Das Pedal quietscht, einige Töne des Klaviers hängen daneben, aber die Geige ist gestimmt – der erste Satz von Brahms' Violinsonate in G Dur hebt sich frühlingsfrisch in die Black Box der Zeppelin Universität. Elias Seldlmayr entlockt auch dem verstimmten Klavier mal zarte, mal aufbrausende Töne, darüber lässt Nicholas Dodds seine Geige von Heiterkeit und Hoffnung singen, aber auch von Vergänglichkeit und der Auflehnung dagegen.

Sie unterbrechen, proben den Anfang noch einmal und arbeiten an Feinheiten im Zusammenspiel. Am morgigen Mittwoch präsentierten sie das Stück im Rahmen eines Benefizkonzert, dann am sauber gestimmten Steinway im Graf von Soden-Forum. „Ich wollte diese Sonate schon immer erarbeiten, für mich passt sie auch zum Thema. Sie ist ein wunderbar fließendes Stück, das sich wie ein Reigen von selbst ergibt. Sie hat keine Text, aber sie ist wie eine Liebeserklärung an die Freiheit,“ sagt Sedlmayr. Dodds ergänzt: „In ihr bestimmt das Gefühl der Leichtigkeit, sie ist facettenreich, hat fröhliche und dunkeltraurige Stellen. Das ergibt ein Bild, auch davon, wie kompliziert die Freiheit sein kann. Die Brahms-Sonate ist für mich ein prefekter Schluss für die Veranstaltung.“

Das Thema ihres Konzerts ist die Freiheit – in der Musik schon dadurch gegeben, dass sich beim Hören und Spielen jeder dazu denken kann, was er will. Drei Studenten werden neben der Brahms-Sonate Werke von Bach, Beethoven, Chopin und Prokoffiew spielen. Sie kommen aus Berlin, Hamburg und der Lausitz und sind vor allem wegen des interdisziplinären Ansatzes der ZU an den Bodensee gekommen. Und sie sind passionierte Musiker: Dodds spielt Geige, seit er fünf ist, hat im Landes- und Bundesjugendorchester mitgemacht und sich zusätzlich ein paar Jahre dem Klavier gewidmet. Sedlmayr hat drei Jahre an einem amerikanischen Musikinternat verbracht und ein Jahr Klavier studiert, ehe er an die ZU kam. Billy Contreras komponierte schon als 16-Jähriger, hat eine Elegie für Streicher verfasst und arbeitet an einem Klavierkonzert.

Er wird am Mittwoch auch eigene Musik spielen und auf dem Klavier improvisieren – eine Form der ganz eigenen Freiheit. „Musik ist immer etwas sehr Persönliches. Die Improvisation wurde ja erst im 20. Jahrhundert von der Aufführung komponierter Musik getrennt“, sagt er. Ihm liegt daran, über die Musik die Hörer zu erreichen. „Wir wollen die Leute durchrütteln, wollen durch Musik mit ihnen ins Gespräch kommen.“

Initiiert hat das Konzert Güven Isbir, der im sechsten Semester „Sociology. Politics and Economics“ studiert. „Wir beobachten, dass die freiheitliche Ordnung in Gefahr gerät“, sagt er. „Freiheit ist kein Vermögen oder Zustand, man muss sie immer neu erkämpfen.“ Das sei für viele anstrengend, weil eine freiheitliche Gesellschaft nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten und vor allem Verantwortung beinhalte. Als Stipentiat der Studienstiftung des deutschen Volkes versteht er sein Engagement auch als Antwort auf die Förderung, die er erhält.

Die Erlöse aus dem Konzert sollen dem Kulturverein „Blaue Blume“ zugute kommen. „Die Blaue Blume ist eine Institution, die Menschen bedingungslos annimmt. Es gehört zum Geist der Freiheit, auch exzentrisch sein zu dürfen“, sagt Isbir. Auch Contreras sieht eine Verwandtschaft: „Es ist wichtig, selbst schöpferisch zu werden, einen Beitrag zur Kultur zu leisten.“ Die von ZU-Studenten initiierte Initiative Blaue Blume versteht sich als Kulturplattform, die einen experimentellen Freiraum für Projekte ermöglicht.


Morgen Konzert

Das Benefizkonzert "Freiheit" findet am morgigen Mittwoch um 20 Uhr im Graf von Soden-Forum der Zeppelin-Universität im Fallenbrunnen statt. Elias Seldmayr (Klavier), Nicholas Dodds (Violine) und Billy Contreras (Klavier) spielen Werke von Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Frederic Chopin, Sergei Prokoffiew und Johannes Brahms. Der Eintritt ist frei, Spenden erbeten zugunsten des Kulturvereins Blaue Blume.