Es passiert bei einem Spaziergang direkt am Ufer, in der Innenstadt aber auch in Manzell oder im Fallenbrunnen: Das Smartphone wählt sich plötzlich in einem Schweizer Mobilfunknetz (Swisscom, Sunrise oder Salt) ein. Michael Reifenberg, Pressesprecher der Bundesnetzagentur, überrascht das wenig: "In Grenzregionen muss man damit rechnen, in ein ausländisches Netz eingebucht zu werden", sagt er. Das bestätigen auch die Pressesprecher der deutschen Netzbetreiber Vodafone, Telekom und Telefonica. "Ein Mobilfunkgerät sucht stets das stärkste Netz beziehungsweise die stärkste Funkzelle an seinem Aufenthaltsort, das kann in Grenznähe folglich auch das Netz eines ausländisches Anbieters sein", erklärt Jörg Borm von Telefonica. Das komme an der Grenze zur Schweiz öfter vor. "Kundenanfragen zu dem Thema sind auf einem absoluten Minimum, im Null-Bereich", meint dagegen Volker Petendorf, Pressesprecher bei Vodafone, für sein Unternehmen.

„Ich hatte das Problem noch nicht. Bei vielen meiner Kommilitonen kam es aber öfter vor.“ – Leon Büttner
„Ich hatte das Problem noch nicht. Bei vielen meiner Kommilitonen kam es aber öfter vor.“ – Leon Büttner | Bild: Singler, Julian

Vereinbarungen sollen Empfang in beiden Ländern sichern

Damit sich die Netzbetreiber an den Landesgrenzen möglichst wenig in die Quere kommen, gibt es Verwaltungsvereinbarungen zwischen den Staaten. Mithilfe der sogenannten Harmonised Calculation Method (HCM) wird die Feldstärke gemessen. Zuständig ist in Deutschland die Bundesnetzagentur. "Ziel ist dabei, auf beiden Seiten der Grenze einen möglichst guten Empfang zu haben", sagt Michael Reifenberg.

„Je näher man dem See kommt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass auf Schweizer Netz umgestellt wird.“ – Brigitte Bucher
„Je näher man dem See kommt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass auf Schweizer Netz umgestellt wird.“ – Brigitte Bucher | Bild: Singler, Julian

Einhaltung wird in Deutschland regelmäßig geprüft

Volker Petendorf von Vodafone stellt fest: "Überreichweiten gibt es immer noch." Die Sendeleistung der Vodafone-Anlagen sei in den vergangenen Jahren gedrosselt worden. Dafür habe Vodafone im Bodenseekreis 2016 die damals 40 Anlagen mit der modernsten Technologie ausgestattet und seitdem seine Mobilfunkstandorte ausgebaut. Auch die Telekom baut aus, was oft nicht so einfach sei, weil es oftmals Widerstand aus der Bevölkerung gebe, erzählt Pressesprecher Dirk Wende. Er merkt an, die Einhaltung der Vereinbarungen würde von der Bundesnetzagentur "mit deutscher Gründlichkeit" regelmäßig überprüft.

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In anderen Ländern in der EU und in der Schweiz sei man da lockerer, sagt Jörg Borm von Telefonica. Dadurch gebe es ein Ungleichgewicht zu Lasten der deutschen Kunden.

„Das hatte ich auch schon, kommt ab und an vor. In Österreich oder Schweiz ist es aber andersherum genauso.“ – Helmut Knödler
„Das hatte ich auch schon, kommt ab und an vor. In Österreich oder Schweiz ist es aber andersherum genauso.“ – Helmut Knödler | Bild: Singler, Julian

Geologische und meteorologische Bedingungen beeinflussen Empfang

Ganz so einfach ist es mit der Sende- und Empfangsqualität allerdings nicht. Es gebe viele Faktoren, die in Friedrichshafen den Empfang beeinflussen, erklärt Michael Reifenberg von der Bundesnetzagentur. Die geologischen und meteorologischen Bedingungen sowie die technischen Voraussetzungen sowohl beim Netzbetreiber, als auch beim Kunden machten ebenfalls einen Unterschied. Volker Petendorf von der Telefonica nennt noch zwei weitere Faktoren: die Bebauung und die Mobilfunktechnologie. Außerdem hätten die Schweizer Unternehmen ein Interesse daran, dass ihre Kunden bei einem Übertritt in eine grenznahe deutsche Gemeinde nicht gleich aus ihrem Netz fliegen.

„Das kommt häufig vor. Ich habe vorgesorgt und die automatische Netzwahl ausgeschaltet.“ – Jonas Samleit
„Das kommt häufig vor. Ich habe vorgesorgt und die automatische Netzwahl ausgeschaltet.“ – Jonas Samleit | Bild: Singler, Julian

Netzbetreiber sind unterschiedlich kulant

Und wenn es passiert? Volker Petendorf meint für Vodofone, dass der Kundenservice Beschwerden kulant prüfe, wenn es Einzelfälle seien. Dirk Wende von der Telekom erläutert, man versuche dann mit dem Kunden, eine Lösung zu finden. Bei der Marke O2 von Telefonica könne man gemäß den Allgemeinen Geschäftsbedingungen keine Kulanz gewähren, erklärt Jörg Borm.

Tipps und Regeln zum Mobilfunk

Mit ein wenig Aufmerksamkeit können Kosten vermieden werden:

  • Jeder Nutzer sollte sich den Vertrag mit seinem Mobilfunkanbieter ansehen. In Deutschland gibt es insgesamt rund 30 Anbieter. In den Verträgen stehen die Regeln für das Daten-Rooming für den jeweiligen Tarif. Es gibt Tarife, in denen die Schweiz enthalten ist oder als Option zubuchbar ist. In EU-Staaten gilt in der Regel die EU-Roaming-Verordnung, solange dies nicht übermäßig geschieht (Fair Use-Klauseln).
  • Benutzer sollten selber prüfen, ob sie im richtigen Netz eingebucht sind, bevor sie an ihrem Gerät aktiv werden. Es kommt auch eine "Begrüßungs"-SMS, falls man in das Schweizer Netz gerät. Das Mobilfunknetz, mit dem das Gerät gerade verbunden ist, steht meist links oben auf dem Bildschirm.
  • Die Anbieter empfehlen, die automatische Netzwahl in den Einstellungen des Smartphones zu deaktivieren und manuell den korrekten deutschen Netzbetreiber gemäß Vertrag einzustellen. Zudem gibt es auch eine Einstellung, um das Daten-Roaming zu deaktivieren.
  • Beim Daten-Roaming gibt es eine automatische Kostenobergrenze inner- und außerhalb der EU: höchstens 50 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Ein Nutzer, der das nicht will, muss von vornherein oder beim Erreichen der Grenze aktiv darauf verzichten, für alle anderen gilt die Regelung automatisch. Die Datenverbindung wird dann gekappt. Der Nutzer wird per SMS informiert, auch darüber, falls in Echtzeit kein Verbrauch übermittelt werden kann.