An den ersten Tagen des neuen Jahres ist es wieder so weit: Die Sternsinger Kaspar, Melchior und Balthasar ziehen von Haus zu Haus, um den Menschen den Segen zu bringen. Dabei ist es auch für die katholischen Kirchengemeinden in Friedrichshafen zunehmend schwieriger, den Nachwuchs für die Teilnahme an der weltweit größten Hilfsaktion von Kindern für Kinder zu gewinnen.

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45 Kinder beteiligen sich in diesem Jahr in den Kirchengemeinden St. Nikolaus und St. Petrus Canisius an der Sternsingeraktion. „Ihre Zahl ist deutlich zurückgegangen. Vor ein paar Jahren waren noch 60 oder 70 Kinder als Sternsinger dabei“, stellt Judith Messerschmid-Späth fest. Sie organisiert die Aktion für die beiden Kirchengemeinden. Den Grund für den Rückgang sieht sie darin, dass die Kirche immer weniger im Fokus des gesellschaftlichen Interesses steht. Hinzu komme die Konkurrenz mit anderen Freizeitaktivitäten.

Familien wollen sich nicht festlegen

„Immer weniger Familien wollen sich in den Weihnachtsferien zeitlich festlegen. Manche sind auch im Skiurlaub oder haben einfach andere Pläne“, berichtet sie. Die Kinder, die bei den Sternsingern mitmachen, seien jedoch nach wie vor mit Begeisterung dabei. „Sie schlüpfen gern in die bunten Kostüme der heiligen drei Könige und stehen voll und ganz hinter der Hilfsaktion. Dafür bereiten sie sich vor, indem sie gemeinsam die Lieder lernen, die sie an den Friedrichshafener Haustüren singen. „Außerdem schauen wir einen Film, in dem die Hilfsaktion erklärt wird, um die es in diesem Jahr konkret geht“, erläutert Judith Messerschmid-Späth.

Sternsinger schreiben Segen an Haustüren

In diesem Jahr stehen Kinder mit Behinderung, nach Schätzungen der Vereinten Nationen 165 Millionen Mädchen und Jungen weltweit, im Mittelpunkt. Das Motto lautet „Segen bringen, Segen sein. Wir gehören zusammen – in Peru und weltweit!“. Mit Kreide schreiben die Sternsinger den Segen „Christus möge dieses Haus segnen“ in der lateinischen Abkürzung „C+M+B“ (Christus mansionem benedicat) an die Haustüren.

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Ganz ähnlich laufen die Vorbereitungen auch in der Häfler Kirchengemeinde St. Columban, in der Anfang Januar 32 Kinder als Sternsinger losziehen. Die Jüngsten sind gerade mal fünf Jahre alt, andere sind schon 18 oder 19 und dabei, solange sie denken können. Die Nachwuchssorgen sind in St. Columban nicht ganz so groß, da etwa zwei Drittel das ganze Jahr über in den Kinder- und Jugendchören der Kirchengemeinde singen. „Aber auch bei uns ist es nicht leicht, genügend Kinder für die Aktion zu gewinnen“, berichtet Kantorin Marita Hasenmüller, die mit den Sternsingern die Lieder einübt. Leider kämen nicht mehr alle Haushalte in den Genuss von Liedern wie „Wir kommen aus dem Morgenland“ und „Als Könige ziehen wir heute hinaus“. „Unsere Sternsinger sind nur noch an zwei Tagen am Ende der Ferien unterwegs, da viele Familien wegfahren“, so Marita Hasenmüller. Aber wer den Segen der heiligen drei Könige auf jeden Fall wolle, könne sich in der Kirche in eine Liste eintragen.

Kinder sind Feuer und Flamme

Auch unter dem Jahr hält Messerschmid-Späth Kontakt zu ihren Sternsingern. „Im Sommer haben wir einen Ausflug ins Planetarium nach Laupheim gemacht und waren anschließend beim Pizzaessen“, berichtet sie. Das gemeinsame Abendessen nach der abendlichen Tour als Sternsinger komme bei den Kindern ebenfalls gut an. Dann erfahren sie direkt, wie viel sie an diesem Tag für Kinder in Not gesammelt haben. Oft bekommen sie Süßigkeiten geschenkt, die innerhalb der Gruppe aufgeteilt werden.

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„Dabei bleibt oft etwas übrig, und das geben wir dann an die Tafel oder an die Teestube“, sagt Messerschmid-Späth. Bei den Kindern komme vor allem der Gedanke gut an, dass sie gemeinsam etwas für andere tun und solidarisch sind. Das ist auch Marita Hasenmüllers Eindruck: „Die Kinder sind Feuer und Flamme, wenn sie dabei sind. Sie merken, dass sie auch als junge Menschen etwas bewegen können und darauf sind sie stolz.“ Unterwegs sind die Sternsinger von St. Nikolaus und St. Petrus Canisius zwischen dem 2. und dem 5. Januar. Die Sternsinger von St. Columban ziehen am 4. und 5. Januar von Haustür zu Haustür.