Zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren und sieben Monaten Haft hat die 4. Kleine Berufungskammer des Landgerichts Ravensburg am Donnerstag nach acht Verhandlungstagen einen 29-jährigen Bremer erneut verurteilt. Es ging um versuchten, gewerbs- und bandenmäßigen Betrug. Die Kammer ordnete zudem eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. In das Urteil floss ein Strafbefehl des Amtsgerichts Darmstadt ein, unter anderem wegen Fahrens ohne Führerschein und falscher Personalien.

Nach Überzeugung der Kammer hat der 29-Jährige am 20. Juni 2017 die Abholung von 100 000 Euro bei einer 94-jährigen Friedrichshafenerin durch zwei andere Männern organisiert. Die Abholung scheiterte letztlich, weil die Polizei diesem Teil einer internationalen Bande aus dem Umfeld einer Shisha-Bar in Bremen auf die Spur gekommen war. Das Schöffengericht des Amtsgerichts Tettnang hatte den 29-Jährigen am 13. März zu drei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt.

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Gegen das Urteil ist Revision möglich

Gegen das Urteil der Berufungskammer ist Revision möglich. Staatsanwalt Julian Mayer hatte vier Jahre Strafhaft gefordert, Verteidiger Stephan Weinert einen Freispruch. Auch am letzten Verhandlungstag vor der Berufungskammer stellte Weinert zusammen mit seinem Mandanten wieder eine Flut von Anträgen, insgesamt acht. Insbesondere forderte er ein Gutachten zur Glaubwürdigkeit des 24-jährigen Hauptbelastungszeugen, der als Abholer am Tattag festgenommen wurde und erst in seiner dritten Vernehmung den Angeklagten belastet hatte. Daraufhin wurde er im Dezember 2017 zu einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Berufungskammer lehnte den Antrag ab, da es ihr zusteht, die Aussagen selber zu gewichten.

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Der andere Abholer, ein 31-Jähriger, war im selben Prozess in Tettnang zu einem Jahr und zehn Monaten wegen versuchten gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Betrugs auf Bewährung verurteilt worden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Er bezichtigte im Tettnanger Prozess zunächst den Angeklagten als Logistiker, nahm später aber seine Aussage zurück. Mit der Falschen-Polizisten-Masche waren der Häflerin zuvor schon im Mai und Anfang Juni 125 000 Euro abgenommen worden. Die Täter sind nicht ermittelt.

Verteidiger von Unschuld seines Mandanten überzeugt

Weinert konzentrierte sich am Donnerstag vor allem darauf, dass nicht nachgewiesen sei, dass sein Mandant den Auftrag gegeben habe. Es gibt vier Versionen von der Beauftragung der Abholer am Vormittag des 20. Juni 2017 in Bremen. Der Verteidiger verwies auf das Rechtsstaatsprinzip und erklärte: "Besser 100 Schuldige werden freigesprochen als ein Unschuldiger schuldig." Er sei von der Unschuld seines Mandanten überzeugt. Gegen den 29-Jährigen gibt es noch Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaften Mannheim und München wegen des Verdachts an zwei weiteren Falschen-Polizisten-Taten beteiligt gewesen zu sein.