Friedrichshafen (cor) Kabarettist Andreas Rebers kommt beim Kulturufer gleich zur Sache. "Wenn ihr betreutes Denken wollt, dann macht den Fernseher an!" In seinem Programm "Amen" will der selbsternannte Reverend Evers, Hausmeister des Herrn, Blockwart Gottes, Oberbrandmeister des Fegefeuers und praktizierender Exorzist, Misstrauen säen. "Der misstrauische Mensch ist der bessere Demokrat und er ist auch der glücklichere Mensch – man sieht es ihm nur nicht an."

Misstrauen hätte schon im Paradies helfen können

Schon zu Beginn der Menschheitsgeschichte hätte es geholfen. Das Paradies war paradiesisch: "Alles bio, alles veggie, saubere Luft, kein Diesel, ein heterosexuelles Pärchen – mangels Alternativen vermutlich." Aber weil Eva sich von der Reformhaus-Schlange beraten ließ und gutgläubig den letzten Apfel klaute, sind seit der Vertreibung aus dem Paradies nur unglückliche Paare vorgesehen. Daher sagte er auch seiner Frau, die nach Job, Kindererziehung und 20 Jahren Ehrenamt einen Rentenbescheid von 379 Euro bekam: "Du bist nicht allein, den Bescheid haben noch andere Frauen bekommen." Auch die Herrschaft des Menschen über die Natur sei gottgewollt: "Machet euch die Erde untertan. Von heile machen hat er nichts gesagt!"

Keine Gebetsräume, sondern Unterrichtsräume in Schulen

Seine eigene Religionsgemeinschaft, die Bitocken, ist offen für Teilzeitchristen, Gelegenheitsjuden und Freizeitmoslems und hält es mit dem Beten wie Kemal Atatürk: jeder wie er will, aber nicht stören. "Wir brauchen keine Gebetsräume in Schulen. Wir brauchen Unterrichtsräume in Schulen." Als Initiationsritus ist eine Wurst zu verspeisen: "Wenn ich eine Wurst esse und das Brät darin ist 20 Mal umettikettiert, dann bin ich in Gottes Hand – und darum geht es ja."

Die Grünen als konkurrierende Religionsgemeinschaft

Wortgewaltig, respektlos und manchmal überraschend poetisch zieht er zu Felde gegen einfache Antworten aus allen Richtungen. Mit besonderem Genuss arbeitet er sich an "billigen Tugendbolden und Betroffenheitsclowns" ab, die er bei einer konkurrierenden Religionsgemeinschaft findet, den Grünen. "Die predigen den ganzen Tag: Nur ein schlechtes Gewissen ist ein gutes Gewissen." Wenn Gesine Schwan behaupte, der islamische Terror sei hausgemacht, werde ihm schlecht. "Dann habe ich den Eindruck, bei der oben in ihrem Vogelnest nistet Beatrix von Storch! Wenn in diesem Land etwas hausgemacht ist, ist es die AfD!" Dass deren Wählern immer wieder unterstellt werde, die Partei zu wählen, aber nicht zu meinen, helfe nicht weiter.

Seitenhiebe gegen die Nachbarin als Lieblingsfeindin

Seine Lieblingsfeindin ist Nachbarin Sabine Hammer, geschiedene Sichel. Sie ist alleinerziehend, Vegetarierin, Lehrerin, Grüne und plakative Radfahrerin. "Ich habe auch nichts gegen Radfahrer, aber müssen die sich dabei immer so bescheuert anziehen?" Ihre Aufforderung zum Fahrrad-Fasten beantwortet er mit: "Ich habe noch nie ein Fahrrad gegessen." Mit ihr streitet er sich so lange, bis sie fragt: "Was soll ich denn jetzt denken?" Seine Antwort ist deutlich: "Versuchen Sie es doch mal!"