Mit dem Umbauplan in den Händen stehen Ivan Bottecchia und sein Partner Alan Piai zwischen Farbeimern und Spachtelmasse. "Die Mauer muss noch abgerissen werden, um Platz für die bodentiefen Fenster zu machen", erklärt Bottecchia und deutet auf die mit Eispapier verhängten Fenster. Die beiden Italiener haben große Pläne in den kleinen Räumen des ehemaligen Hirsch-Kiosk in der Charlottenstraße 1. Ab spätestens Mitte Juli soll hier eine Zweigstelle ihres Eiscafés Italia in der Seestraße entstehen – das "Eis to go".

Handwerk ist Familientradition

Am Donnerstag wurde mit der städtischen Umbaugenehmigung für den Kiosk die heiße Phase bis zur Eröffnung eingeläutet. Auf die Idee, an diesem Standort eine Eisdiele zu eröffnen, habe sie ein Stammkunde gebracht, erzählt Bottecchia. "Viele Häfler kommen nicht regelmäßig bis ans Ufer. Deshalb kommen wir jetzt zu ihnen", sagt der Geschäftsmann. Im November setzten sie sich mit den Besitzern der Hauses in Verbindung. Bereits im Dezember war der Mietvertrag in trockenen Tüchern. "Wir haben von allen Seiten sehr viel Zuspruch für unser Vorhaben erhalten, vor allem von den Nachbarn, die sich freuen, dass endlich wieder jemand den Laden übernimmt", so Bottecchia. Die Nachbarn dürfen sich künftig nicht nur über Eis freuen. Auch Crepes, Kaffee und süßes Gebäck sollen angeboten werden. Hauptgeschäft sei aber natürlich das Eis, so die Geschäftspartner. Sowohl Bottecchia als auch sein Partner Piai stammen aus dem Val di Zoldo, dem "Tal der Gelatieri" in den südlichen Dolomiten – wie rund zwei Drittel der Eisdielenbesitzer in Deutschland.

Bottecchias Familie sind Gelatieri in dritter Generation. Auch das Eiscafé Italia, das Bottecchia und Piai in ihrer fünften Saison betreiben, wurde vor 53 Jahren von einer Familie aus dem Val di Zoldo gegründet.

Standort mit Zukunft

Das Erfolgsrezept des "Italia" liege in den Zutaten für das Eis, erklärt Bottecchia. "Die Milch und die heimischen Früchte beziehen wir aus der Region. Die restlichen Zutaten von dort, wo sie am besten sind, zum Beispiel Schokolade aus Belgien", so der Unternehmer. Die Beiden sind davon überzeugt, dass die Häfler den neuen Laden gut annehmen werden. Rund 90.000 Euro investieren sie in ihre neue Außenstelle, die nicht nur für eine Saison bestehen soll. Im Gegensatz zum Hauptgeschäft am Seeufer sei auch ein Betrieb während des Winters denkbar. Dass der Standort schon so manchem Glück gebracht hat, weiß Rudolf Schmitt. Der 75-Jährige betrieb 37 Jahre lang den Kiosk an der Ecke, bis er ihn aufgrund einer Erkrankung 2014 aufgeben musste. "Zwei Autos wurden bei mir gewonnen", erinnert sich der Häfler, der inzwischen im Franziskuszentrum lebt. Dass sein Kiosk eine neue Bestimmung gefunden hat, freut ihn. "Ich bin zur Eröffnung eingeladen und werde mir anschauen, was die Beiden daraus gemacht haben", versichert Schmitt.