Der Vorstoß der Grünen setzt darauf auf, dass Friedrichshafen und das Umland nicht nur in den Sommermonaten stark unter der Auto-Blechlawine leiden, die die Straßen verstopft. Für einen Teil dieses Verkehrs seien die Urlaubsgäste verantwortlich, die hier übernachten. Mit der EBC könnten Gäste kostenlos Bus und Bahn im Bodo-Verbundgebiet nutzen, wodurch weniger mit dem Auto unterwegs wären.

Kostenlose Nutzung von Bus und Bahn

Solche „Freifahrtscheine“ würden von Urlaubern anderswo gern genutzt, schreiben die Grünen laut Antrag. „Als moderne Urlaubsdestination mit zahlreichen innerstädtischen Sehenswürdigkeiten wie Zeppelin-Museum, Zeppelin-Hangar und Dornier-Museum, die allesamt ans ÖNPV-Netz angeschlossen sind und jährlich viele Tausende Besucher anlocken, sollte die Stadt ein Interesse an der EBC haben.“ Außerdem würden in Friedrichshafen längst nicht nur Geschäftsreisende Station machen.

Immer mehr Touristen in der Stadt

Die Tourismuszahlen in Friedrichshafen steigen seit Jahren. 2017 wurden rund 755.000 Übernachtungen nur in Häusern mit mehr als zehn Betten gezählt – erneut 2,3 Prozent mehr als 2016. In dieser Zahl sind die vielen Ferienwohnungen, Privat-Apartments oder Campingplatzgäste nicht enthalten. In den Hotels kamen rund 336 000 Gäste an, die sich im Durchschnitt 2,2 Tage in Friedrichshafen aufhielten, so das statistische Landesamt. Davon sind der überwiegende Teil von rund 60 Prozent Geschäftsreisende und nur 40 Prozent Freizeittouristen.

755.000 Euro Kosten pro Jahr

Würde die Stadt bei der EBC mitmachen, müssten sie für jede Übernachtung eines Gastes einen Euro Solidarbeitrag an die Deutsche Bodensee Tourismus GmbH (DBT) als Betreiber der Karte abführen – deutlich mehr als 755.000 Euro beispielsweise für 2017, weil auch die Gäste der Kleinvermieter dazu kommen. Wie die Stadt diesen Betrag finanzieren würde, wäre ihr überlassen. Eine Kurtaxe, über die die EBC sonst finanziert wird, gibt es in Friedrichshafen nicht.

Zuletzt 2013 wurde über dieses Thema im Gemeinderat diskutiert. Diese Abgabe nutzen andere EBC-Gemeinden wie Wasserburg oder Nonnenhorn zur Finanzierung der EBC für ihre Gäste. Ob Geschäftsreisende, die das Gros der Gäste in Friedrichshafen stellen, mit einer touristisch ausgelegten Gästekarte etwas anfangen können, bliebe abzuwarten.