Die Erleichterung der beiden Polizisten des Häfler Polizeireviers war groß, als Richterin Heike Jakob am Dienstagabend klar auf Freispruch für die beiden Streifenbeamten erkannte. Diese hatten sich wegen des Vorwurfs der versuchten Strafvereitelung im Amt vor dem Amtsgericht Tettnang zu verantworten. Sie sollten einen Kollegen gedeckt haben, der betrunken einen Unfall am Seewaldkreisel der B 30 gebaut hatte und danach geflüchtet war, so der Vorwurf.

Der Staatsanwalt hatte bereits in seinem Plädoyer für einen der beiden Polizisten, die im September 2015 direkt zu der Unfallstelle geeilt waren, Freispruch beantragt. Denn dieser habe von der Aufforderung eines Zeugen, nach dem geflüchteten Autofahrer zu suchen, nichts mitbekommen. Im Gegensatz dazu sah er den Vorwurf gegen dessen Streifenkollegen als erweisen an. Und er forderte statt der im Strafbefehl beantragten 90 Tagessätze jetzt 120 Tagessätze à 80 Euro. Schließlich sei eine versuchte Strafvereitelung im Amt kein Kavaliersdelikt, begründete er. Strafbefehle hatten beide Polizisten erhalten. Dagegen hatten sie Widerspruch eingelegt, weshalb es zur Verhandlung vor dem Amtsgericht kam. Die Frage des SÜDKURIER, ob die Staatsanwaltschaft Rechtsmittel gegen das Freispruch-Urteil einlegen werde, ließ der Vertreter der Anklagebehörde unmittelbar nach dem Urteilsspruch offen – und verwies für spätere Auskünfte an die Pressestelle der Staatsanwaltschaft. Die Verteidiger der Polizisten hatten jeweils auf Freispruch plädiert. Rechtsanwalt Marcus Ehm wies in seinem Plädoyer darauf hin, dass der Bundesgerichtshof in seinen bisherigen Urteilen keine allgemeine Pflicht für Polizisten sieht, dass diese Täter nacheilen müssen.

Vielmehr werde es in das "pflichtgemäße Ermessen" der Beamten gelegt, entweder den Täter direkt zu verfolgen oder eine Fahndung einzuleiten.

Für Richterin Jakob ist im September 2015 an der Unfallstelle zwar nicht alles optimal verlaufen. Beispielsweise unterblieb eine sofortige Meldung nach dem Eintreffen am Unfallort an das Führungs- und Lagezentrum im Polizeipräsidium Konstanz. Doch weder könne den beiden Streifenbeamten Vorsatz noch ein unmittelbares Tätigwerden nachgewiesen werden. Und was den Vorwurf einer Strafvereitelung im Amt anlangt, seien die hohen Hürden dafür nicht überschritten worden, begründete die Richterin.

"Wir haben alle Maßnahmen ergriffen, wie bei jedem anderen Unfall auch, unglücklicherweise war ein Kollege beteiligt", sagte einer der beiden angeklagten Polizisten in seinem Schlusswort. Er habe sich absolut nichts vorzuwerfen. Schließlich hatte Marcus Ehm, einer der Rechtsanwälte, darauf hingewiesen, dass sein Mandant doch nicht riskiere, "seinen Kittel ausziehen zu müssen, nur damit ein anderer stiften gehen" könne. Im Übrigen habe der betrunkene Kollege nicht zu dessen besten Freunden gezählt.

Auslöser für die Anklage gegen die am Dienstagnachmittag freigesprochenen Streifenpolizisten war das Verfahren gegen den betrunkenen Polizisten, der in der Nacht des 12. September 2015 am Seewald-Kreisel Unfallflucht begangen hatte. Dieser war im März vergangenen Jahres zu einer Geldstrafe und einem fünfmonatigen Führerschein-Entzug verurteilt worden. Da er in der Nacht des 12. September nicht auffindbar war, konnte keine Blutprobe genommen werden, um den Alkoholspiegel im Blut genau bestimmen zu können.