32 neue Mietwohnungen mitten in der Stadt sind angesichts des Wohnungsmangels in Friedrichshafen ein starkes Argument für das Projekt der Fränkel AG in der Riedleparkstraße, Ecke Hofener Straße. Seit Ende März liegt nach Auskunft von Jacqueline Egger-Buck vom Vorstand des Unternehmens die Baugenehmigung der Stadt vor. Im Sommer könnten die Bauarbeiten bereits losgehen. Doch die neuen Häuser sind nicht jedermanns Geschmack. Hier werde die "Nachverdichtung im Bestand auf die Spitze getrieben", meint Philipp Fuhrmann vom "Netzwerk für Friedrichshafen". Für ihn wird mit den zwei Neubauten "das Erscheinungsbild der schönsten Straße unserer Stadt ruiniert".

Altes Backsteinhaus nicht denkmalgeschützt

Vor Jahresfrist wurde an dieser Stelle ein markantes Backsteinhaus abgerissen, das um die Jahrhundertwende gebaut worden war, aber nicht unter Denkmalschutz stand. Nach Angaben der Fränkel AG war das marode Haus aus Sicht der Sachverständigen nicht mehr sanierbar. Trotzdem regte sich erneut heftiger Widerstand, der sich mit der Diskussion um den Abriss des Hotels "Schöllhorn" in der Friedrichstraße seitdem in der Facebookgruppe "Friedrichshafen, damals, gestern" kanalisiert. Deren Gründer, der Bauhistoriker Peter Liptau, äußerte sich damals jedenfalls enttäuscht über den Abriss. Es sei "sehr schade um ein solch altes Haus, zumal es an einer städtebaulich so wichtigen Stelle wie innerhalb des Ensembles Riedleparkstraße stand", sagte er im April 2017 unserer Zeitung.

Fuhrmann: überdimensioniertes Projekt

Für Philipp Fuhrmann passen die Neubauten, die für ihn ein "überdimensioniertes Projekt" darstellen, nicht in dieses Gebäude-Ensemble hinein. Die angrenzenden Häuser hätten ausnahmslos Satteldächer und maximal drei Vollgeschosse, moniert er. Und fordert, dass die Stadt die Gestaltungssatzung, die für Teile der Innenstadt gilt, dringend auf die Nordstadt ausweiten sollte.

Jaqueline Egger-Buck von der Fränkel AG kann die Kritik nicht nachvollziehen. Die viergeschossigen Gebäude plus Penthouse fügten sich mit ihrer Kubatur in das Quartier ein. Entlang der Riedlepark- und Hofener Straße fänden sich vergleichbare Traufhöhen. Damit die neuen Gebäude optisch nicht zu wuchtig erscheinen, habe man sich für ein zurückgesetztes Dachgeschoss entschieden.

Aus der heutigen Perspektive – Standort Riedleparkstraße – sind die Häuser mit Satteldach in der Nachbarschaft noch zu sehen. Vom Giebel des linken Gebäudes ist in der Ansicht oben nur noch die Spitze zu sehen.
Aus der heutigen Perspektive – Standort Riedleparkstraße – sind die Häuser mit Satteldach in der Nachbarschaft noch zu sehen. Vom Giebel des linken Gebäudes ist in der Ansicht oben nur noch die Spitze zu sehen. | Bild: Sandro Kipar

Stadt: Neues Gebäude passt an die Stelle

Auch nach Ansicht der Stadt Friedrichshafen fügen sich die neuen Gebäude "nach Art und Maß der baulichen Nutzung" in die Umgebung ein, teilt die städische Pressestelle auf Anfrage mit. Die Höhe der Gebäude blieben mit dem obenauf gesetzten Staffelgeschoss unter den maximalen Höhen der Nachbargebäude. Und: "Ob eine Nachverdichtung als verträglich empfunden wird, ist oft eine subjektive Einschätzung, die zum Beispiel von der persönlichen Betroffenheit, aber auch vom jeweiligen Bedarf nach Wohnraum beeinflusst sein kann", erklärt Stadtsprecherin Monika Blank.

Was die Gestaltungssatzung angehe, so sei eine Ausweitung "nicht sinnvoll", so Blank. Deren Abgrenzung – das zentrale Stadtgebiet mit Fußgängerzone und Uferpark sowie dem Einzelhandelsschwerpunkt um Charlotten- und Eugenstraße – sei damals bewusst gewählt worden. In erster Linie würden die Gebäude hier für Handels- und gastronomische Betriebe und Hotels sowie Wohnen in den Obergeschossen genutzt, ergänzt durch zentrale Einrichtungen der Verwaltung, Wirtschaft und Kultur. Nördlich der Charlotten- und Eugenstraße ändere sich die Nutzungsstruktur, die eindeutig im Wohnbereich liege.

 

Der Neubau

Die Fränkel AG baut in der Riedleparkstraße 2- bis 4-Zimmer-Mietwohnungen, die zwischen 52 und 102 Quadratmeter groß sind. Jede Wohnung hat eine Loggia, zum Penthouse gehört eine Dachterrasse. Alle Wohnungen sind nach Angaben des Bauherrn so angelegt, dass die Mieter barrierefrei von der Straße bis in die Wohnung kommen. Dafür sorgen Aufzüge bis in die hauseigene Tiefgarage. Die Fertigstellung ist für Ende 2019 geplant. Interessenten könnten ab sofort Wohnungen reservieren. (kck)

 

 

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