Marion Morcher zieht für die ÖDP in den neuen Gemeinderat ein. Die 56-Jährige ist in Nabburg in der Oberpfalz geboren, wuchs in Stuttgart auf und lebte später lange in Heidelberg. Seit 14 Jahren ist sie am Bodensee und wohnte zunächst zwei Jahre am Seewald, bevor sie nach Ailingen zog. Sie ist Biomedizinerin und promovierte zum Thema Schlaganfall.

Supergau in Tschernobyl als Auslöser

Auslöser sei für sie der Supergau in Tschernobyl gewesen. Nach Beschäftigungen bei Pharmaunternehmen ist sie heute Geschäftsstellenleiterin des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Friedrichshafen, Sprecherin des Landesnaturschutzverbands, Arbeitskreis Bodensee, und Deutsch-Lehrerin für Flüchtlinge beim Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands. Ihre Hobbys sind Reisen, Lesen, Tauchen und Yoga.

„Ich war im Herzen immer grasgrün“

„Ich habe ein sehr offenes Elternhaus gehabt“, erzählt sie. Ihre Eltern seien bei der SPD engagiert gewesen. Das Interesse für Soziales, Umwelt und Tierschutz sei ihr in die Wiege gelegt worden. „Ich war im Herzen immer Grasgrün.“ Doch dann sei sie von der rot-grünen Regierungskoalition unter Gerhard Schröder tief enttäuscht gewesen, insbesondere von der Einführung von Hartz IV und den „vertanen Chancen“ der Grünen, etwas für den Tierschutz zu unternehmen.

Annedore Schmid von der ÖDP „auf meiner Wellenlänge“

Da es oft schwierig bis unmöglich sei, mit seinen Anliegen in Gremien gegen Verwaltungen durchzukommen, habe sie sich entschlossen, in die Kommunalpolitik zu gehen. Mit Annedore Schmid fand sie jemanden „auf meiner Wellenlänge“. Im zweiten Anlauf wurde sie jetzt mit 2274 Stimmen gewählt.

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Gemeinsames Wohnen von Studenten, Azubis und Flüchtlingen

„Mir geht es nicht um meine Person, sondern um die Themen.“ Sie sprudelt nur so vor Ideen. So würde sie günstige Wohnmöglichkeiten schaffen, wo Studenten, Auszubildende und Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung zusammenleben. „Ich finde, man darf Menschen nicht einfach so absetzen“, wie dies vielfach mit Flüchtlingen geschehe. Aber ein Zusammenleben gehe nicht ohne klare Regeln. Sie sehe ihre Tätigkeit als Lehrerin als Beitrag zur Integration, auch in Bezug auf das Frauenbild.

Knappe Flächen nicht mit Einfamilienhäusern bebauen

Als Verschwendung sieht es Morcher, wenn auf den knappen Flächen Einfamilienhäuser statt Mehrgeschossern gebaut werden. Sie wendet sich gegen die Abholzung von Teilen des Seewalds und Bäumen auf Streuobstwiesen. An Wochenenden sieht sie Verbesserungsbedarf im Personennahverkehr. Morcher fordert Erleichterungen und mehr Unterstützung für Menschen, die sich ehrenamtlich für Wildtiere und herrenlose Haustiere einsetzen.