Wegen gefährlicher Körperverletzung standen am Donnerstag zwei Brüder aus Friedrichshafen vor Strafrichter Max Märkle am Amtsgericht Tettnang. Vorgeworfen wurde ihnen, zwei Gäste in einer Bar in Friedrichshafen am 2. Oktober 2016, gegen 3 Uhr morgens, geschlagen, getreten und verletzt zu haben. Doch der Satz: "Ich kann mich nicht mehr so genau erinnern, weil es so lange her ist", war bei der Befragung von Opfern und Zeugen symptomatisch. Am Ende forderten Staatsanwalt Sascha Musch und die Verteidiger Gerd Pokrop und Markus Lehmann Freisprüche. "Ein Tatverdacht liegt überhaupt nicht mehr vor", stellte Musch fest. Dem hatte auch Märkle wenig hinzuzufügen: "Die Angeklagten werden freigesprochen." Das Urteil ist rechtskräftig.

Der ältere Angeklagte, der vier Vorstrafen im Register stehen hat, verweigerte die Aussage. Der jüngere Bruder ließ von seinem Verteidiger Markus Lehmann eine Erklärung verlesen. Danach betreibt er eine Bar und hatte zu einer Party eingeladen, wobei sein älterer Bruder und sein Vater halfen. Irgendwann nach Mitternacht seien zwei jüngere Männer in die Bar gekommen. Diese sollen in Streit mit einer Gruppe älterer Männer geraten sein. Als es lauter wurde, hätten er und sein Vater die zwei Männer aufgefordert, das Lokal zu verlassen. Daraufhin habe einer der zwei Männer seinem Vater, der sich schon abgewandt hatte, von hinten auf den Kopf geschlagen, sodass der Vater ein Tablett fallen ließ und angeschlagen gegen die Bar taumelte. Er sei dazwischengegangen, so der jüngere Mann, und eine größere Gruppe von Männern habe sich eingemischt. Es entstand ein Gerangel. "Das war irgendwie wie jeder gegen jeden", verlas sein Verteidiger. Geschlagen habe er niemanden. Im Eingangsbereich der Bar sei es dann zu einer handfesten Auseinandersetzung zwischen den beiden jungen Männern und einer Gruppe von Personen gekommen, bei der auch ein bis zwei Leute auf dem Boden gelegen hätten. Er und sein Vater hätten zu schlichten versucht. Schließlich seien die beiden Männer vor der Tür gewesen und es habe noch eine unfreundliche verbale Auseinandersetzung zwischen ihm und den beiden Männern gegeben.

Von diesen beiden Männern sowie einem Zeugen und zwei Zeuginnen wurden nur Bruchstücke dieser Geschichte bestätigt. Fest steht wohl, dass etliche Gäste deutlich alkoholisiert waren. Festgestellt wurde das damals nicht, weil keine Polizei vor Ort war. Angefangen hatte der Streit nach Aussage eines der junger Männer, weil er in eine verbale Auseinandersetzung mit einem älteren Mann geriet, der sich angerempelt fühlte. Fest steht auch, dass es anschließend im Vorraum zu einer körperlichen Auseinandersetzung kam. Der eine junge Mann erlitt ein blaues Auge, der andere meinte vor Gericht, er sei nicht verletzt worden. Wer wen und wann geschlagen und getreten hat, ließ sich aber nicht klären.

Nicht angeklagt und auch nicht zu klären war, ob es vor der Tür die Drohung gegeben hat, dass es im Falle der Benachrichtigung der Polizei Konsequenzen gebe. Die Polizei wurde jedenfalls am Abend jenes Tages von einem der jungen Männer informiert.