Gemeinderat Hannes Weber (FW) stellte zwei Anträge, einen zum Bauprojekt Hägleweg in Jettenhausen, den anderen zur Hängebrücke über die Millionenschlucht. In Letzterem bat er um eine Verschiebung des 2,2-Millionen-Euro-Projekts bis der Stadtentwicklungsprozess ISEK abgeschlossen ist. "Es sind noch so viele Fragen im Hinblick auf Bahnhofsplatz, Uferpark und Fußgängerzone offen", sagte Weber, "für mich kommt das Projekt zum falschen Zeitpunkt." Zustimmung bekam er dabei von Fraktionsvorsitzendem Eberhard Ortlieb – und weiten Teilen der SPD. In der eigenen Fraktion waren die Meinungen jedoch gespalten. Das wurde besonders deutlich, als Gemeinderat Bernhard Leins sich zu Wort meldete: "Webers Antrag entspricht nicht der Meinung der Fraktion." Das alles sei "reinste Spekulation", die Brücke werte die Sedanstraße auf und müsse kommen. Webers Antrag wurde abgelehnt. Vier Freie Wähler (Bernhard Leins, Erich Habisreuther, Dagmar Höhne und Joachim Krüger) stimmten für die Brücke, vier (Hannes Weber, Eberhard Ortlieb, Jürgen Meschenmoser und Markus Hörmann) waren dagegen. Achim Baumeister enthielt sich.

Am Tag danach herrscht keine Krisen-, aber Katerstimmung bei den Freien Wählern. "Wenn die CDU mir eins überzieht, ist das ein politisches Spiel", sagt Weber gegenüber dem SÜDKURIER, "aber mich irritiert das Vorgehen von Herrn Leins schon." Am Samstag habe er seine Anträge in den E-Mail-Verteiler der Fraktionsmitglieder geschickt, bekam Rückmeldung von einigen, darunter auch kritische. Leins habe sich nicht bei ihm gemeldet, so Weber. Umso unverständlicher sei es für ihn gewesen, dann in einer öffentlichen Sitzung vom eigenen Kollegen verbal angegriffen zu werden. "Das demotiviert schon sehr, sich für eine Fraktion zu engagieren", erklärt er.

Für Bernhard Leins sieht die Sache anders aus. "Gegen Ende der Woche hat sich das Thema Brücke in einem internen Mailverkehr hochgeschaukelt", sagt er. Die Mail von Weber mit dem Antrag habe er erst am Montag gesehen und daraufhin reagiert. "Ich habe zurückgeschrieben, dass ich für die Brücke stimme", sagt Leins. In der Sitzung wollte er nach eigenen Angaben deutlich machen, dass Weber mit dem Antrag nicht für die Fraktion, sondern nur für sich selbst spreche. "Wir hatten wegen des Feiertags am Montag keine Fraktionssitzung und so was muss man vorher diskutieren und nicht per Mail", erklärt Leins.

FW-Fraktionsvorsitzender Eberhard Ortlieb gibt sich bedeckt zu "internen Abläufen". "Es gibt keinen Fraktionszwang", sagt er, "und jeder wurde gewählt und steht für etwas und darf seine eigene Meinung haben." Dass die Fraktion bei dem Thema so geteilter Meinung sei und es zwei Lager gebe, spiegele auch die Kontroverse in der Bevölkerung wieder. Man werde die "Art und Weise der Kommunikation" in diesem Fall allerdings in der nächsten Fraktionssitzung besprechen. "Ob die Form die richtige war, werden wir intern klären", so Ortlieb.

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