Was soll's, zu Hause ist es doch genauso heiß: Das Ehepaar Jüstrich aus dem schweizerischen Berneck ist genau mit der richtigen Einstellung zum Kulturufer nach Friedrichshafen gekommen. Sie kommen jedes Jahr, egal wie das Wetter ist, aber dieses Mal wollten sie auch ein Stückchen Kulturufer mitnehmen. "Der hier isch urbequem", ruft Maya Jüstrich beim Probeschaukeln im Hängesessel. Sieht ganz so aus, als sei ihre Entscheidung gefallen.

Nicht jeder Künstler hat ein Schattenplätzchen gefunden. Spraykünstler Moses muss mit einem Sonnenschirmchen auskommen, er nimmt es mit Humor.
Nicht jeder Künstler hat ein Schattenplätzchen gefunden. Spraykünstler Moses muss mit einem Sonnenschirmchen auskommen, er nimmt es mit Humor. | Bild: Andrea Fritz

Die meisten Besucher, und es waren angesichts der Hitze nicht wenige, haben am Freitagnachmittag aber nur einen kurzen ersten Orientierungslauf über das Kulturufer und den Markt unternommen. "Ich komm nächste Woche mit meinen Freundinnen wieder", sagte eine Besucherin und verschwand rasch im Getümmel Richtung Schatten. Im Park unterm Baum konnte man aber glückliche Zuschauer entdecken, angelockt vom frechen Clown mit der Peitsche.

Video: Andrea Fritz
Barbara Morsch-Caspari (li.) und Barbara Bucher aus Friedrichshafen bieten auf dem Kunsthandwerkermarkt selbst gefertigte Babykleidung und Accessoires für Kleinkinder an.
Barbara Morsch-Caspari (li.) und Barbara Bucher aus Friedrichshafen bieten auf dem Kunsthandwerkermarkt selbst gefertigte Babykleidung und Accessoires für Kleinkinder an. | Bild: Andrea Fritz
Probeliegen in der Hängematte: Maya Jüstrich aus Berneck findet diesen Hängesessl "urbequem".
Probeliegen in der Hängematte: Maya Jüstrich aus Berneck findet diesen Hängesessl "urbequem". | Bild: Andrea Fritz

Auch vor dem Infozelt gab es Schattenplätze und für die Seifenblasenkünstler aus Sizilien ist der schöne Sonnenschein sogar ein Glücksfall, denn dann schimmern ihre Seifenblasen in allen Farben des Regenbogens und die Kinder kreischen vor Freude, wenn sie eine Seifenblase platzen lassen können. Manche der Blasen sind so groß, dass die Künstler von Circobaleno vier Kinder auf einmal darin "einsperren" können. Regen wäre da eine Katastrophe.

Ein schattiges Plätzchen, ein lustiger Clown und ein mutiger Mann aus dem Publikum, das zieht auch bei über 30 Grad Publikum an.
Ein schattiges Plätzchen, ein lustiger Clown und ein mutiger Mann aus dem Publikum, das zieht auch bei über 30 Grad Publikum an. | Bild: Andrea Fritz

Doch nicht jeden freute das schöne Wetter. Wer will bei der Hitze schon lange stillhalten für ein Airbrush-Tatoo, für ein Henna-Gemälde auf der Haut oder gar für ein Portrait. Meera Acharya bringt bis zu 50 Buchstaben auf einem Reiskorn unter, aber das interessierte bei der Hitze kaum jemanden. Auch Moses saß etwas verloren unter seinem Sonnenschirm. Wer mag schon in der Sonne stehen, um einem Spray-Künstler zuzusehen. Er nahm es mit Humor und war ganz sicher: "Heute Abend wird hier die Post abgehen."

Video: Andrea Fritz

Zu heiß war es auch, um länger bei den Straßenmusikern zu verharren, die meisten Besucher schlenderten, manche tänzelten im Rhythmus der Musik vorbei, doch stehen blieb kaum jemand. Egal, junge und gestandene Talente hatten ganz augenscheinlich Spaß daran aufzutreten und freuten sich über jede Münze, die im Hut klingelte.

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Das Wetter soll übrigens so bleiben. "Wenn wir Glück haben, kühlt es zwischendurch auf 29 Grad ab, sonst immer um die 30 Grad, eher drüber, aber das ist uns lieber als Regen", sagt Michael Greineck, der Marktverantwortliche Abteilungsleiter vom städtischen Amt für Bürgerservice, Sicherheit und Umwelt.

Toll, wenn jemand einen Namen auf ein Reiskorn schreiben kann, aber Meera Acharya (rechts) schafft bis zu 50 Buchstaben.
Toll, wenn jemand einen Namen auf ein Reiskorn schreiben kann, aber Meera Acharya (rechts) schafft bis zu 50 Buchstaben. | Bild: Andrea Fritz
Video: Andrea Fritz
Video: Andrea Fritz

50 überwiegend regionale Aussteller beim Kunsthandwerkermarkt am Kulturufer

Ein bisschen aufgeregt sind Barbara Bucher und Barbara Morsch-Caspari aus Friedrichshafen schon. Weil sie nicht wissen, ob ihr Stand beim Kunsthandwerkermarkt auch Sturm standhalten würde, ob ihre Babysachen gefallen finden und bestenfalls sogar gekauft werden – und wenn ja, ob dann der Vorrat reicht. Es ist ihr erstes Mal als Aussteller beim Kunsthandwerkermarkt beim Kulturufer in Friedrichshafen. Beim städtischen Abteilungsleiter für Märkte, Michael Greineck, und dem Marktverantwortlichen Florian Anger haben die beiden jedenfalls schon einen Stein im Brett, denn dass Einheimische auf diesem Markt ihre Waren anbieten, ist ein Novum. Es freut sie besonders, weil sie schon immer viel Wert auf regionale Anbieter gelegt haben und das ist in diesem Jahr besonders gelungen.

Upcycling ist dabei das ganz große Thema. Da werden alte Herrenhemden zu lustigen Damenhosen und Segeltuch zu Taschen oder Zeitungen zu Schuhen. Auch Holz, Glas, Stoffe, Möbel und Fahrradschläuche bekommen eine zweite Chance und ein neues Leben. Vom Artikel für 2 oder 3 Euro bis hin zu hochpreisiger Mode ist alles zu haben, wobei der Schwerpunkt im mittleren Preissegment rangiert, wie Florian Anger sagt. Die Neulinge aus Friedrichshafen teilen sich das Marktgelände vom Gondelhafen bis zu den Zelten mit 49 anderen Ausstellern. Viele alte Bekannte sind dabei, aber alle haben etwas Neues anzubieten. Ganz neu dabei sind etwa 20 Prozent. Unter den 29 reinen Kunsthandwerkern zeigen manche vor Ort, wie sie produzieren. Das Ehepaar Schuler passt beispielsweise handgefertigten Schmuck am Stand an und Susi Fey hat sogar ein kleines Atelier unterm Kronleuchter eingerichtet. Die Verantwortlichen haben nämlich besonderen Wert auf eine schöne Standgestaltung gelegt und das fällt dieses Jahr ins Auge. (afr)