Bei der Messe IBO in Friedrichshafen gehört die Messehalle B2 noch bis einschließlich Sonntag dem Handwerk. Hier präsentieren sich die verschiedenen Handwerksinnungen mit ihrem Fachwissen und lassen sich bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Am Stand der Bäckerinnung zeigt Azubi Alexander Sixl, wie eine schwäbische Seele entsteht und macht gleichzeitig Werbung für das Handwerk, mit dem er künftig sein Geld verdienen möchte. "Ich kann mir nicht vorstellen, den ganzen Tag im Büro zu sitzen", erzählt der 17-Jährige. Schon vor dem Realschulabschluss habe er einige Praktika absolviert und die Entscheidung sei schließlich für den Bäckerberuf gefallen. Dass sein Arbeitstag später durchaus nachts um 1 Uhr beginnen kann, schreckt Sixl nicht. Die Arbeitszeiten seien jedoch für rund die Hälfte seiner Mitschüler Hauptgrund gewesen, die Ausbildung wieder abzubrechen. Nach dem ersten Jahr seien nur noch 16 angehende Bäckergesellen in seiner Klasse. "Ich möchte aber vor allem einen Beruf, der mir Spaß macht", sagt Sixl zu seiner Motivation, dieses Handwerk zu lernen.

Damit spricht er Georg Beetz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bodenseekreis, aus dem Herzen. "Die IBO ist für uns nicht nur eine tolle Plattform, um Präsenz zu zeigen, sondern dient auch dazu, das Handwerk für den Nachwuchs interessant zu machen", so Beetz. Aktuell sind die Auftragsbücher voll – in der Bau-Innung beispielsweise bis November. "Was uns fehlt, ist der Nachwuchs", stellt ihr Obermeister Holger Städele fest. "Wir nehmen praktisch jeden Jugendlichen, der nach einem Ausbildungsplatz fragt." Auf der IBO informiert er unter anderem über Ziegel, die mit Mineralwolle gefüllt sind und einen sehr hohen Wärmedämmwert sowie eine hohe Druckfestigkeit haben.

Immer ein Hingucker sind die Zimmerleute samt ihrer Arbeit. Bei der IBO entsteht aktuell ein 5,5 mal 6,5 Meter großes Bienenhaus mit einer Höhe von rund 4,5 Metern. Geplant ist es für 20 bis 25 Bienenvölker, das heißt für 2,5 Millionen Bienen. "Unser Ziel ist, dass wir das Bienenhaus bis Sonntag fertig bekommen", sagt Felix Amann, der im ersten Lehrjahr zum Zimmerer ist. Täglich werkeln zehn bis zwölf seiner jungen Kollegen an dem Haus. "Es ist ein tolles, praxisnahes Projekt", sagt auch Berufschullehrer und Zimmerermeister Michael Neubold. Felix Amann findet es schön, dass die Messebesucher immer wieder Fragen stellen und sich für die Arbeit interessieren. "Das ist eine gute Abwechslung."

Für Schreiner Martin Stengele aus Überlingen bietet die IBO eine gute Möglichkeit, seine Möbel vorzustellen. Als besonderen Service fertigt er in seiner Werkstatt Stühle nach individuellem Körpermaß. Ein paar Meter weiter zeigt Schreiner-Azubi Dominik Rudolf wie Intarsien fachgerecht aus Furnierholz ausgeschnitten und als Muster zusammengesetzt werden. "Dafür braucht man schon Gefühl fürs Holz und Fingerspitzengefühl", sagt der 24-Jährige, der bereits den Bachelor in Informatik in der Tasche hat. "Ich habe festgestellt, dass mir die praktische Arbeit am Schreinerberuf sehr gut gefällt", sagt er zu seinem eher ungewöhnlichen Werdegang. Außerdem präsentieren die Innungen der Schornsteinfeger und der Ofenbauer ihre Leistungen in der Halle B2. Die Sanitär-Innung und die Elektro-Innung sind in Halle B1 vertreten.