Techno dröhnt durchs Zeppelin Museum, Alexander Sahm steht in schwarzem Rock, Perlenkette und unbewegter Mine am Mischpult. Am Mikrophon steht in einer Art Astronautenjacke Alla Poppersoni und sagt mit mechanisch klingender Stimme: "I am a stranger, a permanent new friend, and I am free with anticipating the future although it is already happenend." Manchmal übernehmen an die Decke projizierte Smileys den Text, Künstler und Medien scheinen zu verschmelzen. "Look at me!", fordert Poppersoni ihr Publikum auf und bleibt vor zwei Frauen so nah und so lange stehen, bis es denen sichtlich unangenehm wird. Grenzen von Nähe und Verfremdung, Körperlichkeit und Maschine verschwimmen. Die Musik verlangt in treibenden Klangscheifen Aufmerksamkeit, Texte wollen nachgedacht sein, dazu verstören Videos mit Bildern von stehenden Buddha-Babys oder verformten Puppenköpfen. "There is no way one could know what is the perfect choice", sagt die mechanische Stimme. Es bleibt ein Gefühl von Überwältigung: eine erschreckende Sicht auf den Einzelnen in einer schnelllebigen, von anonymen Algorythmen und konkreten Machtinteressen dominierten Welt. Das deutsch-italienische Künstlerduo "BBB" eröffnet an der Grenze zwischen Musik, Poesie, Philosophie und neuen Medien mit seiner Performance den Häfler Kunstfreitag.

Das Zeppelin-Museum bietet Führungen durch die aktuellen Ausstellungen an. Pedro Krisko (Mitte) erklärt die "Schönen neuen Welten".
Das Zeppelin-Museum bietet Führungen durch die aktuellen Ausstellungen an. Pedro Krisko (Mitte) erklärt die "Schönen neuen Welten". | Bild: Corinna Raupach

"Ich weiß nicht, ob die Stunden bis Mitternacht ausreichen, um das vielfältige Programm mitzunehmen, daher empfehle ich Ihnen: lassen Sie sich treiben, lassen Sie sich inspirieren und genießen Sie!", sagt Bürgermeister Andreas Köster bei seiner Begrüßung. Acht Stationen warten mit Musik, Installation, Bild, Film und neuen Medien auf Besucher, von der Galerie Bernd Lutze über Kunstverein, Plattform 3/3, Zeppelin-Universität und Medien. Schon im Zeppelin-Museum geht es los, mit Führungen durch die aktuellen Ausstellungen oder einem Besuch des Virtual Reality Labs.

Der Künstlerduo BBB ist gerade von einer Tournee durch Japan zurück und eröffnet den Kunstfreitag.
Der Künstlerduo BBB ist gerade von einer Tournee durch Japan zurück und eröffnet den Kunstfreitag. | Bild: Corinna Raupach

Im Turmatelier empfängt die diesjährige Stipendiatin der ZF-Kunststiftung Nina Rike Springer. Vor allem vor ihren Videos bilden sich immer wieder lachende Menschentrauben: Im "Leberkäsmarsch" verwandelt sich das Kärtner Nationalgericht aus Würfelchen in den Brocken zurück, in "Couchpolka" bevorzugen die Kissen das Chaos und ihre Parodie auf "Everlasting love" macht die Vorstellung vom ewigen Leben zu zweit zum Albtraum. "Die Videos mache ich eigentlich zur Entspannung" sagt Springer – ihr eigentliches Metier ist die Fotografie. Ihre Figuren tragen Uniformen aus Badekappen und futuristischen Kostümen. Nina Rike Springer ordnet Menschen an wie auf einer Leiterplatte, baut sie ein in geometrische Formen oder lässt sie "Stirnfalte" oder "Wasserfallte" legen. Auf den ersten Blick bunt und hübsch wie Süßigkeiten, stellen die Bilder auf den zweiten Fragen nach Zwängen, Ängsten, Ordnung und Identität.