Erntedank: Ein Fest wie aus der Zeit gefallen. Denn heute ist ein Gang durch den Supermarkt wie ein Spaziergang durch den Garten Eden. Wem also danken für die Lebensmittel unseres Alltags – globalen Konzernen wie Coca Cola und Nestlé? Dem unbekannten Landwirt und seinem High Tech-Hof? Und doch ist Ernten nichts Selbstverständliches, ebenso wie Danken. Dank ist eine Glücksempfindung – dass jemand Bedürfnisse mit einem Geschenk beantwortet, ohne dass er das tun müsste. Am Sonntag wurde Erntedank gefeiert, und in St. Maria in Jettenhausen gab es dazu ein Konzert, bei dem Jürgen Frank (Trompete) und Georg Hasenmüller (Orgel) das Publikum mit einer Spielfreude beschenkten, dass das Glücksempfinden nicht hätte größer sein können.

Gewiss, die beiden sind ein eingespieltes Team. Frank, stellvertretender Solotrompeter bei der Südwestdeutschen Philharmonie in Konstanz, und Hasenmüller, Kantor und Organist in St. Petrus Canisius, gehören als Duo quasi zum Konzertinventar Friedrichshafens. Und gewiss, die Paarung Orgel und Trompete sorgt immer für gut besetzte Kirchenbänke. Doch zum Ausklang des Erntedankfestes boten die Musiker alles andere als Fast Food – selbst wenn das Programm gleich mit einem populären Reißer begann: der Sonata F-Dur von Pietro Baldassare. Das Stück ist ein Tribut an die Glanzzeit der hohen Trompete, die im Barock begann, als virtuoses Soloinstrument hervorzutreten. Frank ließ sie erschallen mit makelloser Technik und dem Vermögen, aus ihr auch reinen Belcanto herauszuholen. Mit dem energisch zupackenden Spiel Hasenmüllers verschmolz das zu einem Hochgenuss.

Die Musiker unternahmen eine Zeitreise quer durch Europa, mit Musik aus drei Jahrhunderten. Besondere Sorgfalt verwendeten sie auf Fragen stilgenauer Interpretation, nicht historisierend, aber historisch informiert. Ihr kritisches Stilbewusstsein trat besonders bei einem Werk zutage, das ursprünglich für Orchester und Trompete komponiert war: beim Concerto in Es von J.B. Neruda. Ein gefälliges, spätklassisches Stück, das die Musiker tonmalerisch anlegten und bei dem Franks Fis-Trompete die Orgel regelrecht umtänzelte. Überhaupt, Franks Blechsammlung: Drei Trompeten und ein Flügelhorn hatte er dabei. Letzteres kam beim wohl berühmtesten Werk des Schweden Oskar Frederik Lindberg zum Einsatz, dem "Gammal Fäbodpsalm von Dalarna". Hochleistungssport hatte Hasenmüller zuvor bei J.S. Bachs berühmter Toccata und Fuge in d-Moll bewiesen. Ein Paradestück für jeden Organisten, doch so schwungvoll und dynamisch wie es Hasenmüller unter seine Hände und Füße nahm, geriet die Monumentalität der Toccata noch etwas erhabener, die Fuge noch stimmgewaltiger. Die Sonata in g-Moll des Bach-Sohns Carl Philipp Emanuel stand dazu in gewolltem Kontrast. Am Ende kehrte das Duo in die Barockzeit zurück. In Tomaso Albinonis Concerto in C zogen die Musiker noch einmal alle Register ihres Könnens. Das Publikum applaudierte reich beschenkt und wurde mit Henry Purcells "Trumpet Tune" nach Hause geschickt.