Die Besucher staunen nicht schlecht, am Samstagabend im Hugo-Eckener-Saal: Am linken Bühnenrand steht die Queen, ganz in Gelb, neben einem goldenen Thronsessel mit roten Bezügen, ein zweiter solcher steht rechts auf der Bühne, die mit Weihnachtssternen Blumen prächtig geschmückt ist. Echt ist die englische Königin natürlich nicht, sondern aus Pappmaschee, aber dem Original zum Verwechseln ähnlich – ein bewundernswertes Kunstwerk von Theresia Hillebrand. Für sein Jahreskonzert hat der Musikverein Jettenhausen offenbar keine Kosten und Mühen gescheut, um für sein Motto "Majestätisch!" den passenden Rahmen zu schaffen und Werke zu Gehör zu bringen, die keine Wünsche offen lassen. Nicht zuletzt ist das ihrem engagierten Dirigenten Andreas Stützle zu verdanken.

Zuvor jedoch gibt die Jugendkapelle "Juka Dreierlei" (Ailingen, Berg und Jettenhausen) eine Kostprobe ihres Könnens. Unter Leitung von Felix Olbrich zeigt sie, wie viel Potenzial in ihr steckt. Die "Big Sky Ouverture" von Sparke mit effektvoll wirbelnden Schlagzeugsticks und Paukenschlägen – nicht zu vergessen die gekonnten Crescendi –, zeugen von einer intensiven Probenarbeit. Schön geschlossen und in getragenem Tempo kommt die Ballade "The way we were" daher, und in "Free World Fantasy" gelingen ihnen erstaunlich gute Tempiwechsel. Hier lassen besonders die beherzten Trompeter aufhorchen.

Mit den erwachsenen Musikern wird es mit der "Fanfare for the common man" dann wahrhaft majestätisch, mit gewaltigen Paukenschlägen und -wirbeln im Wechsel mit Trompeten- und Posaunenglanz. Hoheitsvoll und strahlend gespielt, ist sie kein Willkommensgruß an die "Queen", sondern an jedermann. Gewohnt routiniert geben Sarah Löschmann und Christian Frey Einblicke in die verschieden Titel.

"Majestätisch!" bietet mehr als nur gekrönte Häupter. Auch das sagenumwobene Bernsteinzimmer hat Juwelenklänge, das von Preußen nach Russland kam und seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen gilt. Auch majestätische Landschaften und ungewöhnliche Könige lassen grüßen. Wie fernes Donnergrollen tönt die Pauke, mit feinem Glockenspiel kontrastierend. Dieser einfühlsame Auftakt in "The Legend of the Amber Room" macht schon bald ungestümem, präzise geschlossenem Vorwärtspreschen Platz, gefolgt von zackigen Marschrhythmen, in die sich die Pauken wie Kanonendonner einmischen. Farbig nuanciert und illustrativ ziehen die verschiedenen Stationen des Bernsteinzimmers vorüber, sogar einen Fliegerangriff meint man herauszuhören. Der Schluss kommt bombastisch. In "Klang der Alpen" schöpfen die rund 55 Bläser aus dem Vollen. Die ganze Vielfalt der Natur und Erhabenheit der Berge tun sich vor dem geistigen Auge auf, sanfte Wellen und rauschendes Wasser, tirilierende Vögel in pastellfarbenem Landschaftsidyll.

Bei ländlicher Volksmusik kommen sogar echte, große Kuhglocken zum Einsatz. In nahtlosen Übergängen wechseln die Musiker von einem Rhythmus zum nächsten. Mit temperamentvollem Ritt geht es in der "Symphonic Suite from Robin Hood" durch den Sherwood Forest, den eine Oboe in einer zartklingenden Ballade ablöst. Hoheitsvolle Klänge lassen den König der Diebe hochleben, bevor lärmendes Getöse Kampfgetümmel imitiert.

"A Tribute to Michael Jackson" entwickelt sich zum musikalischen Highlight. Bei "Thriller" hat man gleich das faszinierende Horrorszenario mit Zombies vor Augen, so spannend und erzählerisch kraftvoll baut der Musikverein Jettenhausen die Bilder auf, mit pulsierendem Rhythmus, und einem Schliff, der nichts zu wünschen übrig lässt. Und wie geschmeidig sich ein Solist aus dem Orchester in "I'll be there" in seine Saxofonklänge legt, hat Starqualitäten.

In "I want you back" wird in einer Art gegroovt, die zeigt, in wie vielen Stilen der Musikverein Jettenhausen zu Hause ist. Beim "König der Löwen" ist Endstation der Klangreise durch majestätische Welten, in der auch eine Ehrung Platz hat. Für besondere Verdienste ernennt der Verein Manfred Groß zum Ehrenmitglied. Highlights aus dem Soundtrack des Films führen zu einem wahrhaft königlichen Konzertende, mit kreativer Gestaltungsfreude, allem Glanz und swingendem Schmiss, den man sich nur vorstellen kann. Die Queen wäre höchst "amused" gewesen.