Friedrichshafen – „Lehrlinge muss man für ihr Fach begeistern, sprich ihnen immer wieder eine Bestätigung geben, dass sie mit ihrer Berufswahl eine wichtige und richtige Entscheidung getroffen haben, was natürlich auch Ansprüche an die Lehrer und Ausbilder stellt.“ So sieht das Michael Neubold, Berufsschullehrer an der Claude-Dornier-Schule in Friedrichshafen. Die Kooperation Berufsschule und Messe IBO kommt ihm als Werbeplattform für das Handwerk entgegen. Für seine Schüler ist es sowohl Anerkennung als auch Erlebnis, sich bei der Messe zu präsentieren. Mit 24 Auszubildenden der Klasse 1BFB1-Zimmerer ist Neubold während der IBO in Halle 2 am Werkeln. Unter den Augen der Öffentlichkeit bauen sie ein Haus für 2,5 Millionen Bienen.

Wer die Gruppe beobachtet, stellt schnell fest, dass es sehr ungezwungen und fröhlich, aber trotzdem zielorientiert zugeht. 15 Werkstattstunden haben die Zimmermänner im ersten Berufsschuljahr, wobei sie Grundkenntnisse der Holzverarbeitung, also sägen, schrauben, bohren, abkanten und das passgenaue Messen zunächst bei der Herstellung von Kleinteilen lernen. „Wenn sie beispielsweise ein selbstgefertigtes Brettspiel mit nach Hause nehmen dürfen, haben sie schon das erste sinnvolle Ergebnis ihrer Hände Arbeit", sagt Michael Neubold. „Alle haben immer richtig Spaß, wenn sie dann im gut ausgerüsteten Maschinenpark unserer Berufsschule mit größeren Balken und Brettern arbeiten dürfen." Dabei sei die "Spielwiese Maschinenpark" nicht nur etwas für Jungs. Der Zimmermannsberuf sei inzwischen auch für Mädchen geeignet, denn die ehemals schwere körperliche Arbeit übernehmen heute Hebevorrichtungen und Kräne, wie Neubold erläutert. Er bedauert, dass er dieses Jahr keine Mädchen in der Klasse hat und viele Lehrstellen frei geblieben sind.

Um zu zeigen, dass Handwerk immer noch goldenen Boden hat, versucht Neubold, spannende Projekte für seine Azubis zu organisieren. Die Idee, ein Bienenhaus zu bauen, kam ihm, weil die Imker-AG der Schule immer viel Zulauf hat. In einem Gespräch mit seiner Kollegin Karin Vollmar, Leiterin der Imkergruppe, erfuhr er von einem Bienenzüchter in Sigmarszell, der sich ein richtig großes Haus wünscht – eben für richtig viele Bienen. Man nahm Kontakt auf und wurde sich einig: Das Holz und sämtliches Material, ein Richtfest und eine Spende in die Klassenkasse der Zimmerer gegen einen Bienenstock mit integriertem Schleuder- und Lagerraum als Lehrlingsprojekt.

So entstand vom Aufriss über die Materialberechnung bis zur Fertigstellung eine sechs Mal sieben Meter große „Immobilie“, die demnächst mit 25 Bienenkästen für je 100 000 Honigsammler bestückt werden soll. Nach sechs Monaten Ausbildung ein vorzeigbares Projekt, das die bereits erworbenen Fähigkeiten der künftigen Handwerker zeigt. Mit dem Hausbau sei die Teamfähigkeit der Auszubildenden gewachsen, ebenso ihr Handwerkerstolz, hat ihr Lehrer beobachtet.