Hinter dem samtenen roten Vorhang der Bühne des Dorfgemeinschaftshauses in Schnetzenhausen flackert das Licht verheißungsvoll. Während die Gäste sich noch mit Saitenwürstle und Getränken verwöhnen lassen, steigt das Stimmungsbarometer in dem Maße, wie die Zeiger der Uhr sich dem Zeitpunkt nähern, zu dem sich der Vorhang öffnet. Pünktlich erklingt der gedämpfte Gong und der Regisseur des Theaterstücks, Josef Angele, erscheint auf der Bühne und begrüßt das Publikum.

Dann öffnet sich der Vorhang und gibt den Blick auf einen gut bürgerlichen Empfangsraum einer familiär eingerichteten Pension frei. Reges Treiben herrscht auf der Bühne. Schnell wird klar, dass die Vorbereitungen für ein Fest im Gange sind. "Ruhestand – und plötzlich war die Ruhe weg": So lautet der Titel des Lustspiels in drei Akten von Regina Rösch, das vom Laienensemble der jungen Dorfgemeinschaft Schnetzenhausen an diesem Abend mit Bravour vorgetragen wird.

Das Stück, das die Gruppe auf die Bühne bringt, handelt vom turbulenten Rentnerdasein eines aus der Arbeitswelt ausgeschiedenen Workaholics. Julius Klein hat seine Passion darin gefunden, seine Ehefrau und sein übriges Umfeld zu terrorisieren. So sehr von sich selbst eingenommen, bemerkt er nicht, wie verletzend sein Handeln für die Menschen ist, die ihm doch am nächsten stehen.

So malt der rüstige Rentner mit Worten, die bei seiner Frau und den Gästen des Ruhestandsfestes Entsetzen auslösen, seine zukünftig geplanten Aktivitäten in den schillerndsten Farben aus. Die Ehefrau scheint schockiert, die Tochter verständnislos. Seine Freunde sind enttäuscht, hatten sie sich doch auf ruhige Tage mit Angeln am See bei einem kühlen Bierchen gefreut. Und auch die anderen Anwesenden stellten sich das Rentnerdasein des Ruheständlers komplett anders vor.

Damit sind haarsträubende Konflikte und urkomische Situationen vorprogrammiert. Nur Julius Klein alias Walter Schnaderböck reibt sich die Hände und freut sich mächtig auf den neuen Lebensabschnitt. So endet der erste Akt mit seinem Ausruf: "Jetzt bin ich Rentner, Chacka Chacka".

Auf die nächsten zwei Akte können sich die Zuschauer freuen. Die schauspielerische Leistung der Akteure ist stark. Ob despotischer Rentner, unterdrückte, doch rebellierende Ehefrau, anteilnehmende Freunde, über den Dienst hinaus treu ergebene Sekretärin, realistischer Schwiegersohn in spe oder verständnisvoll ausgleichende Tochter: Die Charaktere dieses Bühnenstückes werden hervorragend und mit viel Herz umgesetzt.

Da bleibt es nicht aus, dass sich mancher in den dargestellten Szenen des alltäglichen Wahnsinns und in den ausgefuchsten Sticheleinen einer Diskussion selbst wiederfindet. Zwischen wohligem Schmunzeln und ausgedehntem Gelächter verbirgt sich eine leichte Schamesröte, denn Mensch bleibt Mensch und Parallelen zum eigenen Leben sind präsent.

Der dritte Akt bietet außergewöhnliche Ansichten. Das Bühnenbild wird komplett verändert und es spielt sich eine Geschichte in der Geschichte ab. Zu viel soll hier nicht verraten werden. Nur so viel, dass Rentner und Indianer gemeinsame Sache machen.

Der Tenor des Ganzen: Man muss neue Wege gehen, um den alten zu entkommen. Und so emanzipieren sich die Betroffenen dieser Komödie auf ihre eigene Weise. Als der Vorhang fällt, stellt sich ein Gefühl der Zufriedenheit ein und die Aussicht auf die Möglichkeit, es selbst besser zu machen.
 

Weitere Aufführungen im Dorfgemeinschaftshaus Schnetzenhausen: heute, Freitag, 17.30 Uhr; Dienstag und Mittwoch, 3. und 4. Januar, um 19.30 Uhr, Donnerstag, 5. Januar, um 17.30 Uhr.