Die Wähler in Wilhelmsdorf bescherten am Sonntag der Ailinger Ortsvorsteherin Sandra Flucht einen Lebenstraum. Sie wird ab 1. Juni Bürgermeisterin, in der knapp 5000 Einwohner großen Gemeinde im westlichsten Zipfel des Landkreises Ravensburg, sein. Damit ist sie auch die erste Frau an der Spitze einer Gemeinde in diesem Landkreis.

Nach einem überaus engagiert geführten Wahlkampf und einer glänzenden Darbietung bei der offiziellen Kandidatenvorstellung, hoben viele Beobachter Sandra Flucht auf den Schild der Favoritin. „Eine Bürgermeisterin in Wilhelmsdorf würde nicht überraschen“ lautete die Einschätzung des Kommentators. Dass sie aber gleich im ersten Wahlgang, mit 66,5 Prozent der gültigen Stimmen, alle vier Mitbewerber um den Rathaussessel weit in den Schatten stellte, das konnte so nicht erwartet werden. Die Wähler erkannten, dass sich hier eine Frau bewirbt, die viel Sachkunde mitbringt, sich auf Menschen einlassen kann und auch mit sozialer Kompetenz für sich werben konnte.

Pluspunkte sammelte Flucht bei vielen Bürgern der Gemeinde, weil sie nicht das Blaue vom Himmel herab versprechen wollte. Sie erkannte klar die Möglichkeiten Wilhelmsdorfs, aber auch die Grenzen in einer sozial starken, wirtschaftlich aber schwachen Kommune.

Nicht alle Wilhelmsdorfer sind über den dominanten Einfluss des Sozialkonzerns Zieglersche glücklich. Sandra Flucht vermittelte aber in ihren Gesprächen, dass sie hier ein Partner auf Augenhöhe sein will. Dass sie auch die Ressourcen des benachbarten Naturschutzgebiets Pfrunger-Burgweiler Ried samt Naturschutzzentrum als Chance für eine stärkere Entwicklung des Tourismus ansieht, schadete ihr ebenfalls nicht. Hier könnte eine künftige Quelle neuer Einnahmen liegen, die Wilhelmsdorf für sich erschließen muss.

Die Wahl Sandra Fluchts bewies ein weiteres Mal, dass der Posten des Ailinger Ortsvorstehers ein fast sicheres Sprungbrett dafür ist, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. Wir sind gespannt, wer sich künftig als Ortsvorsteher des Obstgartens am Bodensee seine Sporen verdienen wird, um auf der Karriereleiter voranzukommen.