Erfrischend anders: Nicht große und lange Worte sind ausschlaggebende Element des gestrigen Neujahrsempfangs im Dorfgemeinschaftshaus Schnetzenhausen, sondern das gemütliche Zusammensein und viele gute Gespräche am Rande. Nicht zuletzt stimmt auch der Ton der schmissigen musikalischen Begleitung des Musikvereins.

"Jeder kennt jeden. Die zahlreichen Feste verbinden, die Strukturen sind überschaubar", sagt etwa Elfriede Hipp, die vor zwölf Jahren in Schnetzenhausen heimisch geworden ist. Schon vor 55 Jahren ist Cilli Sontheimer "zugezogen". "Von der ersten Minute an haben wir uns hier wohlgefühlt. Wir haben selbst vier Kinder, die hier in den Kindergarten und in die Grundschule gegangen sind, zum Musikunterricht und in den Sportverein. Der Ort war für Familien schon immer ein idealer Wohnort und daran hat sich bis heute nichts geändert. Ich möchte keinen Tag hier missen", so Sontheimers Liebeserklärung an ihr Schnetzenhausen. Ins gleiche Horn bläst Centa Waggershauser: "Das gute Miteinander hält die Dorfgemeinschaft zusammen. Das ist auch der Grund dafür, warum in Schnetzenhausen alles unter einem guten Segen steht." Ganz ähnlich argumentiert Peter Zerulla, zweiter Vorsitzender der Ballonfahrer Graf Zeppelin: "Ich schätze vor allem das rege Vereinsleben."

"Ein tolles Dörfle am Stadtrand", lautet die Einschätzung von Ulrich Schmidt, der seit Jahren im Schnetzenhausener Musikverein spielt. Einziger Wermutstropfen: Vor einem Jahr hat er in Kluftern ein Haus gebaut – weil er in Schnetzenhausen keinen Bauplatz gefunden hat. Trotzdem bei allen Festen mit dabei zu sein und Musik zu machen, ist für ihn Ehrensache. Das findet auch seine achtjährige Tochter Sarah. Der zwölfjährige Maurice und sein fünfjähriger Bruder Nicolai sind zusammen mit ihrer Oma Marie-Luise Meßmer gekommen. "Ich wohne zwar schon seit zwölf Jahren nicht mehr hier, singe aber nach wie vor im Kirchenchor, bin bei der Fasnet dabei und gehöre einfach dazu", freut sie sich.

Dass auch in Schnetzenhausen nicht alle Träume in Erfüllung gehen, das weiß natürlich Stefan Schädle als Vorsitzender des Verwaltungsausschusses. "Der ein oder andere Wunsch liegt manchmal nicht so ganz nahe am Geldbeutel der Stadt", sagte Schädle in seiner Ansprache. Dennoch gebe es Wege und Möglichkeiten, das eine oder andere erfüllt zu bekommen. Er sei in jedem Fall dankbar für die gute Zusammenarbeit und die vertrauensvolle Atmosphäre bei Gesprächen mit den Entscheidungsträgern, so Schädle.

Ein Dank, der vom Ersten Bürgermeister Stefan Köhler gerne zurückgegeben wird. 2017 sei ein Jahr, das Friedrichshafen trotz aller Herausforderung mit großer Zuversicht angehen könne. In Bezug auf die Zeppelin-Stiftung habe der "erste Angriff" abgewehrt werden können – man müsse sich allerdings auf eine gerichtliche Auseinandersetzung gefasst machen. Mit Blick auf die speziellen Belange Schnetzenhausens werde auch 2017 wieder von reger Bautätigkeit geprägt sein, betonte Köhler. Was Beeinträchtigungen durch Schmutz, Lärm und Verkehr betreffe, bittet er um Geduld. "Man muss aber nicht alles ertragen. Berechtigte Anliegen dürfen gerne an die Stadt gerichtet werden, damit man gemeinsam Lösungen finden kann", sagt der Erste Bürgermeister. "Unterstützen sie die demokratischen Elemente weiter und verfolgen Sie die Prozesse in Friedrichshafen weiter", so sein Appell an alle Schnetzenhausener. Und: "Wir hoffen auch in Zukunft auf einen offenen und sachorientierten Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern."

 

Ort mit großer Geschichte

"Snezzinhusin" wird laut einer St. Gallener Urkunde 809 erstmals erwähnt. Die "Herren von Schnetzenhausen", also ein "eigener" Ortsadel, sind ab dem 12. Und 13. Jahrhundert bezeugt. Nach dem Übergang an Württemberg im Jahr 1805 wurde Schnetzenhausen 1850 von Berg getrennt und selbstständige Gemeinde im Oberamt Tettnang. 1910 wurden Löwental, St.

Georgen und ein Teil von Trautenmühle von Schnetzenhausen nach Friedrichshafen eingemeindet. 1914 folgten der Rest von Trautenmühle sowie Teile von Jettenhausen, Meistershofen und Waggershausen – allesamt aus der ehemaligen "Großgemeinde" Schnetzenhausen. 1937 wurde die Neugliederung der Gemeinden im Kreis Tettnang und damit die Eingliederung Schnetzenhausens nach Friedrichshafen durch den damaligen Reichsstatthalter verfügt. 2009 ist das Jubiläum zum 1200-jährigen Bestehen des Ortes gefeiert worden. (ght)