Der Tagesordnungspunkt "vorhabenbezogener Bebauungsplan Zeltlager Seemoos" brachte auch die Augen einiger Mitglieder des Technischen Ausschuss am Dienstagabend zum Leuchten. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart will die knapp 70 Jahre alte Infrastruktur des bisherigen Ganzjahresbetriebes südlich der Möwenstraße komplett umgestalten – und macht den teilweise lärmgeplanten Anwohnern in Seemoos dafür einige Zugeständnisse.

Gemeinsam mit dem Architekturbüro Oberschelp, das den Wettbewerb für die Neuplanungen gewann, hat die Diözese ein Konzept erarbeitet, für das ein vorhabenbezogener Bebauungsplan den Grundstein legt. Der Technische Ausschuss gab grünes Licht für die Einleitung des Verfahrens. "Künftig kommen nur noch von Pfingsten bis Ende der Sommerferien Kinder ins Zeltlager", erläuterte Stephen Minte von der Diözese im TA. Statt den rund 440 Kindern werden künftig nur noch 300 Kinder im Lager ihre Ferien verbringen. Die werden dafür eine verbesserte Infrastruktur vorfinden.

Das 8000 Quadratmeter große Grundstück wird im Norden durch die Möwenstraße erschlossen, in dem sich auch kleine Parkbereiche für Mitarbeiter und die Anlieferung für Lebensmittel befinden. Besonders die An- und Abreisetage der Kinder haben in der Vergangenheit immer wieder zu Ärger bei den Anwohnern gesorgt. "Es hat sich bewährt, dass die Eltern ihre Kinder auf dem Parkplatz der Bodenseeschule übergeben bekommen", erklärte Daniel Oberschelp im TA. Das soll auch zukünftig so laufen.

Oberschelps Pläne sehen zweigeschossige, miteinander verbundene Gebäudeelemente in Hanglage vor. Die sollen alles bieten, was ein Zeltlager so braucht, gleichzeitig aber auch als Art Lärmschutzwand hin zu den Anwohnern in der Möwenstraße dienen. In den Gebäuden befinden sich Lagerbüro, Krankenzimmer, Aufenthalts- und Sanitärräume sowie ein Küchen- und Essenbereich. "Wir planen eine strukturierte Fassade, die von innen beleuchtet ist", erklärte Oberschelp, "so finden die Kinder nachts von ihren Zelten aus leicht ins Haus." Zudem gibt es Schutzräume für Gewittertage, die im Winter als Lager für die Zelte genutzt werden könnten. Zentraler Treffpunkt bildet im Außenbereich ein den Freizeitangeboten vorgelagerter Platz mit Holzdeck und Pergola.

Bisher wurde der Zeltlagerbetrieb im Geltungsbereich der Ortsbausatzung mit dem Gebietstyp "Reines Wohngebiet" lediglich über den Bestandsschutz der erteiltenGenehmigungen und der Befreiungen von der Verordnung des Landschaftsschutzgebietes abgedeckt. Stimmt der Gemeinderat den Plänen zu, gibt es erstmals in Form eines Bebauungsplans Rechtssicherheit. Das ist aus Sicht der Diözese mehr als notwendig. "Wir wollen diesen wunderschönen Standort halten", sagte Minte, "und dieser Wunsch kommt von oberster Stelle." Die Kosten für die Neugestaltung trägt die Diözese zu 100 Prozent. Minte rechnet mit "mehreren Millionen Euro." Investiert hat die Diözese bereits in die Renaturierung und Neugestaltung des Uferbereichs.

Vom Technischen Ausschuss gab es einhellig Lob für die Planungen. "Es ist bemerkenswert, wie hier auf die Bedürfnisse und Wünsche der Anwohner eingegangen wurde", betonte Heinz Tautkus (SPD), der einst selbst als Kind im Zeltlager war.

Wann genau das Zeltlager umgestaltet werden kann, hängt davon ab, wie schnell das Bebauungsplanverfahren abgeschlossen ist. Derzeit ist aber davon auszugehen, dass das Zeltlager sein 70. Jubiläum im Jahr 2019 auf einer Baustelle feiert.

Das Ferienlager

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart betreibt seit 1949 das Zeltlager Seemoos und hat es seither immer wieder aus-und umgebaut. In den vergangenen 68 Jahren haben viele Häfler und auswärtige Kinder ihre Ferien direkt am See verbracht. Seit den 1970er-Jahren haben sich die Konflikte zwischen Anwohnern in Seemoos und dem Lager verschärft. Meistens ging es dabei um Lärmbelästigung und Verkehrsprobleme. Künftig soll der Ganzjahresbetrieb auf einen rein saisonalen Betrieb umgestellt werden. Zwischen Pfingsten und Ende Sommerferien wird es weiterhin Lager für unterschiedliche Altersklassen geben. Organisiert wird das Lager vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend. (sab)