„Die Zeiten, wo ein Heinz Schaack den heutigen Chef der Deutschen Umwelthilfe (DUH) Jürgen Resch als Umwelt-Gaddafi bezeichnet hat, sind vorbei.“ Genau das hatte SPD-Gemeinderat Karl-Heinz Mommertz Ende Dezember im SÜDKURIER-Interview gesagt. Nicht nur er kann sich noch lebhaft an die 1970er und 1980er Jahre erinnern, als der heutige DUH-Bundesgeschäftsführer in Friedrichshafen noch als junger Öko-Aktivist mehr als unbequem war – nicht nur für den damaligen, eingangs benannten CDU-Fraktionschef. Inzwischen ärgert Jürgen Resch, 57, der in Überlingen wohnt, die gesamte Autoindustrie, die er für die dreckige Luft in vielen Städten verantwortlich macht. Am Dienstag, 27. Februar, will das Bundesverwaltungsgericht über die Klage der DUH entscheiden, ob Fahrverbote für Dieselautos vom Gesetz gedeckt sind. 

Jürgen Resch (vor dem Grill hockend) organisierte mit Freunden vom NABU Ende der 1970er Jahre erste Pflegeeinsätze im Eriskircher Ried.
Jürgen Resch (vor dem Grill hockend) organisierte mit Freunden vom NABU Ende der 1970er Jahre erste Pflegeeinsätze im Eriskircher Ried. | Bild: Gerhard Knötzsch

Umwelt-Gaddafi? Den Titel handelte sich Resch ein, als er vor fast vier Jahrzehnten bei den Häfler Stadtvätern immer wieder „für eruptive Verärgerung“, so Resch, gesorgt hatte – ob bei der geplanten Vergrößerung des Yachthafens oder bei der Sanierung des Bodenseeufers. Doch angefangen habe alles mit der „Interessengemeinschaft Bürgerzentrum“, die den Bau des Graf-Zeppelin-Hauses direkt am Seeufer verhindern wollte. „Ich habe damals Stimmen für den Bürgerentscheid gesammelt“, erinnert sich Resch, "jetzt kann ich das ja mal erzählen.“ Damals habe er einen Planer der Stadt getroffen, der ihm gesteckt habe, dass die Planzeichnung der Stadt nicht maßstabsgerecht, ergo Betrug sei. „Der Mann wollte die richtige aber nicht veröffentlichen, das hätte ihn seinen Job gekostet. Also habe ich den Plan nachgezeichnet und gesagt, der stamme von mir“, erzählt Jürgen Resch vom „vielleicht ersten Whistleblower“ in seiner Karriere als Umweltaktivist.

Die begann genau genommen schon 1971, als seine Familie, die aus Plochingen stammte, nach Friedrichshafen gezogen war. Der See und die Natur haben ihn von Kindesbeinen an fasziniert. „Mein Bodensee“ sagt er oft in unserem Telefonat. Schon als 15-Jähriger wusste der Schüler am Graf-Zeppelin-Gymnasium, wofür er sich einsetzt, und übernahm – mit Sondergenehmigung – einen Vorstandsposten der Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Bodensee, wenige Jahre später auch den Vorsitz des Regionalverbands beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). 

1983 wird Jürgen Resch von Ministerpräsident Lothar Späth mit Gerhard Knötzsch und Schwester Verena für sein bürgerschaftliches Engagement geehrt. Bild: Gerhard Knötzsch
1983 wird Jürgen Resch von Ministerpräsident Lothar Späth mit Gerhard Knötzsch und Schwester Verena für sein bürgerschaftliches Engagement geehrt. | Bild: Gerhard Knötzsch

Auf der Internetseite des BUND-Ortsvereins Friedrichshafen ist Jürgen Resch auf einem Bild von 1983, als er von Ministerpräsidenten Lothar Späth einen Preis für bürgerschaftliches Engagement erhält, zusammen mit Gerhard Knötzsch, heute Vorsitzender des NABU Friedrichshafen/Tettnang. Im selben Jahr bekam Resch auch den Umweltpreis der Bruno-H.-Schubert-Stiftung – zusammen mit dem berühmten französischen Meeresforscher Jacques Cousteau. Der gerade 20-Jährige hatte als Naturschutzwart am Bodensee tote Vögel entdeckt. In den Kadavern fanden sich Spuren des Mäusegifts Endrin, das Obstbauern damals gegen Wühlmäuse einsetzten. Da die Chemikalie auch für Menschen tödlich wirkt, blieb der laut formulierte Protest nicht ungehört.

Es war wohl die erste Kampagne des jungen Mannes, der für zwölf Cent Zeilenhonorar bei der ortsansässigen Lokalzeitung vor allem über Naturschutz-Themen schrieb und so auch lernte, was Öffentlichkeit bewirken kann. Der Erfolg blieb nicht aus: Nicht nur Endrin, sondern später auch das Pestizid Lindan wurden verboten. „Der Schutz der Bodenseeregion, die Ausweisung bedrohter Lebensräume als Naturschutzgebiete und die Verhinderung der Seeuferbebauung waren seit 1976 Ergebnisse der damaligen ehrenamtlichen Arbeit“, steht in Reschs Vita auf den DUH-Internetseiten.

Gerhard Knötzsch fand den durchsetzungsstarken Jungspund damals schon bewundernswert. „Wenn man ihn vorn rausgeschmissen hat, ist er hinten wieder rein.“ Beide haben damals mit Mitstreitern und dem „rosaroten Panther“ – ein alter Traktor, der rosa angemalt war – angefangen, die Wiesen im Eriskircher Ried zu pflegen. Auch davon gibt’s Bilder. 1981 machte Jürgen Resch am GZG sein Abitur, „nach zwei Ehrenrunden“, wie er gesteht. Er war lieber draußen in der Natur, statt drinnen zu lernen. Geschadet hat es ihm nicht: Nach dem Zivildienst im Naturschutzzentrum Radolfzell brach er nach drei Jahren das Studium der Verwaltungswissenschaften in Konstanz ab, weil er 1988 den Job seines Lebens angeboten bekam: Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe. Das ist Jürgen Resch, der die alten Kontakte pflegt, bis heute.