Mit Comedian Johannes Schröder, vom Staat geprüfter Deutschlehrer und Beamter mit Frustrationshintergrund, endete am Sonntag das FAB-Festival im Friedrichshafener Fallenbrunnen. Mit seinem ersten Comedy-Soloprogramm "World of Lehrkraft – ein Trauma geht in Erfüllung" amüsierte er die Zuhörer im Theater Atrium – grob geschätzt waren mindestens die Hälfte Kollegen von Herrn Schröder.

"Ich habe kein Problem, wenn jemand während der Vorstellung isst oder trinkt oder vielleicht rausläuft", sagt Herr Schröder in beigem Cord-Sacko und schlecht sitzender Jeans nach dem Klingeln der Pausenglocke. Schließlich war er zwölf Jahre im Schuldienst und ist Kummer gewöhnt. Auch dass jemand "Du Opfer" oder "Geh nach Hause" reinruft – im Atrium verteilt er die Rollen an Franz und Mario aus dem Publikum – gehört für ihn zur stimmigen Klassenzimmeratmosphäre. Gut 90 höchst amüsante Minuten plaudert Schröder aus seinem früheren Leben am Korrekturrand und zieht dabei genüsslich hochbegabte Klassenzimmeramöben und Kollegen wie Turnhallen-Theo, die bildungsferne Spaßgurke, durch den Kakao. "Ball reinwerfen und der Unterricht ist vorbereitet." Klingt da etwa ein wenig Neid heraus?

Schnell findet Herr Schröder mit Luis aus Spanien im Publikum jemanden, für den Deutsch nicht die Muttersprache ist. Dativ und Akkusativ auseinanderzuhalten, sei immer noch schwierig. Herr Schröder winkt ab. Auch zu schwierig für das Publikum. Dann lieber die völlig willkürlich zugeordneten Artikel "der, die, das". "Kann jemand erklären, warum es morgens der Weizen und das Korn heißt, abends in der Kneipe aber das Weizen und der Korn?", nennt der Lehrer ein prägnantes Beispiel für die Logik der deutschen Sprache. Ein Quäntchen davon erkennt er beim Wort "die Einparkhilfe" – Raunen im Publikum. Zu seinem Glück aber auch bei "der Sexismus".

Als bekennender Single gibt sich Herr Schröder mit dem Wasserglas in der Hand optimistisch: "Mein Bett ist halb voll." Seine Schüler hätten den Inhalt der Klassenkasse verwendet, um ihn bei Elite Partner anzumelden. Der Profiltext: Vergilbtes Löschpapier im Buch des Lebens sucht frischen Tintenklecks zum Aufsaugen. Nichtsdestotrotz herrsche bei ihm gerade hormoneller Schienenersatzverkehr und er fühle sich wie ein Sushi-Teller in der 84. Runde. Seine Liebhaber-Qualitäten würden die gattungsspezifischen Eigenschaften einer Kurzgeschichte erfüllen. "Wer weiß es?", fragt er ins Publikum. Ja, ein offener Anfang und ein sehr unvermittelt einsetzendes Ende.

Belauschte Pausengespräche und die Hackordnung im Schulhof bis runter zum Rindenmulch sind ebenfalls eine Bereicherung für Herrn Schröders Comedy-Programm: "Hey, was geht bei dir ab?" – "Wie, was geht bei mir ab?" – "Na, was bei dir abgeht!" Schröder deklamiert die Sätze wie ein Gedicht und blickt erwartungsvoll von der Bühne. "Das war ein dreihebiger Jambus." Das gekonnte Spiel mit Wörtern, Metaphern und grammatikalischen Finessen macht ihm sichtlich Spaß. Auch an Kalauern mangelt es nicht: "Anglizismen sind für mich ein absolutes No-Go", haut er raus, um sich dann streitenden Teenager-Mädchen zuzuwenden: "Da sitzt der Teufel in der Ecke und lernt." Auch seine Erfahrungen beim Elternsprechtag teilen wohl einige im Publikum: "Können Sie mir sagen, ob mein Sohn ADAC hat?" Trotzdem sei es schön, mal die Leute kennenzulernen, die die ganzen Referate schreiben, meint Herr Schröder. Für ihn macht einen guten Lehrer aus, dass er empathisch ist und spürt, in welche Schublade das Kind passt. Übrigens seien 95 Prozent der Lehrer glücklich mit ihrem Beruf – sagt eine Umfrage aus den Monaten Juli und August. Gerne mehr davon, Herr Schröder!