Nach einer Woche auf verschiedenen Plätzen in Friedrichshafen feierte der Frühstücksbus der Initiative Frühlingserwachen am Samstag auf dem Schlemmermarkt den Abschluss der Aktionswoche. Bunter Höhepunkt war ein Flashmob, bei dem Menschen mit Luftballons für Vielfalt warben und mit farbiger Kreide ihre Wünsche aufs Pflaster malten. "Wir wollen zeigen, wie vielfältig Friedrichshafen bereits ist und ein positives Signal setzen", sagte Lena Reiner, eine von drei Sprechern des frisch gegründeten Vereins. "Immerhin leben hier 120 Nationen friedlich zusammen."

Eine Tasse Kaffee, dazu eine Butterbrezel oder ein belegtes Brötchen: Von der Magnus-Kirche in Fischbach über Stadt- und Hafenbahnhof bis zum Ailinger Wochenmarkt und zum Bodenseecenter machte der Frühstücksbus vergangene Woche Station. Das Frühstücksangebot ist komplett kostenlos und dient als Einstieg ins Gespräch mit den Bürgern. Das ist das erklärte Ziel der Aktiven von Frühlingserwachen. Sie setzten sich damit für eine weltoffene und tolerante Gesellschaft ein. "Sehr oft ergaben sich richtig intensive Gespräche, teils waren die politisch, teils persönlich", lautet das Fazit von Lena Reiner.

Oft seien die Leute überrascht oder gar misstrauisch gewesen. "Kaffee und Brezel kosten nichts? Wollt ihr nicht mal für irgendetwas eine Unterschrift?", sei Reiner oft gefragt worden. Nein, sie und die fünf bis zehn anderen Leute am Frühstücksbus wollten einfach nur mit Menschen ins Gespräch kommen und den Dialog fördern. "Dabei hören wir eigentlich in erster Linie zu und bewerten das Gesagte nicht." Da schimpfte zum Beispiel jemand über Ausländer. Im Gespräch stellte sich heraus, dass er keine Wohnung findet. "Unsere Erfahrung in dieser Woche ist, dass die Leute durch das Zuhören oft davon Abstand nahmen, einen Schuldigen zu suchen und das eigentliche Problem in den Vordergrund rückte." Wertvoll sei die Erfahrung, dass jeder seine Meinung haben darf und dass man trotzdem respektvoll und höflich miteinander umgehen kann. Dies mache Demokratie aus. "Und allein diese Erfahrung kann schon eine Veränderung im Denken bewirken", so Reiner. Im Vorfeld hatten sich die Unterstützer des Frühstücksbusses, zu denen auch die beiden Gemeinderätinnen Christine Heimpel und Gerlinde Ames gehören, in einem Kommunikations-Workshop vorbereitet.

Marianne und Rolf Reichert fanden es am Samstag erst mal gut, den vom Weltladen gespendeten Kaffee aus richtigen Tassen und nicht aus Pappbechern zu trinken. Auch die Idee hinter dem Frühstücksbus überzeugt sie. "Toll wie sich auch junge Leute einbringen. Man braucht gar nicht über sie zu schimpfen", so Rolf Reichert. Im Gespräch mit Franz Heimpel-Labitzke landete das Paar schnell beim Gefühl der Unsicherheit, das sie in größeren Menschenansammlungen beschleicht. Schon sind die drei mitten im Reden. "Das Gesagte nicht zu bewerten heißt nicht, dass ich keine eigene Position habe", sagt Heimpel-Labitzke. "Aber die Gespräche laufen viel besser, wenn man die Leute nicht von irgendwas überzeugen will."

Frühlingserwachen

Der Frühstücksbus ist ein mobiler, unkompliziert zugänglicher Begegnungsraum für gegenseitiges Kennenlernen und den Abbau von Vorurteilen und Ängsten. Veranstalter ist der Verein Frühlingserwachen, der sich im November 2017 nach zweijähriger loser Zusammenarbeit gegründet hat. Getragen wird er durch Spenden.

Eine weitere Aktion von Frühlingserwachen ist politisches Speed-Dating im Rahmen von Veranstaltungen. Außerdem unterstützt der Verein andere Städte, die sich der Idee mit eigenen Ortsgruppen anschließen. Der Verein im Internet: www.fruehlingserwachen.org