Den Dialog mit den Bürgern dieser Stadt zu suchen war das Ziel der "Flüchtlings-Dialoge", die 2016 von der Stadt initiiert wurden. Viele der Akteure, die diesen Prozess nicht nur begleitet, sondern maßgeblich getragen haben, möchten diesen Weg weiter gehen.

Während die Geflüchteten als Thema längst nicht mehr Mittelpunkt der Nachrichtenwelt sind, werden die Herausforderungen vor Ort nicht kleiner, denn es geht um die Integration dieser Menschen, die jetzt Teil der Stadtgesellschaft sind. Genau an dieser Stelle will das "Friedrichshafener Bündnis für Vielfalt" Haltung zeigen, denn "Haltung führt zu Verhalten", sagt Jürgen Kegelmann vom Vorstand des Vereins Teestube und einer der drei Sprecher des neuen Bündnisses.

Dahinter stehen derzeit sechs Vereinigungen, die das Ganze aber möglichst breit in Friedrichshafen verankern möchten: der Verein Arkade, der DRK-Kreisverband, der Muslimische Helferkreis, der Ökumenische Asylkreis FN-West, die Teestube und die studentische Initiative "Frühlingserwachsen" an der Zeppelin-Uni. Mit dabei ist auch die Stadt, die sich im vergangenen Jahr am Landeswettbewerb "Gemeinsam in Vielfalt – Lokale Bündnisse für Flüchtlingshilfe" beteiligt und den Zuschlag erhalten hat. Damit stehen nun für einen begrenzten Zeitraum auch Gelder zur Verfügung, um dieses zivilgesellschaftliche Bündnis aufzubauen. Bei einem Pressegespräch am vergangenen Freitagabend erläuterten die Vertreter, welche Ziele sie verfolgen.

In den vergangenen Monaten wurden Leitideen definiert, "wie wir zusammen leben wollen", erklärte Emel Coban, Vorsitzende des städtischen Rats der Nationen und Kulturen, der derzeit 32 Häfler Migrantenvereine repräsentiert. Dieses friedliche Miteinander von Menschen sei in Friedrichshafen normal. Und doch sei es wichtig, "diese Vielfalt zu unterstreichen", findet Coban. So selbstverständlich die Leitideen wie Wertschätzung, Toleranz, Gerechtigkeit und Solidarität auch klingen und in einer pluralistischen Gesellschaft sind, "man muss diese Werte auch leben, nicht nur darüber reden", findet Kegelmann. Damit aus dieser Idee ein breites Bündnis wird, sollen in den nächsten Monaten Gruppen, Instititutionen, Firmen, Vereine, Kirchen, Moscheen und Arbeitskreise gefunden werden, die sich dem anschließen. Ganz oben auf der Liste stehe das überparteiliche "Bündnis für Toleranz und Demokratie, gegen Rechtsextremismus", das es schon seit einigen Jahren gibt.

Aus den Leitideen heraus sollen aber auch Projekte und Veranstaltungen entwickelt und unterstützt werden – solche wie das Frühlingsfest des "P 35" in der Paulinenstraße kürzlich. Ziel sei aber auch, die Vielzahl der Initiativen, die sich schon lange für geflüchtete Menschen einsetzen, besser untereinander zu vernetzen und so auch eine Plattform für Ehrenamtliche zu schaffen, so dass deren Engagement sichtbarer wird. Pfarrer i.R. Hans-Martin Breuning nennt das "dem, was da ist, nochmal ein Gesicht geben". Wenn Ende Juni die Internetseite des Häfler "Bündnis für Vielfalt" steht, dann bekommt auch diese Initiative ihr Gesicht in der Öffentlichkeit.


Erklärung des Bündnisses

Im Wortlaut: "Für Menschen aus einer Vielzahl kultureller Hintergründe ist die Stadt Friedrichshafen seit vielen Jahren und Jahrzehnten zu genau diesem Ort geworden. Friedlich leben hier Menschen aus aller Welt gemeinsam neben- und miteinander. Geleitet von der Frage 'Wie wollen wir zusammen leben?' wollen wir als 'Bündnis für Vielfalt' folgende acht Leitlinien als Ausdruck unserer inneren Haltung und unseres Verhaltens formulieren: 1. Die Würde des Menschen ist unantastbar, 2. Engagement für eine offene Stadtgesellschaft, 3. Wertschätzung, Toleranz und Akzeptanz, 4. Zugang zur gleichberechtigten Teilhabe, 5. Solidarität und Gerechtigkeit, 6. Grenzen der Toleranz, 7. Gemeinsam Handeln, 8. Umsetzung im Alltag."