Morgens haben die Kinder im Kindergarten St. Petrus Caninsius ein Hochbeet bepflanzt, vormittags zu Fingerspielen gesungen und mit Farben experimentiert, jetzt turnen und toben sie im Garten. Während sie lachen und debattieren, merken sie gar nicht, wie intensiv sie gerade lernen. Sie trainieren unter anderem Sprachvermögen, Grob- und Feinmotorik und soziale Umgangsformen und erfahren Gesetze der Naturwissenschaften. „Wir leisten hier Bildungsarbeit“, sagt Kindergartenleiterin Jasmin Lutz.

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Ein Kindergartenplatz in diesem Kindergarten kostet im Monat 698 Euro, für Personal, Gebäude, Sach- und Verwaltungskosten. Die Eltern zahlen durchschnittlich 74 Euro im Monat, 70 Euro kommen von der Kirche, 528 Euro zahlt die Zeppelin-Stiftung. Dazu kommt Geld von Stadt, Landesstiftung und gegebenenfalls Krankenkassen. Ein Viertel der verfügbaren Kirchensteuern gibt die katholische Kirche in Friedrichshafen für den Betrieb ihrer Kindergärten aus, weitere 50 Prozent für soziale Zwecke wie Herberge, Sozialstation, Stadt und Jugenddiakonat.

Professor Bernd Halfar vom xit-Institut erläutert seine Studie.
Professor Bernd Halfar vom xit-Institut erläutert seine Studie. | Bild: Corinna Raupach

Sie erhält dafür erhebliche Mittel aus öffentlichen Haushalten. Die Gesamtkirchengemeinde hat jetzt untersuchen lassen, ob dieses soziale Engagement einen messbaren gesellschaftlichen Mehrwert generiert. „Bei begrenzten Kirchensteuereinnahmen müssen wir uns fragen, wie wir unser Geld möglichst effektiv einbringen. Wir müssen uns auch von den Geldgebern fragen lassen: Was bringt ihr mehr als andere?“, sagt Franz Bernhard Bühler, Vorsitzender des Gesamtkirchengemeinderats.

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Die Kirche beauftragte das Nürnberger Institut xit, das sich auf die Wirkungsforschung im sozialen Bereich spezialisiert hat. Der Gründer der Instituts, Professor Bernd Halfar, stellt die Ergebnisse bei einer Podiumsdiskussion vor. Der Studie liegt die Methode des „Social Return of Investment“ (SROI) zugrunde. Sie misst den Mehrwert sozialer Investitionen vor allem auf finanzieller Ebene. „Wir haben das noch nie für eine Kirchengemeinde betrachtet“, sagt Halfar. Er hat analysiert, wie viel des vom Staat (Land, Kreis, Kommune) investierten Gelds an die öffentliche Hand zurückfließt. Rund die Hälfte der Personalkosten wandert in Form von Steuern, Sozialabgaben und vermögenswirksamen Leistungen in Kassen der Allgemeinheit. Für Produkte und Dienstleistungen zahlt die Kirche Mehrwertsteuer.

Bürgermeister Andreas Köster sagt, die Kirchen leisteten mit ihrem Engagement einen wichtigen Beitrag zum sozialen Frieden.
Bürgermeister Andreas Köster sagt, die Kirchen leisteten mit ihrem Engagement einen wichtigen Beitrag zum sozialen Frieden. | Bild: Corinna Raupach

Die Kirche bringt auch eigene Mittel ein und fast 50 000 Arbeitsstunden von Ehrenamtlichen. Bekämen sie den Mindestlohn, wäre das eine Zeitspende von 438 000 Euro. Halfar hat eine Rückflussquote von 93 Prozent ausgerechnet. „Das liegt vor allem am Beitrag der Zeppelinstiftung, die wir dem nicht-öffentlichen Bereich zurechnen. Ohne die Stiftung lägen wir bei 30 bis 35 Prozent“, erläutert er.

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Auch regionalökonomische Wirkungen hat er geprüft. „Von den Nettolöhnen werden im Durchschnitt 90 Prozent für Konsum ausgegeben und zehn Prozent gespart“, sagt er. Darauf entfällt zunächst Umsatzsteuer. 338 Personen, die die Kirche beschäftigt, garantieren durch ihre Ausgaben weitere 219 Arbeitsplätze, für die wieder Steuern und Abgaben gezahlt werden.

Sarah Rizzo arbeitet als Ehrenamtliche für die Aktion Ferienspiele und schätzt das Miteinander dort.
Sarah Rizzo arbeitet als Ehrenamtliche für die Aktion Ferienspiele und schätzt das Miteinander dort. | Bild: Corinna Raupach

Zudem fragt Halfar nach den Kosten für die öffentliche Hand, wenn es die untersuchte Organisation nicht gäbe. Das führt er anhand der „Aktion Ferienspiele“ aus, ein Betreuungsangebot für zweimal zweihundert Kinder in den Sommerferien. „Nähmen die Eltern unbezahlten Urlaub, entginge ihnen bei einem durchschnittlichen Einkommen 1020 Euro Nettolohn und der öffentlichen Hand 480 Euro Lohnsteuer. Durch die nicht entstandene Wertschöpfung am Arbeitsplatz verminderte sich das Bruttoinlandsprodukt um 3670 Euro.“ Sein Fazit: „Die katholische Kirchengemeinde ist für die Gesellschaft ein Mehrwert, weil sie zu sehr geringen Nettokosten einen hohen Beitrag für die Allgemeinheit liefert.“ Viele Aspekte der Wertschöpfung im Sozialen kommen in der aktuellen Studie nur am Rand vor, wie die Verbesserung der Lebensqualität.

Mirjam Hornung, Mutter, Stadträtin und Anwältin, schätzt das kirchliche Netzwerk vor Ort.
Mirjam Hornung, Mutter, Stadträtin und Anwältin, schätzt das kirchliche Netzwerk vor Ort. | Bild: Corinna Raupach

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion betonen den ideellen Wert des kirchlichen Engagements. „Das ehrenamtliche Engagement der Kirchen, zum Beispiel in der Flüchtlingshilfe, ist ein großer Beitrag zum sozialen Frieden“, sagt Bürgermeister Andreas Köster. Mirjam Hornung, Stadträtin, Anwältin und Mutter sagt: „Für unsere Familie schafft die Kirche ein Netzwerk vor Ort, das es sonst nicht gäbe. Sie bietet soziale Wärme.“ Sarah Rizzo, jahrelang ehrenamtliche Betreuerin bei den Ferienspielen, meinte: „Die Freude und den Spaß der Kinder zu sehen, ist mehr wert als ein gut bezahlter Ferienjob.“