Als Nemorino im Mondschein seine bewegende Arie singt, weiß er noch nicht, dass sich alles zum Guten wenden wird. Innig gibt Andreas Stauber „Una furtiva lagrima" – eine heimliche Träne. Ohne Pathos, dafür umso ergreifender, erklingt sein Lied von Liebe und Schmerz im Saal des Graf-Zeppelin-Hauses. Spätestens jetzt ist den Zuschauern klar, warum die schöne Adina dem Werben dieses Mannes nachgeben muss. Vorher sieht es allerdings ganz anders aus. Adina (Jennifer Jakob) spielt bei ihren Verehrern weibliche Reize aus und verspricht dem eitlen Belcore (Georg Klimbacher) ihre Hand. Der verschossene Handwerker Nemorino erntet nur Hohn. Da kommt der Liebestrank des Pseudodoktors Dulcamara – Torsten Frisch, herrlich verschlagen und mit kernigem Bariton – gerade recht.

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Chor glänzt durch Präzision und Temperament

Das Musiktheater Friedrichshafen verlegt die Handlung von Gaetano Donizettis Oper „Der Liebestrank“ in ein Schwimmbad der 50er Jahre – Männerbadeanzüge und Wasserwellen für die Damen inklusive. Der Chor glänzt durch Präsenz, Präzision und Temperament, vor allem aber auch durch Witz und Spielfreude: Auf laszives Rekeln folgen gehässiger Spott oder ausgelassene Tanzszenen, Sportler ertüchtigen sich mit akrobatischen Kunststücken, der Priester bändelt ungehemmt mit Badenymphen an, und wenn jemand ins Wasser springt, erscheinen Spruchblasen mit „Splash“.

Orchester beweist Humor

Raffiniert einfach ist das Bühnenbild: Eine drehbare Treppe, eine angedeutete Umkleidekabine und ein hochgeklappter Pool geben den Sängern allen Raum, den sie brauchen. Das schlank besetzte Orchester unter Pietro Sarno begleitet sie dabei einfühlsam und beweist selbst Humor. Als Nemorino sein Vermögen für den Liebestrank opfert, erklingt Wagners Tristan-Akkord. Dass sich hinter Dulcamaras Liebestrank schlichter Chianti verbirgt und Nemorino aus ganz weltlichen Gründen zum Frauenschwarm wird, wissen nur die Zuschauer. Den Protagonisten ist es egal.

Weitere Aufführungen: Freitag, 12. April um 19.30 Uhr und Samstag, 13. April um 19.30 Uhr.