Wer etwas Frisches auf dem Tisch haben will, der ist immer freitags auf dem Wochenmarkt in Friedrichshafens Altstadt richtig. Wer regionale Produkte favorisiert, auch. Und wer gern nette Leute trifft, um zwischen den Einkäufen ein kleines Schwätzchen zu halten, erst recht. Für viele Häfler ist der regelmäßige Marktbesuch unverzichtbar und gehört zum Wochenablauf einfach mit dazu. Zum Beispiel für Helga Scherbarth – die an diesem Freitag in Begleitung ihrer erwachsenen Enkelinnen Simone und Julia Wagner gekommen ist. "Wenn man im Supermarkt etwas einkauft, weiß man nicht, woher es kommt – auf dem Wochenmarkt schon", ist sich Helga Scherbarth sicher. Dass der Marktbesuch als "echte Familientradition" aus dem Kalender nicht wegzudenken sei, auch darin sind sich die drei Frauen einig.

Der Wochenmarkt hat in Friedrichshafen eine durchaus lange Geschichte. "Das grundlegende Marktrecht erwarb die Stadt Buchhorn im Jahr 1275", erklärt die städtische Pressesprecherin Monika Blank auf Anfrage des SÜDKURIER. "Seitdem fand der Freitagsmarkt in Friedrichshafen über Jahrhunderte ohne Änderung zentral vor dem Rathaus statt. Nach einem Umzug des Marktes während des Wiederaufbaus der Innenstadt ab 1948 in die Wendelgardstraße kehrte der Freitagsmarkt 1959 auf den Adenauerplatz zurück." Deutlich jünger ist dagegen der Dienstagsmarkt. Er entstand 1907 als Halbjahresmarkt für die Zeit von April bis Ende Oktober und hat sich im Jahr 1913 zum zentralen, ganzjährigen Markt der Nordstadt entwickelt. 1989 kam dann der Wochenmarkt auf dem Rathausplatz in Ailingen hinzu. Als jüngsten Markt in Friedrichshafen gibt es seit 2010 den samstäglichen Schlemmermarkt, der sich auf Grundlage des vormaligen Bauernmarktes aus dem Jahr 2001 entwickelte.

Stefanie Lemp, Marktbeschickerin: Auf dem Markt hat der Kunde  ein Gesicht vom Erzeuger. Man kann viel intensivere Beratungsgespräche führen.
Stefanie Lemp, Marktbeschickerin: Auf dem Markt hat der Kunde ein Gesicht vom Erzeuger. Man kann viel intensivere Beratungsgespräche führen.

Er zeichnet sich durch ein breites gastronomisches Angebot und ein attraktives Rahmenprogramm aus. Zufrieden in man vonseiten der Stadt auch mit der aktuellen Entwicklung in Bezug auf die Marktbeschicker. "Am Freitagsmarkt finden wir aktuell etwa 45 Markthändler, hinzukommen etwa zehn saisonale Anbieter", sagt Monika Blank. Nach einem leichten Rückgang in der jüngeren Vergangenheit sei in den vergangenen beiden Jahren eine Stabilisierung zu verzeichnen. Im Bereich des Schlemmermarktes habe man durch neue Konzepte ebenfalls weitere Händler gewinnen können. Insbesondere zwischen April und Oktober freue man sich über ein vollwertiges Angebot mit insgesamt 27 Ständen – zu Zeiten des Bauernmarktes seien es nur 15 Stände gewesen.

In Markdorf gibt es einen Markt seit 1236, zu dieser Zeit wird er erstmals erwähnt. Damals bekamen Städte das Marktrecht als königliches Privileg verliehen. Das war mit Auflagen verbunden – zum Beispiel den Marktfrieden zu wahren. Die Bedeutsamkeit eines Marktes hing unter anderem davon ab, ob ein Ort günstig gelegen war. Für Markdorf traf das gewiss zu, führten hier seinerzeit doch wichtige Handelswege entlang. Und die Gehrenbergstadt selbst spielte eine wichtige Rolle für den Weinhandel im süddeutschen Raum.

Heute findet der ehedem montags ausgerichtete Markdorfer Wochenmarkt am Donnerstag statt. Jessica Kuhn, kommissarische Marktleiterin, zählt rund 30 Stände. "Zu meinen Aufgaben gehört es, auf dem Wochenmarkt zu kontrollieren, ob sich keine unangemeldeten Händler aufgestellt haben. Was aber nur sehr selten vorkommt. Dann schau‘ ich darauf, dass die vereinbarten Stand-Abmessungen eingehalten werden", so Kuhn. Die Händler kommen aus Pfullendorf, aus Radolfzell, aus Uhldingen-Mühlhofen, sogar aus Aulendorf – vor allem aber aus dem näheren Markdorfer Bereich. Neben dem Wochenmarkt am Donnerstag in der Innenstadt gibt es von Mai bis September auf dem Campingplatz Wirthshof einen Bauernmarkt.

In Überlingen gibt es jeden Mittwoch und Samstag, von 7 bis 14 Uhr auf der zentral in der Altstadt gelegenen Hofstatt einen Wochenmarkt. Ergänzt werden diese Märkte durch einen Bauernmarkt vor dem Münster, den es immer samstags gibt. Zudem gibt es verschiedene Spezialitätenmärkte in Überlingen.

Obst, Gemüse, Eier – das steht heute für Helga Scherbarth auf dem Einkaufsplan. Natürlich kein Problem auf dem Häfler Freitagsmarkt. Und Zeit genug fürs Bummeln mit ihren Enkelinnen bleibt auch noch.


 

Das sind die schönsten Wochenmärkte im Bodensee-Kreis:

  • Überlingen: Bio wird viel nachgefragt
    Biobauer Klaus Wekerle verkauft seine Waren auf dem Wochenmarkt in Überlingen.
    Biobauer Klaus Wekerle verkauft seine Waren auf dem Wochenmarkt in Überlingen. | Bild: Yannik Gräf

    Dass es in Überlingen zwei Markttage pro Woche gibt, Mittwoch und Samstag, ist für eine Kommune dieser Größe eher ungewöhnlich. Samstags wird der Markt um einen Bauernmarkt ergänzt. Ungewöhnlich ist außerdem die große Auswahl an biologisch angebauten Waren. Woher kommt die hohe Nachfrage an Bio-Produkten? "Wir haben hier eine tolle Kundschaft, die regionale und biologische Waren einfach sehr schätzen“, sagt Pina DeSanctis, seit vielen Jahren als Händlerin in Überlingen eine Institution. Die hohe Nachfrage nach Bio-Produkten ermögliche es den Händlern, "bessere Preise anzubieten“, erklärt DeSanctis. Ursula Rating von Paul Walser Eigenanbau sieht auch die Waldorfschule als Grund dafür, dass Bio beliebter wird. „Die Leute entwickeln immer mehr ein Bewusstsein dafür, was sie essen“, sagt Rating. „Die Bodenseeregion hat traditionell einfach viel mit Bio gemacht. Es liegt auch daran, dass viele kleine Höfe sich auf Bio spezialisieren, um überleben zu können“, sagt Klaus Wekerle, der einen Hof nach Bioland-Richtlinien bewirtschaftet und seine Waren auf dem Überlinger Markt verkauft. (ygr)

  • Ravensburg: Markt seit dem Jahr 1152
    Eine jahrhundertealte Tradition hat der Ravensburger Wochenmarkt – hier ein Blick in die Marktstraße.
    Eine jahrhundertealte Tradition hat der Ravensburger Wochenmarkt – hier ein Blick in die Marktstraße. | Bild: Manfred Dieterle-Jöchle

    Der Markt der Stadt Ravensburg wurde bereits 1152 erstmals urkundlich erwähnt, wie Marktmeister Sven Seidel erklärt. Hier ist schon am Samstagmorgen um 7.30 Uhr Hochbetrieb. "Der Samstagsmarkt mit seinen mehr als 100 Ständen und seinem großen Angebot an Produkten ist ein sehr beliebter und attraktiver Treffpunkt im Herzen der historischen Altstadt", sagt der Ravensburger Marktmeister. "Und er ist ein Anziehungspunkt für Einheimische wie für Touristen." Auch in Friedrichshafens Nachbarstadt findet sich der traditionsreiche Wochenmarkt unmittelbar im Herzen der Stadt. Von Marienplatz und Rathaus aus reihen sich die Stände über den Gespinstmarkt beziehungsweise die Marktstraße bis hoch zum historischen Obertor. Zahlreiche Besucher des Marktes nutzen nach dem Einkauf noch die Zeit und machen einen Abstecher in eines der Cafés in den angrenzenden Straßenzügen der Ravensburger Altstadt. (ght/dim)

  • Markdorf: Kunden wollen frische Ware
    Gemüse, Obst, Fisch und Eier sind in Bianca Baumhauers Einkaufs-Rolli.
    Gemüse, Obst, Fisch und Eier sind in Bianca Baumhauers Einkaufs-Rolli. | Bild: Jörg Büsche

    Auf dem Markdorfer Wochenmarkt hat Bianca Baumhauer eingekauft. Das tut die 43-Jährige immer, wenn ihr ihre Arbeit am Donnerstagvormittag dazu die Zeit lässt. Gemüse, Obst, Fisch und Eier sind in Bianca Baumhauers Einkaufs-Rolli. "Weil's hier Produkte aus der Region gibt", erklärt sie ihr Einkaufsverhalten. Hinzu komme: "Hier herrscht eine lockere, fast schon südländische Atmosphäre". Die Frische der Ware ist auch für Frederike Mayer der Grund, weshalb sie auf dem Wochenmarkt kauft, was anschließend in den Topf oder auf den Tisch kommt. Außerdem besucht sie den Markt auch gern, „weil man dort eigentlich immer Bekannte trifft.“ Beim Schlendern zwischen den Ständen, beim Anstehen bei den Kartoffeln oder bei den Backwaren komme so gut wie immer jemand vorbei, der etwas zu berichten wisse. Eberhard Henze hat Eier, Milch, Käse und Brot eingekauft. „Auf dem Markt ist das besonders frisch“, erklärt der 74-Jährige. Dies sei auch der Grund, weshalb er und seine Frau ganz regelmäßig den Markt besuchen. (büj)

  • Friedrichshafen: Hier setzt man auf Nahversorgung
    Laut Thomas Goldschmidt profitiert auch der Einzelhandel von den Wochenmärkten.
    Laut Thomas Goldschmidt profitiert auch der Einzelhandel von den Wochenmärkten. | Bild: Brigitte Geiselhart

    "Wochenmärkte erleben eine Renaissance. Regionale Produkte, Selbstvermarktung, Qualität, Frische aber auch internationale Spezialitäten und der Bezug der Markthändler zu dem, was sie verkaufen, sowie ihre fachkundige Beratung – das ist gefragt. Auch bei Touristen sind Marktbesuche beliebt", sagt Thomas Goldschmidt, Geschäftsführer des Stadtmarketings von Friedrichshafen. Egal ob freitags am Wurststand oder beim Schlemmermarkt am Stammtisch, die Märkte seien beliebte Treffpunkte. Davon profitiere auch der Einzelhandel. "Der Schlemmermarkt wurde ganz bewusst von der Stadt zusammen mit dem Stadtmarketing konzipiert, um den Samstag als Einkaufstag in der Innenstadt zu stärken. Dieses Jahr finden dort so viele Programmpunkte statt wie noch nie. An anderen Standorten wie beim Dienstagsmarkt in der Nordstadt oder dem Markt in Ailingen erfüllen die Märkte eine wichtige Nahversorgungsfunktion und bedeuten ein Stück Lebensqualität." (ght)