Dort, wo heute ZF-Mitarbeiter des Werks 2 ersatzweise parken und Baumaterial für die B 31-Umgehung lagert, wird voraussichtlich ab dem Jahr 2021 ein neues Stadtquartier in Jettenhausen entstehen. Damit wächst die Gartenvorstadt, wie sie von ihren Bewohnern liebevoll genannt wird, in absehbarer Zeit um rund 900 Einwohner. Denn auf dem knapp fünf Hektar großen Grundstück nördlich der Waggershauser Straße plant das Siedlungswerk Stuttgart, das das Areal von privat gekauft hat, den Bau von rund 400 Wohneinheiten: etwa 25 Doppel- und Reihenhäuser, Eigentumswohnungen und rund 100 Mietwohnungen, die überwiegend preisgebunden sein sollen, erklärte Geschäftsführer Norbert Tobisch am Freitag bei der Vorstellung des architektonischen Siegerentwurfs für das Jettenhauser Esch.

Im vergangenen Oktober hatte der Gemeinderat dem städtebaulichen Wettbewerb für das große Areal zugestimmt. 17 Architekturbüros reichten beim Siedlungswerk ihre Gestaltungsvorschläge ein. Einer wurde am Donnerstag vom Preisgericht unter dem Vorsitz von Franz Pesch einstimmig zum Siegerentwurf gekürt. Das Modell von K9 aus Freiburg besteche "in hervorragender Weise unserer Leitidee sozial gemischter Wohnquartiere", sagte Norbert Tobisch. "An der Adresse soll man nicht erkennen, wer dahinter wohnt", zitierte er den Aufsichtsratsvorsitzenden des Siedlungswerks. Unter sehr anspruchsvollen Rahmenbedingungen sei das Konzept von K9 im Städtebau, Hochbau und auch in sensibel gestalteten Freiräumen überzeugend.

Im westlichen Teil des Areals bilden Doppelhaushälften und Reihenhäuser einen organischen Übergang zur bestehenden, kleinteiligen Bebauung. In Richtung Susostraße schließen sich Mehrfamilienhäuser mit unterschiedlicher Höhe an, wobei das höchste Gebäude vier Geschosse plus Dachgeschoss vorsieht. Besonders angetan war das Preisgericht, bei dem auch Vertreter des Gemeinderats mit am Tisch saßen, von der Anordnung der Mehrgeschosser, die – im Karree stehend – große Innenhöfe bilden. Eine zentrale Achse durch das Gebiet schafft zusätzliche Freiräume und einen Quartiersplatz.

Diese Lösung von Ackermann und Raff Architekten aus Stuttgart für die Abgrenzung im Süden des Quartiers soll Bestandteil des Siegerentwurfs werden.
Diese Lösung von Ackermann und Raff Architekten aus Stuttgart für die Abgrenzung im Süden des Quartiers soll Bestandteil des Siegerentwurfs werden. | Bild: Katy Cuko

Anders gelöst als von K9 vorgeschlagen wird der südliche Abschluss des Bauquartiers direkt an der Waggershauser Straße. Hier soll der "Stadtbaustein" des Büros Ackermann und Raff Architekten aus Stuttgart eingebaut werden, das als zweiter Sieger des Ideenwettbewerbs gekürt wurde. Geplant ist ein Gebäuderiegel, der ebenfalls Innenhöfe bildet, die mit transparenten Wänden zur Straße hin abgeschirmt sind. Mit dieser Lösung wäre keine Schallschutzwand nötig und der Lärmschutz in das neue Stadtquartier hinein bewerkstelligt. "Mit den Entwürfen der ersten beiden Preisträger haben wir die Chance, für Jettenhausen das Beste aus zwei Welten zu verbinden", sagt Norbert Tobisch.

Das Siedlungswerk legt großen Wert auf Nachbarschaft, die hier – architektonisch unterstützt – entstehen soll. Unter anderem ist ein Mehrgenerationenhaus mit einer Wohngruppe für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen geplant, in dem auch eine Tagesbetreuung für Kleinkinder stattfinden soll. Zusätzlich ist ein Ort für die Gemeinwesenarbeit vorgesehen. Nicht zuletzt ist ein neuer Supermarkt mit rund 800 Quadratmeter Verkaufsfläche und Parkplatz an der Pacellistraße vorgesehen und eingeplant. Damit wäre für die künftigen Bewohner auch die Nahversorgung auf kurzen Wegen möglich.

Den nächsten Schritt, Baurecht für das Gelände zu schaffen, will das Stadtwerk in Zusammenarbeit mit der Stadt noch in diesem Jahr angehen. Wann dann mit dem Bau begonnen werden kann, hängt auch davon ab, wann die neue B 31 samt Tunnel in diesem Bereich fertiggestellt sind. Solange braucht ZF die Ersatzparkplätze und die Baugesellschaft Deges den Platz für die Zwischenlagerung von Baumaterialien.

Für die Stadt Friedrichshafen bat Baubürgermeister darum, die Fläche nun zügig zu entwickeln, da Wohnraum nach wie vor dringend gebraucht werde. "Wir bauen so schnell, wie es geht", versprach Norbert Tobisch.

Siedlungswerk Stuttgart

  • Unternehmen: Das Siedlungswerk wurde vor über 60 Jahren gegründet und gehört zu 75 Prozent dem Bistum Rottenburg-Stuttgart und zu 25 Prozent der Landesbank Baden-Württemberg. Dem Unternehmen (Bilanzsumme 2016: 528 Millionen Euro) gehören rund 4800 Wohnungen. Nach eigenen Angaben baut das Unternehmen in diesem Jahr rund 700 neue Wohnungen.
  • Ausstellung: Das Siedlungswerk bietet die Möglichkeit, sich die Entwürfe aus der Nähe anzuschauen. Die Ausstellung der Preisträger des Architektenwettbewerbs findet vom 24. bis 28. Februar im Paul-Gerhardt-Haus, dem Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde in Jettenhausen, Kenzelstr. 2, statt. 

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