskulptur „Spirale und Haus“.

Als Bildhauer erscheint auch Ingo Ronkholz, denn seine Zeichnungen wirken wie aus Metall geschnitten. Auch Arbeiten von Franz Bernhard und Jörn Kausch zeigt Dieter Schosser, sowie Malerei von Susan Stadler. Die in Nonnenhorn geborene Absolventin der Akademie der Bildenden Künste in München und Meisterschülerin zeigt eine flächige, gegenstandslose Malerei, in der die breiten Pinselspuren an die meditativen Malakte einer Hyun-Sook Song erinnern – und zugleich konjugieren sie, auch in Farbtönungen, malerische Möglichkeiten durch. Von Alfons Alt sind malerisch bearbeitete eigene Fotografien zu sehen. Sie stammen aus jüngster Zeit, wirken aber wie aus historischer Zeit; damit nehmen sie die Vergänglichkeit des Fotografierten vorweg.

Dieter Schosser wird auch Videos zeigen, von Rolf Urban sowie den beiden Rebecca Horn-Meisterschülern Frank Hoppe und Melody Burke. Dieter Schosser öffnet den Kunsttresor am morgigen Samstag und an diesem Sonntag, 19. November, jeweils ab 12 Uhr, mit zeitlich offenen Ende.

Beim 21. Grafikmarkt des Kunstvereins führt maßgeblich wieder Bernd Lutze Regie. Rund 160 Grafiken und Originale in verschiedenen Techniken warten auf Abnehmer. Die dürften sich finden, denn die Preise beginnen bereits bei 15 Euro – für keinen Gringenren als Picasso, der zwei Varianten eines Dackels aufs Papier brachte – jeweils in einem einzigen Strich. Weitere bekannte Künstlernamen dieses Grafikmarkts sind Dan Graham, Jonathan Meese, Thom Barth, Horst Antes, Hokusai, Anna Oppermann, Anna und Bernhard Blume, Strawalde, Horst Janssen, Daniel Richter, Conrad Felixmüller, Max Pechstein, Diether F.

Domes, Romane Holderried Kaersdof, Stephan Balkenhol, Esther Mathis und Brigham Baker. Die beiden Letztgenannten haben die aktuelle Jahresgabe des Kunstvereins gestaltet – eine große Fotoserie, die in der gemeinsamen Ausstellung der beiden im Kunstverein bereits zu sehen war. Mitglieder bekommen die Jahresgabe für 30 Euro, alle anderen für 50 Euro.

Zu den zahlreichen Originalen zählt Malerei der gebürtigen Ravensburgerin Isa Dahl sowie kleine Werke von Diether F. Domes aus den 1970er-Jahren. Auch mit einer kompletten Fotomappe von Toni Schneiders legt der Grafikmarkt einen Schwerpunkt auf namhafte Künstler der Region, sowie mit Arbeiten von Thom Barth und Monotypien von Otto Valentien.

Im Ganzen gibt es kaum Künstlernamen, von denen man noch nie gehört hätte. Sei es nun ein großes unsigniertes Blatt von Chillida, das fein gestrichelte Detail eines Gesichts von Johannes Grützke oder Pechsteins grafisch aufbereitete Textzeile aus dem Vaterunser. Von Hokussai ist zwar nicht nicht die legendäre „Welle“ zu erwerben, aber ein Stilleben des Meeresgetiers, das in ihr verborgen ist. Mit dem Blatt „Der Fotograf“ ist eine Arbeit von Daniel Richter dabei, einem ganz Großen der Gegenwartskunst.

Und natürlich gibt es wieder Furioses von Horst Janssen, der auf einem Blatt eine wilde Drohung gegen den damaligen Chef der Vereinigung Griffelkunst ausstößt: „Ich schlag ihn tot!“ Dabei: Was wäre der Grafikmarkt ohne die Blätter der Griffelkunst! Aus Marseille, aus Hamburg, aus Marseile wurden Arbeiten für den Grafikmarkt bereitgestellt, und aus der ganzen Breite, die dazwischen liegt. Dass die Kunst ein weites Feld ist, bestätigt der 21. Grafikmarkt in jedem Sinne.

Der Grafikmarkt im Kunstverein wird am morgigen Samstag um 11 Uhr eröffnet. Zu sehen ist er bis 3. Dezember jeweils Mittwoch bis Freitag von 15 bis 19 Uhr sowie Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr. Die Öffnungszeiten des Kunsttresors sind Mittwoch bis Freitag von 15 bis 19 Uhr, Samstag von 11 bis 17 Uhr.