Daniel Haider hat sich einen Traum erfüllt: In sechs Tagen ist er für den guten Zweck in seinem Kajak das gesamte Bodenseeufer entlang gepaddelt. Dabei hat der 50-jährige Fischbacher rund 250 Kilometer zurückgelegt, viele Eindrücke gewonnen, beängstigende Erfahrungen gemacht und die kleinen Dinge im Leben schätzen gelernt. „Es war schön, das realisiert zu haben“, sagt der Paddler rückblickend.

„Ziel war es, den gesamten Uferbereich des Bodensees abzupaddeln.“
„Ziel war es, den gesamten Uferbereich des Bodensees abzupaddeln.“ | Bild: Daniel Haider

Hilfe für junge Helfer

Mit an erster Stelle stand für Haider der gute Zweck. Mit der Aktion wollte er die Organisation Worldwide Volunteers in Stockach unterstützen, die junge Menschen in arme Lände entsendet, um dort Hilfsprojekte zu unterstützen. „Was damit gefördert wird, finde ich ganz toll“, sagt Haider. „Die jungen Leute lernen kennen, was ihre Hilfe bedeuten kann.“

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Die gemachten Erfahrungen prägen dann ihr weiteres Leben und ihr Umfeld, ist der Paddler überzeugt. Darum hat er auf der Plattform Bildungsspender ein Konto eingerichtet. 10 000 Euro hat der Fischbacher als Ziel angepeilt. Bislang zusammengekommen sind rund 325 Euro.

Morgenkaffee fällt zunächst aus

Nur ein Mal hat der 50-Jährige während seiner Tour eine richtige Mittagspause eingelegt, bei der er sich Spaghetti mit Bodenseewasser gekocht hat. Ansonsten bestand seine Verpflegung aus Müsliriegeln und Vollkornbrotschnitten.

Ein Debakel für den Kajak-Fahrer, der den morgendliche Kaffee braucht: „Ich hatte die Kanne dabei und den Espresso dabei, aber nicht den Einsatz“, sagt er und lacht. „Ich habe mir überlegt, ob meine Frau ihn nach Bodman bringen soll“, verrät Haider. Am Ende entschied er sich dagegen. „Du hast das vergessen. Das musst du jetzt ertragen.“ Stattdessen gab es morgens löslichen Espresso.

Liegestuhl, Zelt, Solarmodul und mehr müssen im rund fünf Meter langen Kajak verstaut werden.
Liegestuhl, Zelt, Solarmodul und mehr müssen im rund fünf Meter langen Kajak verstaut werden. | Bild: Daniel Haider

Auch ohne Kanneneinsatz war Haiders Kajak voll beladen. Ein Zelt, ein Klappstuhl, ein Solarmodul, um Handy und andere Geräte aufzuladen, und die Verpflegung mussten in dem knapp fünf Meter langen Boot Platz finden. Beim abendlichen Ausladen hat das schon mal für komische Blicke gesorgt, erzählt der 50-Jährige.

Gefahr durch Unwetter und Yachten

Stets Thema war während der Tour das Wetter. Bei einem aufziehenden Gewitter hätte er eine Zwischenstopp einlegen müssen, erklärt Daniel Haider. „Da ist man auf dem See der schönste Blitzableiter.“ Doch in dieser Hinsicht hatte der 50-Jährige Glück. Auch wenn es nicht sehr oft Sonnenschein gab.

Die Marienschlucht: Trotz bewölktem Himmel für Daniel Haider ein besonderer Anblick.
Die Marienschlucht: Trotz bewölktem Himmel für Daniel Haider ein besonderer Anblick. | Bild: Daniel Haider

„An manchen Tagen war ein bisschen Suppe“, sagt der Paddler. Das sei deshalb schade gewesen, weil der Nebel die Sicht auf das Ufer getrübt hat. Ein besonderes Schauspiel durfte er dann doch zwischen Konstanz und der Reichenau miterleben: Über 100 Schwäne auf einem Fleck. „Das habe ich noch nie gesehen“, sagt Haider glücklich.

Seltener hingegen sind ihm auf dem See Menschen begegnet. Wenn es Treffen gab, waren die in der Regel freundlich. „Es gibt auf jeden Fall ein Hallo, ein Grüßen“, meint der Paddler. Mitunter sei er auch ins längere Gespräch gekommen.

Auf seiner Tour muss Daniel Haider auf Schnellboote und Yachten achten.
Auf seiner Tour muss Daniel Haider auf Schnellboote und Yachten achten. | Bild: Daniel Haider

Am Rohrspitz in Österreich seien ihm aber zwei PS-starke Yachten entgegengekommen, die sich scheinbar ein Rennen lieferten, erinnert sich Haider. Wenn die einem mit Vollgas entgegenkommen, sei das schon beängstigend. Zur Sicherheit steuerte er in solchen Fällen das nächstgelegene ankernde Boot an. „Denn in das knallen die nicht rein.“

Nächste Tour ist schon in Planung

Seine erfolgreiche Bodenseetour hat den begeisterten Paddler auch in seinem nächsten Vorhaben bestärkt: Er will den Bodensee in seiner gesamten Länge – das sind 64 Kilometer – an einem Tag durchpaddeln. Dass er das schaffen kann, habe ihm Tag 3 seiner Seeumrundung gezeigt. Voll beladen legte er 57 Kilometer zurück. Daniel Haider ist sich sicher, die übrigen sieben Kilometer auch noch zu schaffen. „Das ist eine Stunde mehr“, sagt er.

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Denjenigen, die sich selbst auf eine Paddeltour am Bodenseeufer versuchen wollen, will Daniel Haider unter die Arme greifen. „Es hat mich erstaunt, dass es relativ wenige Anlandemöglichkeiten gibt“, meint der erfahrene Paddler. Denn wenn man alleine unterwegs ist, kann das beladene Kajak nicht ohne Weiteres aus dem Wasser gehoben werden. Es braucht eine seichte Stelle.

Nicht überall lässt sich das Kajak problemlos aus dem Wasser ziehen.
Nicht überall lässt sich das Kajak problemlos aus dem Wasser ziehen. | Bild: Daniel Haider

Deshalb wird er die Campingplätze kontaktieren und eine Liste zusammenstellen, wo Solo-Paddler problemlos aus dem Wasser kommen können. Auch Übernachtungsmöglichkeiten und die nötige Ausrüstung und Verpflegung will er aufzeigen. Möglichen Nachahmern gibt Haider aber schon heute einen Tipp: „Kondition mitbringen oder kürzere Abschnitte planen.“

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