Wie gelingt es in Friedrichshafen Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen? Und wer bringt Vertreter von Firmen und Umweltverbänden, die im Seewald mehr sehen als ein potenzielles Gewerbegebiet, an einen runden Tisch? Fragen, die am Ende des Salon Rouge, einer vom SPD-Ortsverein im Café Gessler organisierten Diskussionsrunde, nach 90 Minuten engagierter, aber sachlicher Diskussion im Raum standen.

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Der Umstand, dass die Firmen Liebherr-Aerospace und Aerospace Transmission Technologies ein für sie reserviertes Grundstück nordwestlich ihres Standortes, auf der anderen Seite der Bahnlinie und der Flugplatzstraße, plötzlich ablehnen und dafür ein 3,5 Hektar großes, direkt angrenzendes Stück des Seewalds zur Erweiterung ihres Standorts fordern, stieß am Dienstagabend bei nahezu allen Diskussionsteilnehmern auf Unverständnis. Auch für den Gemeinderat, der das mögliche Abholzen eines Waldes, der von vielen als schützenswerte Lebensgemeinschaft wahrgenommen wird, durchgewunken hat, zeigte die Gemeinderätin der Grünen Christine Heimpel kein Verständnis „Es gibt Mitglieder im Rat, die möchten am liebsten bis zur Gemarkung Meckenbeuren, abholzen“, sagte sie. Dabei habe der Gemeinderat eine Kontrollfunktion und in diesem Fall in ihren Augen klar versagt. Denn die Stadt sei angesichts des Klimawandels auf Waldflächen, auch zum Wärmeaustausch, zunehmend angewiesen. Man könne an anderer Stelle vielleicht ein paar Bäume pflanzen, aber einen Seewald könne man damit nicht ersetzen, das bräuchte Jahrzehnte, argumentierte dann auch Michael Wlaka, Sprecher von Greenpeace Friedrichshafen, der in das Thema „Seewald – Sein oder Nichtsein“ eingeführt hatte.

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„Arbeitsplätze sind gut, aber warum ausgerechnet da, wo ein Wald steht?“, fragte er in die Runde. Eine Antwort hatte Sander Frank, Spitzenkandidat der Linken und Organisator von Fridays-for-Future-Protesten, parat: Die Firma Liebherr-Aerospace, die unter anderem auch Militärflugzeuge ausrüstet, wolle die angebotene Fläche nicht, weil sie auf maximalen Profit aus sei. Und der sei bei einer geteilten Fläche, die durch eine Brücke oder einen Tunnel miteinander verbunden ist, nicht gewährleistet. „Für mich ist Krieg nicht die Zukunft“, betonte der Politik-Student, „ich sehe den Arbeitsplatz der Zukunft eher in der Gemeinwohl-Ökonomie angesiedelt und nicht in der Rüstung“.

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Diese 250 Arbeits- und Ausbildungsplätze, die Liebherr zufolge entweder im angrenzenden Seewald oder eben nicht in Friedrichshafen entstehen sollen, liegen in der anderen Waagschale. Auf die Frage, welche Position die SPD bei der Abstimmung im Gemeinderat bezogen habe, wich der stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende Luca Baumann aus: „Wir wollen die heutige Diskussion parteineutral begleiten“, sagte er. Es gehe nicht um die SPD-Position. Das sah Norbert Zeller offenbar anders. Der Kreisfraktionsvorsitzende der SPD räumte zwar ein, dass Gespräche mit Liebherr nötig seien, um den Eingriff im Seewald so gering wie möglich zu halten, betonte aber: „Viele junge Leute wollen einen Ausbildungsplatz und eine Perspektive. Liebherr ist ein hochqualifizierter Arbeitgeber, über das Thema Arbeitsplätze hinwegzugehen finde ich elitär, beinahe überheblich“.

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An alternativen Vorschlägen zur Standorterweiterung, mangelte es den Bürgern nicht. So schlug Werner Leber vor, Aldi und Lidl nach St. Georgen umzuziehen, und Ulrich Bernard sieht keinen Grund, warum die existierende Produktionshalle, im Rahmen des Erlaubten, nicht aufgestockt werden kann. "Ich verstehe nicht, wie man so einseitig denken kann".

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