Wenig sexy, aber mit gigantischen Marktchancen – so etwa werden Max Keßler, Matthias Geertsema und Benjamin Rudolph heute Abend den Rollator „ello“ beschreiben. Die drei Gründer von „eMovements“ stellen ihren elektrischen Rollator in der Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“ beim Privatsender Vox vor. In der Sendungen können Start-Up-Unternehmen ihre Ideen präsentieren und Startkapital einwerben. In zweijähriger Arbeit haben die Stuttgarter Jungunternehmer einen Rollator mit Elektroantrieb entwickelt.

Die drei Gründer (von links): Max Keßler, Benjamin Rudolph und Matthias Geertsema.
Die drei Gründer (von links): Max Keßler, Benjamin Rudolph und Matthias Geertsema. | Bild: emovements GmbH

„Ello kann sehr langsam fahren und hat einen sehr starken Motor. So kommt man am Berg mühelos voran“, sagt Geschäftsführer Benjamin Rudolph. Selbst mit Einkäufen bis zu 15 Kilogramm lässt sich der E-Rollator problemlos hochschieben. Steigungen sind für herkömmliche Rollatoren Gift: Bergauf kostet das Schieben des Gewichts von Gerät und gegebenenfalls Einkauf viel Kraft.

Bergab läuft ihnen dafür der Rollator davon. Er ist keine Stütze mehr, sondern sie müssen ihn festhalten. „Ello“ fährt mit konstantem Tempo bergauf und bergab. Die Geschwindigkeit wird mit Sensoren überwacht und ist in zehn Stufen regulierbar.

Student Max Keßler hatte die Idee

Auf die Idee kam der Student Max Keßler. Dessen Großmutter lebt auf der Schwäbischen Alb. Mit ihrem Rollator hatte sie Schwierigkeiten an den Steigungen. Keßler fing mit seinem Studienkollegen Matthias Geertsema an zu tüfteln. 2015 trafen sie bei einem Start-Up-Speeddating Benjamin Rudolph, der gerade seinen MBA absolviert hatte und in einer Unternehmensberatung arbeitete. Er war von der Idee sofort überzeugt. „Meine Oma lebt in Berlin und sie hat Probleme, in den Bus zu steigen. Und dann fährt der Bus los, ehe sie die Bremse anziehen kann.“ Bei „ello“ erleichtert eine einfach bedienbare Kippfunktion das Überwinden von Bordsteinen und Busstufen.

Erfahrungen aus der Familie eingebracht

Zwei Elektromotoren sitzen direkt und von außen unsichtbar in den Hinterrädern. Das zusätzliche Gewicht verleiht dem Gesamtgerät dadurch eine stabilere Straßenlage. Der Antrieb kommt aus Friedrichshafen von der Firma Kern. „Wir haben den Motor als Außenläufer konzipiert, das ist ideal für den Radantrieb“, sagt Vertriebsleiter Rudolf Bauer. Auch Bauer steuerte Erfahrungen aus der Familie bei: Wenn seine Mutter sich beim Aufstehen auf den Rollator stützen wollte, rollte der ohne gleichzeitige Betätigung der Bremse weg. „Wir haben an den Griffen Sensoren, da muss ein Finger draufliegen. Wenn der Finger weg ist, bleibt der Rollator stehen, er bremst richtig“, sagt Bauer. In der Wohnung oder bei leerem Akku lässt sich der ausgeschaltete „ello“ dagegen genauso schieben wie ein nicht motorisierter Gehwagen. „Das habe ich hier schon ausprobiert, das macht gar keinen Unterschied“, sagt Bauer. Er sei auch genauso leicht klappbar wie andere Modelle.

Im Notfall kann Nutzer SOS-Schalter drücken

„Ello“ kann noch mehr: er hat nicht nur Lampen und eine Hupe, sondern auch ein integriertes Notruf-System. Dafür sind ein GPS und eine SIM-Karte verbaut, die in allen deutschen Netzen funktioniert. Drückt der Nutzer drei Sekunden auf den SOS-Schalter, sendet der Rollator eine SMS mit Standort an eine hinterlegte Nummer. Das können Angehörige oder ein Pflegedienst sein und geschieht nur bei ausdrücklicher Einwilligung der Nutzer.

Gründer sehen großes Potenzial

Die Gründer sehen große Marktchancen für ihr Produkt. „Wir haben eigentlich keine Konkurrenz. Die normalen Rollatoren sind nur immer leichter und teurer geworden. Das halte ich für eher kontraproduktiv“, sagt Rudolph. Bisher läuft es gut. Über 20 Mitarbeiter hat die junge Firma bereits.

Sendung wird am Dienstag ausgestrahlt

100 „ellos“ sind schon verkauft, das ehrgeizige Ziel liegt bei 80 bis 100 verkauften Geräten pro Monat. Bei einem Crowdfunding konnten sie erste Investoren gewinnen. Ob sie mit einem der „Löwen“ bei Vox einen neuen Investor überzeugen können, können Zuschauer am Dienstag um 20.15 Uhr selbst sehen.