Steffen Kunz hält einen Sportschuh aus braunem Wildleder mit weißen Schnürsenkeln in der Hand und präsentiert ihn bei der Pressekonferenz zur My Cake in Friedrichshafen. Doch was bitte hat ein Schuh bei einer Tortenmesse zu suchen? „Der Kern des Schuhs besteht aus einer Masse, die ich aus Rice Krispies und Marshmallows geknetet habe“, erklärt der Mann, der sich „Cake Engineer“, also Kuchen-Ingenieur nennt.

Sie freuen sich auf die dritte Tortenmesse in Friedrichshafen (von links): Stefanie Scherbel, Steffen Kunz, Charlotte Murakami (Referentin Kommunikation), Birgit Karle (Festspielhaus Füssen), Katja Bock (Projektreferentin) und Rolf Hofer (Projektleiter My Cake).
Sie freuen sich auf die dritte Tortenmesse in Friedrichshafen (von links): Stefanie Scherbel, Steffen Kunz, Charlotte Murakami (Referentin Kommunikation), Birgit Karle (Festspielhaus Füssen), Katja Bock (Projektreferentin) und Rolf Hofer (Projektleiter My Cake). | Bild: Anette Bengelsdorf

Präzises Arbeiten bei den dreidimensionalen Details

Diesen stabilen Kern, der an der Sohle sichtbar wird, hat er oben mit einer Schoko-Ganache, einer Creme aus Schokolade und Sahne, bestrichen. Den dünn ausgerollten, braunen Fondant, eine feste Zuckerpaste, schnitt er dann wie ein Schuhmacher das Leder mit einem skalpellartigen Messer in Form. Auf die Ganache geklebt, wurde der Zucker zum Schuh, wie der Medizintechnik-Ingenieur mit Spaß am dreidimensionalen Detail erzählt. Mit Stichen fügte er die Nähte hinzu und gestaltete täuschend echte Schnürsenkel.

Das könnte Sie auch interessieren

Drei Stunden Arbeit stecken im Kuchen-Schuh

Dabei stand der Halbfinalist der TV-Show „Das große Backen“ ziemlich unter Druck. „Je länger Fondant an der Luft ist, desto härter wird er“, erzählt er und fügt an: „Zehn Minuten können da schon ganz schön lang sein.“ Da die Strukturen nur in den weichen Fondant gearbeitet werden könnten, gelte es, diesen genau zu portionieren und luftdicht verpackt bis zu seinem Einsatz aufzubewahren. Drei Stunden brauche man für einen solchen Schuh, sagt er. Auf der My Cake biete er einen Workshop an, bei dem interessierte Hobby-Bäcker lernen können, selbst einen solchen Sportschuh in Wildlederoptik fotorealistisch zu gestalten.

My Cake

Während Steffen Kunz am liebsten komplizierte 3D-Modelle formt, bäckt Stefanie Scherbel aus einem ganz anderen Grund: Als bei ihr Zöliakie, eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut aufgrund einer Überempfindlichkeit gegen das in Getreide vorkommende Gluten diagnostiziert wurde, begann sie glutenfrei zu backen, erzählt sie. Heute verkauft sie in ihrem „Kuchenreich“ die entsprechenden Backmischungen, veganen Ei-Ersatz, fertige Backwaren und Kuchen im Glas, den sie in Geschmacksrichtungen wie Rotwein oder Eierlikör zur Pressekonferenz mitgebracht hat.

Stefanie Scherbel bäckt glutenfrei, auch Kuchen und Brot in Gläsern.
Stefanie Scherbel bäckt glutenfrei, auch Kuchen und Brot in Gläsern. | Bild: Anette Bengelsdorf

Bleibt Teig übrig, bäckt sie diesen in Gläsern mit Schraubverschluss: „So habe ich immer glutenfreien Proviant in der Handtasche“, sagt die Frau, die das Konditorenhandwerk zu ihrem Beruf gemacht hat. Dabei habe sie anfangs lange experimentieren müssen, um geeignete Zutaten wie zerdrückte Banane oder Apfelmus zu finden, mit denen sich das sonst üblicherweise verwendete Mehl ersetzen lässt.

Das könnte Sie auch interessieren

Natürlich könne man auch ganz normalen Kuchen in Gläsern backen, erklärt sie. Wichtig sei, dass sich das Glas nicht nach oben verenge, sonst lasse er sich nach dem Backen nicht stürzen. Das Glas werde innen bis zur Hälfte eingefettet und bis dahin mit Teig befüllt. Fette man das ganze Glas, bestehe die Gefahr, dass durch ein fettiges Schraubgewinde der Deckel später nicht richtig schließt.

Kuchen in Gläsern lang haltbar

Bei 160 bis 180 Grad Celsius 25 Minuten backen, das heiße Glas umgehend verschrauben und fertig ist der Kuchen, der sich laut Stefanie Scherbel bis zu eineinhalb Jahre lang aufbewahren lässt. Ob ihn der Kuchenliebhaber mit dem Löffel aus dem Gläschen isst oder stürzt und liebevoll verziert, bleibt ihm überlassen.