In der Seldnerhalle in Kau trafen sich die Mitglieder des Tettnanger Hopfenpflanzerverbands am Montag zur Hauptversammlung. „Die gute Nachricht zuerst“, sagte Vorsitzender Wolfgang Ruther. „Mit geschätzt 51.436 Zentnern werden wir die größte Ernte bekommen, die wir je hatten.“

Hopfenernte in Tettnang.
Hopfenernte in Tettnang. | Bild: Kerstin Mommsen

Aktuell wurden bereits 50.588 Zentner des „Grünen Goldes“ gewogen. Zum Vergleich: Im vergangenen, witterungsbedingt problematischen Jahr waren es 41.501 Zentner. Sowohl die Ernte der Sorte „Tettnang Tettnanger“ als auch der „Hallertauer Mittelfrüh“ hätte man in dieser Menge und Qualität so nicht abschätzen können.

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„Es freut uns und steht uns zu, dass wir eine überdurchschnittliche Ernte einfahren“, so Ruther. Die schlechte Nachricht sei für die Landwirte das Volksbegehren „Artenschutz – Rettet die Bienen“. Diesem Thema widmete die dreistündige Versammlung etwa die Hälfte der Zeit.

Überall am Straßenrand haben Bauern aus der Bodenseeregion grüne Kreuze aufgestellt.
Überall am Straßenrand haben Bauern aus der Bodenseeregion grüne Kreuze aufgestellt. | Bild: Kerstin Mommsen

Jürgen Weishaupt, Geschäftsführer des Hopfenpflanzerverbands, berichtete, dass es 1997 auch einmal eine Hopfenernte von mehr als 50.000 Zentnern gegeben habe. „Das Erfolgsrezept sind ein grüner Mai, eine späte und gleichmäßige Blüte sowie Niederschläge in ausreichender Menge.“ Erfolgreich verlaufen sei das Jubiläumsjahr mit dem 175 Jahre Hopfenanbau in Tettnang gefeiert wurden. „Unser gelungenes Fest war eine runde Sache“, sagte Weishaupt.

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Aktuell wird in Tettnang auf einer Fläche von 1438 Hektar Hopfen angebaut. „Dies entspricht einem Plus von 19 Prozent seit 2014‘“, informierte der Geschäftsführer. Manuel Geiser vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg sagte, dass sich die sehr, sehr gute Ernte auch im Labor widerspiegele.

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„Wir hatten schon lange nicht mehr über 1000 Analysen.“ Die Alpha-Werte seien im Vergleich zur Erntemenge eher durchwachsen berichtete Anton Locher vom Hopfenvertrieb der Baywa. „Beim Tettnanger haben wir unter vier Prozent. Die Wärmeperioden setzen dem Hopfen zu.“

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Damit in Qualität investiert werden könne, müsse mit Nachdruck die Aufnahme ins Agrarinvestitionsförderprogramm vorangetrieben werden, so Weishaupt. Für wichtig hält er eine Versicherung gegen Sturmschäden. Aktuell gebe es eine dreijährige Versuchsphase für eine Mehrgefahrenversicherung, die Schäden von Frost, Sturm und Starkregen abdecke. „Wer sich nicht beteiligt, kann keine Nothilfen beantragen“, erläuterte Weishaupt.“

Hauptversammlung des Tettnanger Hopfenpflanzerverbands: Das Volksbegehren zum Artenschutz treibt die Landwirte um. Ins Gespräch kamen sie mit dem Bundestagsabgeordneten Lothar Riebsamen (stehend).
Hauptversammlung des Tettnanger Hopfenpflanzerverbands: Das Volksbegehren zum Artenschutz treibt die Landwirte um. Ins Gespräch kamen sie mit dem Bundestagsabgeordneten Lothar Riebsamen (stehend). | Bild: Claudia Wörner

Franz Wöllhaf vom Landwirtschaftsamt des Bodenseekreises berichtete vonseiten der Fachberatung. „Witterungsmäßig hatten wir im östlichen Bodenseekreis einfach Glück. Das sah im Westen schon anders aus“, so Wöllhaf. Künftig müsse man noch mehr mit Wetterrisiken leben.

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Als Hauptschädlinge identifizierte er den Erdfloh, der jedoch nicht so aggressiv war wie in den vergangenen Jahren. Auch massive Befälle durch die Blattlaus und die gemeine Spinnmilbe seien eher selten gewesen. „Die Programme des Bunds bieten genügend Veränderungen in Sachen Pflanzenschutz. Da braucht es kein Volksbegehren“, sagte Wöllhaf.

Ehrennadeln für besondere Verdienste im Beirat des Tettnanger Hopfenpflanzerverbands (von links): Die Hopfenhoheiten Kathrin Arnegger, Teresa Locher und Lena Heilig gratulierten zusammen mit Vorsitzendem Wolfgang Ruther (Dritter von links) Georg Härle, Vinzenz Bernhard und Rolf Müller.
Ehrennadeln für besondere Verdienste im Beirat des Tettnanger Hopfenpflanzerverbands (von links): Die Hopfenhoheiten Kathrin Arnegger, Teresa Locher und Lena Heilig gratulierten zusammen mit Vorsitzendem Wolfgang Ruther (Dritter von links) Georg Härle, Vinzenz Bernhard und Rolf Müller. | Bild: Claudia Wörner

Existenzängste bei den Hopfenbauern

Das Volksbegehren „Artenschutz – Rettet die Bienen“ treibt die Landwirte um. Ihren Existenzängsten geben sie aktuell durch die Aktion „Grünes Kreuz“ entlang von Feldern, Hopfengärten und Obstanlagen Ausdruck.

„Wer den Pflanzenschutz um 50 Prozent reduzieren will hat keine Ahnung, wie Landwirtschaft funktioniert“, sagte Wolfgang Ruther, Vorsitzender des Tettnanger Hopfenpflanzerverbands. Auch der Plan, die Hälfte der landwirtschaftlichen Flächen ökologisch zu bewirtschaften, funktioniere nicht. „Die Planwirtschaft wurde vor 30 Jahren eingestampft“, machte Ruther seinem Ärger Luft. In Tettnang gebe es nur einen Hopfenbauern, der auf Bio setze. Diese Forderung sei für die Hopfenpflanzer ein Schlag ins Gesicht. Würden ihre Verträge aktuell doch bis 2025 laufen. „Ohne Pflanzenschutz kein Hopfen und ohne Hopfen kein Bier“, formulierte Ruther eine einfache Formel. Nun komme es auf jede einzelne Stimme an. „Redet mit den Leuten.“

Jürgen Weishaupt, Geschäftsführer des Hopfenpflanzerverbands, fragte: „Ist Landwirtschaft künftig in Deutschland überhaupt noch gewollt und möglich?“ „Oder kaufen wir künftig Äpfel aus Neuseeland, Wein aus Südafrika und Hopfen von sonst wo?“ Seiner Meinung nach geht es nicht um die Rettung der Biene, sondern um das Durchdrücken des Bioanbaus. „Schreibt man Bioanbau vor, muss man auch Bio-Konsum vorschreiben.“ Sorge bereitet ihm, dass in Landschaftsschutzgebieten nicht mehr gespritzt werden soll. „Dies betrifft ein Drittel unserer Hopfenkulturen, und was das bedeutet, wissen alle.“ Leider seien die Landwirte nicht so gut organisiert wie die Naturschutzverbände. „Wir müssen uns noch mehr bündeln, um noch schlagkräftiger zu werden“, so Weishaupt. Wichtig sei, zu zeigen, was in Sachen integriertem Pflanzenbau und -schutz bereits getan werde.

Hubert Bernhard, Vorsitzender des Maschinenrings Tettnang, verwies auf die Facebook-Seite „Bodensee-Bauern“ und forderte dazu auf, sich rege zu beteiligen. „Wenn wir es schaffen, die Leute zu überzeugen, dann haben wir eine Chance.“