Friedrichshafen – Der zehnjährige Emil setzt die Brille zurecht und den Meißel an. Er hat sich vorgenommen, einen Hai aus dem Ytonklotz zu schlagen. Steinbildhauer René Geier zeigt ihm, wie er sein Werkzeug gebrauchen muss. "Ich möchte den Kindern vermitteln, wie es ist, etwas Dreidimensionales zu schaffen", sagt Geier. Drei Tage lang wird er mit seiner Steinwerkstatt auf dem Kulturufer sein.

Der zehnjährige Emil (links) lernt von René Geier, mit Yton zu bildhauern. Er hat sich vorgenommen, einen Hai zu kreieren.
Der zehnjährige Emil (links) lernt von René Geier, mit Yton zu bildhauern. Er hat sich vorgenommen, einen Hai zu kreieren. | Bild: Corinna Raupach

Kleine Künstler werken mit Stein

Emil ist voller Konzentration bei der Sache. Bis zu zwei Stunden arbeiten die kleinen Künstler an ihren Werken. Zum ersten Mal hat Geier auch Sandstein zum Kulturufer mitgebracht. Der ist wesentlich härter und schwieriger zu behauen. In Gemeinschaftsarbeit soll hier ein Zeppelin für den Spielbus entstehen.

Großer Andrang bei der irischen Band Cúig – die Matinée findet im Freien statt, wo die Zuschauer unter Sonnenschirmen im leichten Seewind sitzen können.
Großer Andrang bei der irischen Band Cúig – die Matinée findet im Freien statt, wo die Zuschauer unter Sonnenschirmen im leichten Seewind sitzen können. | Bild: Corinna Raupach

Viel Andrang im Jugendbereich

Schon vor dem offiziellen Beginn um 13 Uhr stehen Familien vor den Werkstätten auf der Aktionswiese an, um mit Holz, Stein, Metall oder Papier zu arbeiten. Die Spielgeräte haben sie schon lange vorher geentert, sogar das neue "Spiel des Jahres" können sie hier ausprobieren. Auch die Größeren haben die ersten Tage genutzt: "Sommer, Sonne, Sonnenschein, das JugendKultUfer ist super gestartet, viele glückliche Jugendliche haben fleißig in unseren Werkstätten gearbeitet", sagt Karoline von Dewitz vom Jugendzentrum Molke. Die ganze Woche über läuft der Origami- und der Foto-Workshop. "Auf der Bühne ging es gleich los, als wären wir mitten drin", sagt ihr Kollege Daniel Schweizer. Er freut sich auf das Programm am heutigen Montag mit DJ Caspa und "Analogue Birds. "Das ist sehr experimentell und beschäftigt sich mit Musik an den Grenzen."

Auf dem Kulturufer mischen sich Generationen, Nationen und Geschmäcker.
Auf dem Kulturufer mischen sich Generationen, Nationen und Geschmäcker. | Bild: Corinna Raupach

Kulturamtsleiter zufrieden

"Es war ein toller Start, das Wetter macht mit und die Leute genießen das Kulturufer", sagt auch Kulturamtsleiter Winfried Neumann. Trotz Konkurrenz durch Open-Air-Konzerte etwa in Tettnang oder Markdorf war die Eröffnungsshow "Elvis, Comeback" ausverkauft. Für den Sänger und Liedermacher Thomas Oliver, der gleichzeitig im Kleinen Zelt auftrat, hätte sich Neumann mehr Zuhörer gewünscht. "Es ist ja oft so, dass wir hier Künstler vor ihrem ersten großen Hit präsentieren. Das ist das spannende am Kulturufer, dass man immer etwas entdecken kann", sagt Neumann.

Milton Sánchez aus Ecuador spielt die traditionelle Andenharfe, das Instrument hat er selbst gebaut.
Milton Sánchez aus Ecuador spielt die traditionelle Andenharfe, das Instrument hat er selbst gebaut. | Bild: Corinna Raupach
Titafede malt kleine Kunstwerke auf die Gesichter ihrer kleinen Kunden.
Titafede malt kleine Kunstwerke auf die Gesichter ihrer kleinen Kunden. | Bild: Corinna Raupach

A-capella-Nacht schon ausverkauft

Bereits ausverkauft sind die A-cappella-Nacht am Freitag und das Konzert von Wincent Weiss. "Bei Wincent Weiss werden wir die Besucher schon um19 Uhr einlassen, da der Supportact Xavi schon um 19.30 Uhr loslegt", sagt Franz Hoben vom Kulturbüro. Für den Kabarettisten Andreas Rebers und die Travestieshow mit Chris Kolonko sind nur noch Restkarten zu haben. Mehr Platz gibt es noch beim N.N. Theater Köln mit seiner Abenteuerreise "20 000 Meilen unter dem Meer – Der Sturm" und für den Liedermacher Gisbert zu Knyphausen. "Der macht tolle Musik und trifft das Wesentliche des Lebens in seinen Texten", sagt Hoben. Auch bei dem blinden Pianisten Noboyuki Tsujii, der im GZH-Meisterkonzert das Häfler Publikum begeisterte, sind noch Plätze frei. "Für das Kindertheater verkaufen wir immer einen Teil der Karten erst eine Stunde vor Vorstellungsbeginn im Kleinen Zelt", sagt Claudia Engemann vom Kulturbüro.

Die irische Band Cúig hat ihre Matinée ins Freie verlegt, einige Fans tanzen sogar trotz der drückenden Hitze.
Die irische Band Cúig hat ihre Matinée ins Freie verlegt, einige Fans tanzen sogar trotz der drückenden Hitze. | Bild: Corinna Raupach

Rahmenprogramm für viele die Hauptsache

Für viele ist das Rahmenprogramm die Hauptsache. "Das Straßentheater ist sehr gut angelaufen", sagt Jürgen Deeg vom Kulturbüro. Auch der Kunsthandwerkermarkt ist so gut besucht, dass einige Stände nachproduzieren, damit das Angebot bis zum Festivalende reicht.

Einige Aussteller beim Kunsthandwerkermarkt fürchten schon, dass ihnen die Ware ausgeht, ehe das Fest vorbei ist. Manche von ihnen lassen bereits nachproduzieren.
Einige Aussteller beim Kunsthandwerkermarkt fürchten schon, dass ihnen die Ware ausgeht, ehe das Fest vorbei ist. Manche von ihnen lassen bereits nachproduzieren. | Bild: Corinna Raupach

Hohe Temperaturen beim Kulturufer

  • Schattenplätze beliebt: „Warum trittst du hier auf?“, fragt ein Mädchen den Jongleur. „Weil ich da vorne in der Hitze schmelzen würde“, antwortet der und steigt aufs Einrad. Schattenplätze sind beliebt, vor der Freitreppe kühlen sich Besucher die Füße, einer geht baden. Die irische Band Cúig hat ihre Matinée ins Freie verlegt, wo unter Sonnenschirmen eine leichte Brise vom See weht.
  • Gekühltes Zelt: Am Freitag Nachmittag hatten die hohen Temperaturen für einen ruhigeren Start des Kulturufers gesorgt. „Es hat nicht geschadet, dass man sich nicht überall drängeln musste“, sagt Winfried Neumann, Leiter des Kulturbüros. Die leichte Abkühlung am Samstag brachte höhere Besucherzahlen, das Kindertheater war ausverkauft. „Dabei ist das Zelt gekühlt“, sagt Claudia Engemann vom Kulturbüro. Am Sonntag zog es einige Familien schon wieder ins Freibad.
  • Genügend trinken: Die Johanniter mussten bis Sonntag Nachmittag niemanden wegen Hitzefolgen behandeln. „Wir hatten Pflaster, Schürfwunde, Druckverband und Fieber mit Übelkeit“, sagt Rainer Heimgärtner. „Die Leute sollen dringend darauf achten, dass sie ausreichend trinken“, sagt seine Kollegin Iris Mildenberger. Sie empfiehlt drei bis vier Liter am Tag.