Die Gründerin

Carola Dambach aus Friedrichshafen hatte schon viele Ideen. „Aber dieses Mal wusste ich: meine Idee ist so simpel und so gut. Wenn ich das jetzt nicht mache, macht es jemand anders“, sagt die 51-jährige Grafikdesignerin. Seit 2006 arbeitet die alleinerziehende Mutter von zwei Söhnen beim Outdoor-Ausrüster Vaude in Tettnang, aktuell in Teilzeit als Marketing Managerin. Beruflich ist sie in den vergangenen Jahren viel unterwegs gewesen in europäischen Großstädten wie Berlin, Hamburg, Paris, Mailand. „Ich habe gesehen, wie mobil die Menschen dort sind, wie es in der Metro, in der U-Bahn zugeht und wie Berufspendler ticken“, sagt sie. Doch erst eine rasante Busfahrt durch das Höllental nach Freiburg brachte sie auf eine spannende Idee.

Ein mobiles Büro, das in einen Rucksack passt. Carola Dambach will Arbeiten von unterwegs einfacher machen.
Ein mobiles Büro, das in einen Rucksack passt. Carola Dambach will Arbeiten von unterwegs einfacher machen. | Bild: Carosmart

Die Idee:

„Da sass ich also im Bus und versuchte an meinem Laptop was zu arbeiten. Das Ding wurde ganz heiß auf dem Schoss. Aber auf das Tablett vor mir konnte ich es auch nicht stellen, dazu war der Fahrstil des Busfahrers zu rasant. Bei den Kurven flog alles durch den Bus: Stifte, Handys, Kaffeebecher, am Ende auch mein Laptop“, erinnert sich die Grafikdesignerin.

Warten auf den Zug? Das kennen wohl alle Berufspendler. Luca Seeberger hat sich mit dem klappbaren Hocker und der Arbeitsplatte, die im Rucksack integriert ist, ein Plätzchen am Bahnsteig gesucht.
Warten auf den Zug? Das kennen wohl alle Berufspendler. Luca Seeberger hat sich mit dem klappbaren Hocker und der Arbeitsplatte, die im Rucksack integriert ist, ein Plätzchen am Bahnsteig gesucht. | Bild: Carosmart

Das brachte sie auf die Idee: Sie wollte einen Rucksack entwickeln, der nicht nur Stauraum für Handy, Tablet und Laptop bietet, sondern eben auch gleich einen mobilen Arbeitsplatz integriert – und mit dem man an überfüllten Flughäfen, auf hektischen Messen, an zugigen Bahnhöfen, in vollen Zügen, wackeligen Bussen oder einfach auch in der Natur einen bequemen – und vor allem stabilen – Platz hat. „Quasi so etwas wie diese Spieltische für Kinder, die man bei langen Autofahrten nutzen kann, nur eben für Erwachsene“, sagt sie lachend.

Von der Idee zum Prototyp

Arbeiten in Zug, Bus, U-Bahn? Manchmal eine wackelige Angelegenheit. Luca Seeberger nutzt hier die stabile Arbeitsplatte, die seine Mutter entwickelt hat.
Arbeiten in Zug, Bus, U-Bahn? Manchmal eine wackelige Angelegenheit. Luca Seeberger nutzt hier die stabile Arbeitsplatte, die seine Mutter entwickelt hat. | Bild: Carosmart

Dambach nahm ihren Mut zusammen, marschierte ins Büro von Vaude-Gründer Albrecht von Dewitz und präsentierte ihm ihre Idee: „Ein bisschen war das wie ein Elevator Pitch. Ich versuchte ihn in wenigen Minuten zu überzeugen.“ Viel zu tun hatten die beiden vorher nicht miteinander. Umso größer sei das Herzklopfen gewesen, so Dambach. Kurzerhand skizzierte sie ihm einen Prototypen auf den Block – und der gefiel dem Vaude-Gründer so gut, dass er die Zeichnung nach Vietnam mitnahm, wo Vaude eigene Produktionsstätten hat.

„Ich war so glücklich“, sagt Dambach, „zwei Wochen später kam Albrecht von Dewitz mit einem ersten Prototypen zurück.“ Doch der gefiel der Grafikdesignerin nicht. „Ich hatte erst eine Schulterhängetasche im Kopf“, erklärt sie, „aber die war viel zu schwer. Die trägt niemand durch Busse und Bahnen.“ So musste sich noch einmal all ihren Mut zusammen nehmen und dem Firmengründer beichten, dass es einen neuen Protoypen braucht. Dieses Mal begann die beiden gemeinsam an einem neuen Prototypen zu tüfteln. Es sollte ein Rucksack werden, der eine kleine Schultertasche, eine so genannte Decobag, integriert.

Der Pendlerrucksack hat eine so genannte Decobag vorne aufgeknöpft. Die lässt sich abmachen und umhängen.
Der Pendlerrucksack hat eine so genannte Decobag vorne aufgeknöpft. Die lässt sich abmachen und umhängen. | Bild: Alwin Buchmaier

So funktioniert der „Carosmart Backpack„

Zwei Jahre später nach dem „Elevator Pitch“ ist er fertig, der Pendlerrucksack namens „Carosmart Backpack„, der laut Dambach eine echte Weltneuheit ist.

Vorne die Decobag

Durch die kleine Decobag, die vorne mit Manschettenknöpfen aufgeknöpft ist, ist er personalisierbar. „Wir wollen verschiedene Designs entwickeln, die dann in geringer Stückzahl produziert werden“, sagt Dambach. Ihr Traum: Sie will die Dekobag aus Recyclematerial von sozial benachteiligten Menschen nähen lassen. „Die Idee dahinter ist, dass man sein Handy, sein Tablet, Wertsachen einfach in die Decobag steckt und die umhängt und mitnimmt, falls man den kompletten Rucksack in einen Spind schließt“, erklärt sie. Besonders auf Messen oder Reisen sei das praktisch, meint sie.

Innen das mobile Office

So sieht das Innenleben des Rucksacks aus.
So sieht das Innenleben des Rucksacks aus. | Bild: Alwin Buchmaier

So richtig spannend wird es, wenn es um das Innere des „Carosmart Backpack„ geht: Mit wenigen Handgriffen verwandelt sich der Rucksack nämlich mittels Klettaufsteller und Steckplatte in einen stabilen Arbeitsplatz. Auf dem kann mit Laptop und Maus gearbeitet werden – und zwar überall, insofern der Akku geladen ist. „Man kann darauf natürlich auch zeichnen, malen, spielen“, ergänzt Dambach. Seitlich befindet sie ein Platzhalter für den Kaffeebecher, dazu etliche Fächer fürs Smartphone, Brille, Buch, Stifte, Block – was der mobile Arbeiter heute eben noch so bei sich trägt. Wer keine Lust hat auf dem Boden zu sitzen, wählt die Variante mit dem sehr leichten Klapphocker, der in ein Seitenfach passt und trotzdem aufgeklappt 120 Kilo trägt. Außerdem passt noch vieles Weitere in den Rucksack: ein A4-Ordner zum Beispiel. Oder kleines Gepäck fürs Wochenende.

Der Preis? 160 Euro

Produziert wird der Rucksack, der 160 Euro (plus 30 Euro für den Hocker und 15 Euro für eine Regenhülle) kosten wird, in Fabriken von Albrecht v. Dewitz in Vietnam. „Dort herrschen faire, soziale und umweltfreundliche Bedingungen“, sagt Dambach, „und das Material ist nach dem hohen Umweltstandard bluesign zertifiziert und frei von Schadstoffen.“ Vaude selbst ist am „Carosmart Backpack„ nicht beteiligt. Die Gründerin hat Kredite aufgenommen, um ihr Projekt zu schultern. „Ich musste die Werkzeuge für die Steckplatte erst entwickeln und bauen lassen“, sagt sie. 500 Stück des Pendlerrucksacks sind bereits produziert und auf dem Containerschiff verladen. Ende November kommt die Fracht in Deutschland an.

Video: Sabine Wienrich

So geht es weiter

Bild: Start-Up BW Elevator Pitch

Homepage, Vertrieb, Promotion – Gründerin Carola Dambach steckt mittendrin in der Vermarktung ihrer Erfindung. Bereits jetzt hat sie einen Erfolg verbucht: Sie hat den IHK-Gründungswettbewerb „Start-Up Elevator Pitch Bodensee-Oberschwaben„ gewonnen – und kommt nun in die Landesauswahl. Gekürt werden die besten Start-Ups und Gründungen in Baden-Württemberg. Gemeinsam mit Sohn Luca (19) präsentierte sie ihr „Baby“. Luca, der dieses Jahr Abi gemacht hat, hilft seiner Mutter nun bei der Vermarktung bis es für ihn zum Studieren geht. „Ich bin total froh über seine Unterstützung“, sagt die Alleinerziehende, „denn das ist schon sehr viel Arbeit.“ Dambach will bald wieder „pitchen“, also präsentieren. Sie hat sich bereits bei der TV-Show „Höhle der Löwen“ beworben, um Partner zu finden.

Noch ist der Rucksack nicht im Handel. Mehr Informationen gibt es aber auf der Homepage von Carola Dambach www.carosmart.de

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