"Exzellent", schwärmt ein Fan im Eurobricks-Forum. "Wow, sehr beeindruckend", findet ein anderer auf der Internetseite von 1000steine.de. Doch nicht nur in der virtuellen Welt hat Jeroen Ottens mit diesem Modell Lego-Enthusiasten zum Staunen gebracht. Die Rede ist von einem Zeppelin aus rund 7000 der kleinen Plastiksteinchen. Aus denen hat der Niederländer die "Hindenburg" nachgebaut. Genauer gesagt jenes legendäre Luftschiff LZ 129, das mehrfach den Atlantik überquert hat und auf seiner letzten Reise 1937 in Lakehurst nahe New York beim Absturz in Flammen aufging.

Was treibt einen 44-jährigen Niederländer zu solch einer Aktion an? Die kleinen Bausteine faszinierten ihn von Kindesbeinen an, erzählt Ottens, und sie ließen ihn auch während des Maschinenbau-Studiums und danach nie ganz los. Bereits mit 25 Jahren kann er sein Hobby zum Beruf machen und wird Technik-Designer – bei Lego. Dieser Job sei für ihn heute inzwischen so etwas wie ein "gut bezahlter Nebenjob", denn im vergangenen Jahr gründete Ottens seine eigene Firma, die im Kundenauftrag Lego-Modelle baut – vor allem Autos, Jets, aber auch ein Star-Wars-Flugschiff ist dabei.

Rund 7000 Legobausteine hat der Niederländer Jeroen Ottens gebraucht, um das legendäre Luftschiff LZ 129 so detailgetreu wie nur möglich nachzubauen.
Rund 7000 Legobausteine hat der Niederländer Jeroen Ottens gebraucht, um das legendäre Luftschiff LZ 129 so detailgetreu wie nur möglich nachzubauen. | Bild: (privat)

Die Idee allerdings, dieses berühmte Luftschiff nachzubilden, hatte Jeroen Ottens schon vor sieben Jahren. Als er im August 2011 Urlaub am Bodensee macht, sieht er zum ersten Mal einen fliegenden Zeppelin und ist vom Fleck weg begeistert. Er habe seine Familie direkt ins Zeppelin-Museum nach Friedrichshafen gelotst, schon mit dem Gedanken im Hinterkopf, das Luftschiff aus Legosteinen nachzubauen. "Den Rest des Urlaubs war ich damit beschäftigt, technische Details zu recherchieren und zu fotografieren", erzählt der Mann aus Veldhoven am Telefon, der vom Original-Nachbau eines Teils des LZ 120 im Museum sehr beeindruckt war. Zusammen mit einem Buch mit sehr vielen Bildern aus dem Museumsshop hatte er dann genügend Informationen zusammen, um das Hindenburg-Projekt zu starten.

Das ging Ottens strategisch an und verbrachte Monate allein damit, technische Details und vor allem die Innenringe des Luftschiff-Korsetts maßstabsgerecht zu berechnen und zu entwerfen. "Es war das schwierigste Puzzle, das ich jemals gemacht habe", erzählt er. Sein Ziel war, die "Hindenburg" so originalgetreu wie nur möglich nachzubauen. So gehören zum Modell nicht nur die vier Motor-Gondeln, die Kapitänsgondel und beide Passagier-Decks. Sogar der Opel Olymp Cabriolet, das als erstes Auto damals mit der "Hindenburg" über den Atlantik flog, hat Ottens an Bord des Luftschiffmodells gebracht.

Auch beide Passagierdecks der "Hindenburg" hat Ottens nachgebaut.
Auch beide Passagierdecks der "Hindenburg" hat Ottens nachgebaut. | Bild: privat

Das ist mit einer Länge von 2,45 Metern exakt 100 Mal kleiner als das Original. Der Lego-Zeppelin im Maßstab 1:100 bringt zehn Kilo auf die Waage und ist nach Aussage seines Erbauers alles andere als fragil. "Das war für mich selbst eine große Überraschung", sagt der Modelldesigner, der letztlich ein Jahr lang, aber insgesamt nur wenige Wochen an der "Hindenburg" gebaut hat. Die Innenringe würden auch dem Zeppelin-Modell eine so große Stabilität verleihen, dass man das Modell sogar aufhängen könne.

Jetzt ziert die "Hindenburg" neben zehn weiteren Exponaten "made by Ottens" aus Legobausteinen sein Haus in Veldhoven, denn "dieses Luftschiff ist zu schön, um es kaputt zu machen". Abgesehen davon gäbe es für die hellgrauen Steine sonst keine Verwendung mehr, weil die Farbe sehr speziell sei. Er würde das Luftschiff-Modell gern dem Zeppelin-Museum zur Verfügung stellen, um es neben dem Original in der Ausstellung einem großen Publikum zu zeigen. Doch das Museum habe abgelehnt, weil es keinen Platz dafür gebe, sagt Ottens.