„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“, schallt es über den Häfler Rathausvorplatz. Dazu klatschen und hüpfen einige Schüler im Takt, während andere selbst gebastelte Schilder in die Höhe halten. „Handeln statt leugnen“ ist darauf zu lesen und „Kinder haften für ihre Eltern“

Video: Svenja Graf

Solche Szenen, wie sie am vergangenen Freitag bei der „Fridays for Future“-Demo in Friedrichshafen erneut zu sehen waren, sollen, wenn es nach den Klimaschützern geht, am kommenden Wochenende die internationalen Schlagzeilen bestimmen. Tausende junge Menschen aus ganz Europa werden deshalb am Freitag, 21. Juni, im nordrhein-westfälischen Aachen erwartet. Gemeinsam wollen sie für einen besseren Klimaschutz demonstrieren. Auch Mitglieder der „Fridays for Future“-Bewegungen aus dem Bodenseekreis wollen an der Großdemo teilnehmen.

„Fridays for Future“-Organisatorin Madlen Beck animiert die Schüler auf dem Häfler Rathausvorplatz zu Sprechchören und fordert sie dazu auf, sich für den Klimaschutz einzusetzen.
„Fridays for Future“-Organisatorin Madlen Beck animiert die Schüler auf dem Häfler Rathausvorplatz zu Sprechchören und fordert sie dazu auf, sich für den Klimaschutz einzusetzen. | Bild: Svenja Graf

Teilnehmerzahlen sind konstant

„Aus Friedrichshafen fahren etwa 20 Leute mit“, sagt Madlen Beck, die regelmäßig die Häfler Klimaschutz-Demonstrationen mitorganisiert. „Wir gehen in Friedrichshafen seit Januar auf die Straße und die Teilnehmerzahlen sind mittlerweile relativ konstant“, erklärt sie. Etwa 150 bis 200 Schüler und Studenten seien wöchentlich dabei und protestierten friedlich für eine bessere Zukunft. Das bestätigt auch Polizeisprecher Markus Sauter. „Bisher hat es bei den Demos im Bodenseekreis keine Probleme gegeben“, sagt er. „Trotzdem begleiten Polizeibeamte die Veranstaltungen, falls es mal zu Verkehrsbehinderungen kommt.“

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Dass der globalen Schülerbewegung, die seit ihren Anfängen im vergangenen Jahr stetig gewachsen ist, irgendwann die Puste ausgehen wird, hält Madlen Beck für wahrscheinlich. „Ich denke, das ist ganz normal bei solchen Bewegungen“, sagt sie. „Aber selbst wenn es ‚Fridays for Future‘ irgendwann in der Form nicht mehr gibt, dann werden sich sicher neue Initiativen bilden, die das gleiche Ziel verfolgen.“ Schließlich gehe es um die Botschaft, dass jetzt etwas geschehen müsse, um die Klimakrise abzuwenden.

Ziel ist noch nicht erreicht

Derzeit ist ein Ende der Klimastreiks jedoch nicht in Sicht. „Fridays for Future geht weiter, daran ändert auch das Ergebnis der Europawahl nichts“, so Beck. Dieses sei zwar erfreulich gewesen, weil es gezeigt habe, dass das Thema Umwelt in weiten Teilen der Bevölkerung Fuß gefasst habe, aber am Ziel sei die Bewegung deshalb noch lange nicht. „Ein wirklicher Erfolg ist es erst, wenn die richtigen politischen Konsequenzen gezogen werden und endlich etwas passiert“, sagt Madlen Beck.

Was die Schüler von den Erwachsenen und der Politik fordern: „Handeln statt leugnen.“
Was die Schüler von den Erwachsenen und der Politik fordern: „Handeln statt leugnen.“ | Bild: Svenja Graf

Das sieht Karol Roller, Organisator der „Fridays for Future“-Demos in Überlingen, genauso. „Das starke Wahlergebnis der Grünen hat gezeigt, dass die Menschen wachgerüttelt wurden“, sagt er. „Aber am Ziel sind wir erst, wenn wir sehen, dass die Ziele des Pariser Klimaabkommens konsequent verfolgt werden.“ So lange werde auch in Überlingen weiter für den Klimaschutz demonstriert.

20.000 Demonstranten erwartet

Die internationale Protestaktion in Aachen soll ein „weiteres großes Zeichen“ sein, erklärt Karol Roller. Erstmals wird nicht in vielen Städten zeitgleich demonstriert, sondern Klimaschützer aus ganz Europa treffen sich an einem Ort, um gemeinsam ihre Stimme zu erheben – darunter auch junge Menschen aus Überlingen und Friedrichshafen. Nach Angaben der Organisatoren werden bis zu 20.000 Teilnehmer aus 17 Ländern zu der Großveranstaltung erwartet, die auf dem Gelände des Aachener Fußballstadions Tivoli stattfindet. Als Nachtlager dienen neben dem Stadion-Parkhaus auch Hotels, Campingplätze und private Sofas in und um die nordrhein-westfälische Großstadt.

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Doch ist es nicht ein Widerspruch in sich, wenn tausende Menschen für diesen einen Tag durch halb Europa reisen, um sich für den Klimaschutz stark zu machen? „Die Frage haben wir uns natürlich auch gestellt“, räumt Karol Roller ein. „Deshalb haben wir einen Kompromiss gefunden, um die Reise so klimafreundlich wie möglich anzutreten“, sagt er. Damit nicht alle Demonstranten einzeln und mit Autos anreisen, habe man Sonderzüge und Busse organisiert. Außerdem werde es auf der Veranstaltung ausschließlich veganes Essen geben, ergänzt Madlen Beck. So könne jeder einzelne Teilnehmer so nachhaltig wie möglich handeln. „Die Dringlichkeit, etwas für das Klima zu tun, ist schließlich viel größer als diese Demo in Aachen„, so Beck.

„Ich bin sicher, die Dinosaurier dachten auch, sie hätten Zeit“ – eine klare Botschaft.
„Ich bin sicher, die Dinosaurier dachten auch, sie hätten Zeit“ – eine klare Botschaft. | Bild: Svenja Graf

Weitere Demos in der Region geplant

Sowohl in Friedrichshafen als auch in Überlingen soll weiterhin freitags gestreikt werden. Die Termine der „Fridays for Future“-Demos könne man über die dafür gegründeten Whatsapp-Gruppen oder Facebook-Seiten erfahren, teilen die Organisatoren mit. Darüber hinaus veranstalten die Klima-Kids aus Rickenbach, einem Teilort von Salem, am 28. Juni ihre vierte Protestaktion. Dieses Mal sogar mit prominenter Unterstützung: Die in Konstanz lebende Sängerin Bê Ignacio werde vor ihrem Konzert in Friedrichshafen nach Rickenbach kommen, um den jungen Klimaschützern zu helfen, berichtet Organisatorin Margit Mattes.

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