Gibt es das Masern-Virus, oder existiert es gar nicht? Mit dieser Frage beschäftigt sich ab Dienstag das Oberlandesgericht in Stuttgart, nachdem der Fall beim Landgericht in Ravensburg bereits entschieden worden war.

Worum geht es? Im März 2015 verurteilte das Landgericht Ravensburg den bekannten Impfgegner Stefan Lanka aus Langenargen zur Zahlung von 100 000 Euro an den Arzt David Bardens. Lanka hatte im November 2011 auf seiner Internetseite die Existenz von Masernviren in Frage gestellt und demjenigen 100 000 Euro geboten, der sie nachweisen könne. „Das Preisgeld wird ausgezahlt, wenn eine wissenschaftliche Publikation vorgelegt wird, in der die Existenz des Masern-Virus nicht nur behauptet, sondern auch bewiesen ist“, hieß es im Aufruf. David Bardens machte sich die Mühe und legte dem Impfkritiker insgesamt sechs wissenschaftliche Studien vor, die genau das beweisen sollten. Da Lanka aber diese Belege nicht als Beweis ansah, ging die Sache vor Gericht. Lanka bestreitet die Existenz des Virus grundsätzlich. Bei dem Prozess in Ravensburg verlor er dann auf ganzer Linie. Sowohl inhaltlich wie formal seien die Kriterien der Auslobung von David Bardens erfüllt worden, sagte der Vorsitzende Richter im März.

Lanka legte gegen das Urteil Berufung ein – und ist sich sicher, dass er erfolgreich sein wird. „Ich sehe dem Prozess gelassen und freudig entgegen“, sagte er auf Nachfrage des SÜDKURIER. „Jetzt werden sicher die Dinge bewertet, die in der ersten Instanz nicht bewertet wurden. Ich bin zuversichtlich, dass die Sache im Sinne der Wissenschaft ausgeht“, fügt er hinzu. Er habe insgesamt fünf Gutachten anfertigen lassen, um zu beweisen, dass es das Masern-Virus nicht gibt. Der bundesweite Medienrummel um den Fall lässt Lanka kalt. „Ich würde mir zwar eine neutralere Berichterstattung wünschen, doch es ist gut, dass sich so viele dafür interessieren“, so der Impfgegner.