Friedrichshafen – Acht verschiedene Orte in sieben Tagen: Seit Samstag macht der Frühstücksbus der studentischen Initiative "Frühlingserwachen" Station in Friedrichshafen. Gefördert wird er im Rahmen der "Kommunalen Flüchtlingsdialoge" aus Mitteln des Landes Baden-Württemberg. Gestern gab es vor dem Stadtbahnhof nicht nur Kaffee, Zwetschgenkuchen und Butterbrezeln, sondern auch die Gelegenheit zum Austausch und zu Gesprächen.

Nach dem Auftakt auf dem Adenauerplatz stand der Frühstückbus am Sonntag vor der Kirche St. Magnus in Fischbach und am Montag beim Jugendtreff in Wiggenhausen. "Interessant ist, dass an jedem Ort eine andere Stimmung herrscht", stellte Student Luca Messerschmidt fest. So sei man am Samstag zur Marktzeit eher mit älteren Bürgern ins Gespräch gekommen. In Fischbach habe die Akteure gefreut, dass viele Gesprächspartner bereits Kontakte mit geflüchteten Menschen haben und von ihren persönlichen Erlebnissen erzählen konnten. "Hier am Bahnhof haben die Leute naturgemäß weniger Zeit. Sie sind auf dem Weg zur Arbeit und warten auf den Bus", berichtet Messerschmidt.

Trotzdem bleiben immer wieder Menschen stehen. "Wollen wir über unsere Stadt reden?", lautet eine der Einstiegsfragen der Akteure. David Mairle, Student an der Zeppelin-Universität, drückte einer Frau vor dem Stadtbahnhof den Flyer der Initiative in die Hand. Als sie sah, dass es ums Thema Flüchtlinge geht, sagte sie direkt, dass sie die AfD gewählt habe, bei den etablierten Parteien nur Chaos sehe und von der Politik enttäuscht sei. "Ich konnte die Frau zwar nicht überzeugen, aber es war sehr gut, dass sie stehen geblieben ist und mit mir geredet hat", stellte David Mairle fest.

Auch für Luca Messerschmidt ist ein möglichst offener Dialog das Ziel, für das der Frühstücksbus in dieser Woche unterwegs ist. "Wir wollen Menschen zusammenbringen, Vorurteile und Ängste abbauen und die Möglichkeit bieten, sich auseinanderzusetzen." In den ersten drei Tagen hatte er schon einige positive Erlebnisse. "Gut ist, wenn sich die Erkenntnis einstellt, dass an den persönlichen Problemen nicht die geflüchteten Menschen Schuld sind, sondern dass sie schon seit Jahren bestehen." Dabei gehe es gar nicht darum, unmittelbare Ergebnisse zu erzielen. "Allein, dass man miteinander in den Dialog kommt, ist schon sehr, sehr gut", sagt Messerschmidt

Heute ist der Frühstücksbus von 7 bis 11 Uhr in der Kitzenwiese, Länderösch, Ecke Ravensburger Straße zu finden. Am Donnerstag, 29. September, kommt er von 5 bis 9 Uhr ins MTU-Werk Manzell und von 11 bis 14 Uhr ins ZF-Werk 2. Abschluss ist am Freitag, 30. September, von 7 bis 11 Uhr im Bodenseecenter. An allen Standorten sind Interessierte jeden Alters und jeder Herkunft eingeladen, gemeinsam mit Vertretern der Initiative und Mitbürgern zu diskutieren, zu lernen und nicht zuletzt zu frühstücken.

 

Frühlingserwachen

Im Frühjahr 2016 wurde "Frühlingserwachen" als studentische Initiative an der Friedrichshafener Zeppelin-Universität gegründet. Durch eine Reihe von Aktionen gegen Veranstaltungen und Inhalte der AfD konnte die Initiative sowohl ein Zeichen für ein weltoffenes Friedrichshafen setzen als auch erste Netzwerke knüpfen. So organisierten die verschiedenen Akteure eine Mahnwache, eine lebende Kunstinstallation und das erste Häfler Bürgerfest, mit dem Vorurteile und unbegründete Ängste abgebaut werden sollen.