Levin tritt von einem Fuß auf den anderen, sein Quintfagott in der Hand. Die Tür zum großen Saal ist noch zu. „Müssen wir hier wirklich so lange warten“, fragt er. Er tritt mit Pianistin Lucia Gahlow beim Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ als Duo an. Endlich öffnet sich die Tür. Die beiden gucken sich auf der Bühne kurz an und dann gibt Levin den Einsatz. Freundlich hebt sich der besondere Klang des Fagotts in Benedetto Marcellos Sonate über die sanften Klaviertöne. Die beiden hören aufeinander, umspielen einander und fangen sich gegenseitig auf, wenn nötig.

Levin Menschenmoser spielt auf seinem Quintfagott besonders gern die Sonate von Benedetto Marcello.
Levin Menschenmoser spielt auf seinem Quintfagott besonders gern die Sonate von Benedetto Marcello. | Bild: Corinna Raupach

"Das Fagott habe ich einmal bei einem Konzert gehört, das hat mir gut gefallen", sagt der Neunjährige und erklärt: "Ich blase durch ein ganz dünnes Rohr. Bei tiefen Tönen muss ich ein O denken, bei hohen ein I." Sein Lehrer Julius Reger sagt: "Der Ton entsteht im Mund." Ein Doppelblatt aus Schilfholz überträgt die Schwingungen auf das Instrument. Die Stimmlage entspricht etwa dem Cello, der Klang ist weich wie der der Oboe. "Das Fagott ist im Orchester ein Chamäleon, mal kommt es mit Kontrabass, dann mit Flöten", sagt Reger. Es kann sowohl den Clown geben als auch melancholisch singen. Im Barock gab es Werke für das Instrument und im 20. Jahrhundert entdeckten die Komponisten es als Soloinstrument neu. "Wir verleihen an der Musikschule Fagotte in allen Größen, ein neues kostet ab 2500 Euro", sagt Musiklehrer Julius Reger.

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Marlene Rall wirbelt an der Marimba

Wenig später steht die 12-jährige Marlene Rall hinter der Marimba. "Also, ich bin bereit, mir fehlt nur noch das Publikum", sagt sie. Als die Jury erscheint, hebt sich der "Raindance" von Alice Gomez zwischen Geheimnis und Gewitter von den Holzstäben. Marlenes vier Schlägel wirbeln und vibrieren, setzen sichere Akzente oder nahezu tonlose Echos. "Die vier Schlägel immer richtig zu platzieren, das ist das Schwierigste", sagt sie. Die Marimba gehört zu den Mallets, denen diesmal eine eigene Kategorie beim Wettbewerb "Jugend musiziert" gewidmet ist.

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Marimba kam aus Afrika nach Europa

"Mallet ist das englische Wort für Stab, im Deutschen sagt man auch Stabspiele", erklärt ihr Lehrer Thorsten Wenz. Die Marimba kam im 19. Jahrhundert aus Afrika nach Europa. Heute ist sie neben dem Drumset das beliebteste Soloinstrument der Percussionisten. Senkrechte Metallröhren unter den Holzstäben verstärken ihren dunklen Klang, sie hat einen Tonumfang von bis zu fünf Oktaven. Für 1200 Euro ist eine Gebrauchte zu bekommen, schätzt Wenz. Zu den Mallets gehören auch Glockenspiel, Xylofon und Vibrafon. Sie bilden die Melodie-Instrumente im Schlagzeug.

Akkordeon: "Tango und Volksmusik, Klassik und Moderne"

Relativ neu ist das Akkordeon. Der Orgel- und Klavierbauer Cyrill Demian ließ es 1829 patentieren. Sein Balg bläst Luft in Metallzungen, durch deren Schwingungen der Ton entsteht. Während die rechte Hand eine klavierähnliche Tastatur bedient, drückt die linke Knöpfe, hinter denen sich drei- bis fünftönige Akkorde verbergen. "Der Erfinder des Akkordeons sollte für die Mechanik bei den Akkorden den Nobelpreis bekommen", sagt Akkordeonlehrerin Dagmar Mirl. Sie schwärmt von der Vielseitigkeit des Instruments: "Tango und Volksmusik, Klassik und Moderne, Orchester und Band – mit dem Akkordeon geht alles." Um die 2500 Euro müsse ein Spieler für ein ordentliches Instrument anlegen, sagt sie.

Lotta Müller spielt auf dem Akkordeon Werke aus Barock und Moderne.
Lotta Müller spielt auf dem Akkordeon Werke aus Barock und Moderne. | Bild: Corinna Raupach

Lotta Müller spielt Akkordeon, seit sie fünf Jahre alt ist. "Es macht mir Spaß, ich mag den Ton", sagt sie. Ihr Programm spiegelt die ganze Bandbreite, die es für das Instrument gibt. In aller Ruhe lässt die Elfjährige einen Kanon atmen, den Barockkomponist Johann Pachelbel ursprünglich für drei Violinen und Bass komponierte. "Das ist mein Lieblingsstück, weil ich viel mit dem Balg machen kann", sagt sie. In Jürgen Löchters "Fabelhaftes" entlockt sie dem Instrument mal gläserne, mal schrille Töne oder lässt den Balg stumm nach Luft schnappen.