"Hier spricht Delta Papa 9 S. DF9IB bitte kommen!" Lukas Bachschwell sitzt in einer Jurte im Freigelände der Ham Radio und spricht einen Funkspruch in das Lautsprechermikrofon seines Funkgeräts. Das Rufzeichen gehört zur deutschen Pfadfinderstation und der 21-Jährige ist mit seinem rubinroten Uniformhemd mit den vielen Abzeichen als Pfadfinder aus Österreich zu erkennen.

Austausch über Ländergrenzen hinweg

Zusammen mit Gleichgesinnten aus vielen anderen Ländern, wie Rita Osorio aus Portugal, Paula Ramirez aus Mexiko, Konstatin Bischoff aus Deutschland oder Predrag Katic aus Serbien, vertritt er die Weltorganisation der Pfadfinderbewegung bei der Amateurfunkausstellung am Wochenende in Friedrichshafen und informiert über das jährlich stattfindende "Jamboree on the Air".

Treffen am dritten Oktoberwochenende

Die Veranstaltung, kurz "Jota" genannt, findet seit 1956 weltweit immer am dritten Oktoberwochenende statt und ermöglicht es etwa einer Million amateurfunkinteressierter Pfadfinder mit Pfadfindern anderer Länder in Kontakt zu treten. Denn Pfadfinder und Amateurfunker haben sich der Völkerverständigung verschrieben, sind kommunikativ, weltoffen und setzen auf Freundschaften über Grenzen hinweg.

Großes Pfadfinderlager in den USA

Das Internationale Pfadfinderlager, das "Worldscoutjamboree", findet nur alle vier Jahre statt und die Teilnahme in der Zeltstadt mit 20 000 bis 30 000 Teilnehmern ist mit hohen Kosten verbunden. So schlägt das Lager 2019 in den USA mit annähernd 4000 Euro zu Buche. Da wird "Jota" zum gemütlichen und kostengünstigen Ersatzlagerfeuer und wärmt die Teilnehmer ein Wochenende lang mit ihren Kontakten und deren Geschichten.

Yusuf, 13, am Stand der Weltorganisation der Pfadfinderbewegung.
Yusuf, 13, am Stand der Weltorganisation der Pfadfinderbewegung. | Bild: Anette Bengelsdorf

Beide Seiten haben ihren Spaß

"Das Zusammentreffen von Pfadfindern und Amateurfunkern ist eine Symbiose, an der jede Seite ihren Spaß hat", sagt Klaus Legler, beides in Personalunion und zur Messe aus Karlsruhe angereist. Nur wenige Pfadfinder seien auch Funker, weiß er. Doch spreche eine Gruppe über den Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC) einen Funker an, so sei immer jemand bereit mitzumachen.

Pfadis fürs Funken begeistern

Um die "Pfadis" fürs Funken zu begeistern, werden Morsespiele gemacht oder etwas Elektronisches wie LED-Taschenlampen, eine Zeltbeleuchtung oder ein Morsepiepser gebaut, so Legler. In Gegenwart des lizensierten Funkamateurs können die jungen Leute dann erste Erfahrungen am Funkgerät machen. Und manchmal springt der Funke über und ein Pfadfinder macht die Amateurfunkprüfung.

Soziale Schwerpunkte und Technikaffinität

Wie Lukas Bachschwell. Der Student der Medientechnologie aus Wien stammt aus einer Amateurfunker-Familie, war aber zunächst nur bei den Pfadis dabei. Dann realisierte er, wie gut sich beides verlinken lässt. "Bei einem Lager in Island habe ich zwei Stunden mit Leuten aus Dänemark und Portugal geplaudert", sagt er und genießt heute die Kombination aus dem sozialen Schwerpunkt der Pfadfinder und der Technikaffinität der Funker in der entspannten Atmosphäre der Lager.

Rita Osorio (von links), Lukas Bachschwell und Konstantin Bischoff sitzen am Amateurfunk-Lagerfeuer der Ham Radio auf dem Friedrichshafener Messegelände.
Rita Osorio (von links), Lukas Bachschwell und Konstantin Bischoff sitzen am Amateurfunk-Lagerfeuer der Ham Radio auf dem Friedrichshafener Messegelände. | Bild: Anette Bengelsdorf

In Welt des Amateurfunks schnuppern

Um Jugendlichen eine Gelegenheit zu geben in die Welt des Amateurfunks zu schnuppern, hat sich die Weltorganisation der Pfadfinderbewegung für ihren Messeauftritt ein paar Spiele ausgedacht. Yusuf aus Albstadt hält sein Smartphone an eine Plakette. Via Near Field Communication (NFC), dem kontaktlosen Austausch von Daten, wird registriert, dass er eine von etwa zwölf im Bereich des Messestands angebrachten Tags gefunden hat. "Ich bin seit fünf Minuten hier", sagt der 13-jährige Gymnasiast und hat bereits drei davon gefunden. Hat er alle entdeckt, bekommt er einen Stempel. Schließt er auch andere Spiele erfolgreich ab, könne er ein Funkgerät gewinnen. "Ich bin Amateurfunker aus Überzeugung", sagt er. Zuhause hat er seit einem Jahr seine eigene Station, mag Elektronik und will später Elektrotechniker werden. Bei den Pfadfindern ist er nicht. Doch wer weiß. Vielleicht springt der Funke eines Tages auch mal in die andere Richtung über.

Öffnungszeiten und Preise

Die Ham Radio: Die Internationale Amateurfunk-Ausstellung findet noch am Samstag, 2. Juni, von 9 Uhr bis 18 Uhr und am Sonntag, 3. Juni, von 9 bis 15 Uhr statt. Etwa 180 Aussteller und 90 Verbände aus 32 Ländern zeigen in Halle A1 Funk- und Messgeräte, Antennen, Elektrotechnik, Hard- und Software sowie Zubehör. Der Ham-Flohmarkt bietet in den Hallen A3 und A4 eine Fundgrube für alle Amateurfunker. Unter dem Motto "Radio Scouting – Abenteuer Jugendamateurfunk" bietet der DARC eine Sonderausstellung zu den Schnittstellen zwischen Pfadfindern und Amateurfunkern. Übernachtungsmöglichkeiten für Funkamateure bis 27 Jahre bietet das Ham-Jugendlager in Halle A6. Der Sonntag bietet eine sportliche Fuchsjagd im Wald. Anmeldung im Foyer West. Nachwuchsfunker zwischen acht und 18 Jahren können sich an der Ham-Rallye beteiligen. Das Bodenseetreffen des DARC bietet in Halle A2 ein umfangreiches Vortragsprogramm.

MakerFaire Bodensee: Das Familien-Festival für Kreativität und Technik findet zeitgleich am Samstag von 9 bis 18 Uhr und Sonntag von 9 bis 17 Uhr in Halle B1 statt. 400 Maker zeigen an 150 Ständen neue und alte Technik vom Roboter bis zur Dampfmaschine. Mitmachaktionen, Vorträge und Workshops bieten spielerischen Zugang zu Wissenschaft und Technik und verführen zum Umgang mit Materialien und Werkzeug. Zehn Teams tüfteln bei der "Maker Challenge" um die Wette und bauen eine Apparatur, die selbstständig Bilder malt. "Casemodder" bauen Computergehäuse um. Cosplayer zeigen auf der "Fantasy-World" Comic-Figuren, Zauberer und Elfen. Ein Workshop zeigt, wie man selber Kostüme macht. Auch ein blinkendes LED-Herz oder ein Mini-Roboter kann selber gelötet werden.

Eintrittspreise: Die Tageskarte kostet 11 Euro, ermäßigt 9 Euro. Die Eltern-Kind-Karte (ein Erwachsener und ein Kind zwischen sechs und 14 Jahren) kostet 15 Euro. Kinder bis 6 Jahre haben freien Eintritt. Die Karten berechtigen zum Besuch beider Messen.