Nun wird er doch realisiert – ein Kreisverkehr an der Kreuzung Waggershauser Straße/Colsmanstraße und Jettenhauser Straße. Im Juli erhitzte das Thema die Gemüter des Gemeinderates – in einer der kontrovers geführtesten Gemeinderats-Debatten des Jahres lieferten sich Befürworter und Kontrahenten des Projektes damals eine ausgiebige Diskussion. Am Montag war aber offenbar die Luft raus dem Thema, nachdem die Stadtverwaltung ihren Kompromissvorschlag für die Lösung der Verkehrsprobleme an dieser verkehrsreichen Kreuzung vorgestellt hatte. Geplant ist nun der Bau eines kleinen Kreisverkehres, zusätzlich sollen in den Zufahrtstraßen noch drei neue Fußgängerübergänge mit Ampelanlagen gebaut werden. „Diese dienen einer sicheren Querung und verringern die Zahl der Fußgänger direkt am Kreisverkehr“, erklärte Wolfgang Kübler vom Stadtbauamt den Räten. Die Ampeln an den Fussgängerüberwegen sollen nur anspringen, wenn sie von einem Fussgänger gedrückt werden. Am Kreisel selbst sind vier Zebrastreifen geplant. Insgesamt soll das Projekt 1,5 Millionen Euro kosten – realisiert werden kann es aber frühestens Ende 2019, weil zuvor der Tunnel Waggershauser Straße für die B 31 fertig gestellt sein muss. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass der neue, 30 Meter breite Kreisverkehr etwa 25 000 Autos in 24 Stunden „abwickeln“ kann, wie es im Verwaltungsjargon heißt. „Für uns ist diese Variante in Bezug auf Sicherheit und Leistungsfähigkeit die Beste“, erklärte Kübler.

Bild: Grafik: Bernhardt, Alexander

Sowohl CDU und SPD, die den Antrag ursprünglich eingebracht hatten, wie auch die Freien Wähler stimmten dem Neubau vorbehaltlos zu. Gerhard Leibrecht von den Grünen allerdings übte scharfe Kritik. „Diese Kreuzung ist die erste in Friedrichshafen, bei der der Fußgängerverkehr mit dem Autoverkehr gleichberechtigt ist“, sagte Leibrecht. Denn im Kreuzungsbereich Waggershauser Straße, Jettenhauser Straße und Colsmanstraße schalten für die Autofahrer in allen Richtungen die Ampeln gleichzeitig auf "Rot" um, die Fußgänger aller vier Straßenzüge bekommen zeitgleich "Grün". Diese Lösung wurde von der Stadt eingeführt, nachdem im November 2014 ein elfjähriges Kind von einem abbiegenden Laster bei grüner Ampelschaltung erfasst wurde. Die "Alles-Grün"-Regelung war seither erfolgreich und führte zu deutlich weniger Unfällen rund um die Kreuzung, auf der viele Fahrradfahrer, Fußgänger und Autos unterwegs sind. Auch die Schulleitung und die Elternvertreter der Ludwig-Dürr-Schule hatten sich im Sommer gegen den Bau eines Kreisverkehrs ausgesprochen. "Für die Schüler gibt es keine sicherere Lösung als die Ampel", sagte damals Konrektor Robert Ackermann. Die Elternvertretung der Ludwig-Dürr-Schule hatte sich in einem Schreiben an die Fraktionen ebenfalls gegen einen Kreisverkehr ausgesprochen.

„Nötig ist dieser Kreisverkehr ganz sicher nicht, andere wären viel wichtiger. Wir sehen in dem jetzigen Zustand der Kreuzung die beste Lösung und dazu noch eine Förderung des Fußgängerverkehrs “, monierte Gerhard Leibrecht. Gerlinde Ames (FDP) befand, dass es schwierig sei, schon heute über den Kreisverkehr abzustimmen, wenn er erst in zwei Jahren gebaut werden könne. Dieter Stauber von der SPD verteidigte erwartungsgemäß die von der Stadt vorgestellte Variante. "Ein Kreisverkehr ist die sicherste Lösung und für alle gut: sowohl für die Schüler als auch für die Bewohner in diesem Gebiet und ist eine echte Verbesserung", sagte er. Die Freien Wähler, die sich im Juli noch für den Erhalt des jetzigen Status-Quo ausgesprochen hatten, sprachen sich nun für den kleinen Kreisverkehr aus. „Diese Variante erscheint uns als die sicherste“, sagte Jochen Meschenmoser für seine Fraktion. Die Einwände der Schulleitung der Ludwig-Dürr-Schule und des Elternbeirates gegen den Bau eines Kreisverkehrs waren bei der Ratssitzung am Montag kein Thema mehr. Am Ende stimmten Grüne und die FDP sowie Dagmar Hoehne von den Freien Wählern dagegen, die Mehrheit der Stadträte für den Bau. Konrektor Robert Ackermann wollte sich zu der Entscheidung des Gemeinderates nicht öffentlich äußern.

Dafür schickte Christof Danner, Elternbeiratsvorsitzender der Ludwig-Dürr-Schule, auf Nachfrage des SÜDKURIER eine Stellungnahme. Darin heißt es: "Durch den Beschluss des Gemeinderats müssen und können wir (wenn auch mit erheblichen Bauchschmerzen) im Vergleich zu den anderen Varianten diese am ehesten akzeptieren. Jedoch muss man auch sehen, dass dieser Nachteil für die Fußgänger lediglich zum Vorteil der Autofahrer genutzt wird. Die aktuelle Gleichstellung aller Verkehrsteilnehmer wird damit aufgehoben – zugunsten der Autofahrer." Sie kritisieren zudem die Zebrastreifen, da hier "wieder dasselbe Gefahrenpotenzial, welches man mit der aktuellen Schaltung abgeschafft hat" bestünde. Sehr kritisch sehen die Eltern zudem die Lage für Fahrradfahrer und fordern alternative Lösungen.

 

Die Erklärung des Elternbeirates im Wortlaut:

Natürlich ist die aktuell angestrebte Lösung nicht gleichzusetzen mit der momentanen Ampelschaltung. Da die Stadt Friedrichshafen sich aber aufgrund der Verkehrsproblematik ebenfalls, wie in der Ausführung im Gemeinderat dargelegt, von der aktuellen Lösung eher abwendet, stellt die geplante Variante die noch am sicherste Lösung dar. Durch den Beschluss des Gemeinderats müssen und können wir (wenn auch mit erheblichen Bauchschmerzen) im Vergleich zu den anderen Varianten diese am ehesten akzeptieren. Dieses haben wir gestern auch im Gemeinderat versucht, über die Bürgerfragerunde zu betonen.

Auch empfinden wir es teilweise erleichternd, das im Gegensatz zum gestellten Antrag mit all seinen Argumentationsgrundlagen, die Stadtverwaltung hier die Sicherheit der Fußgänger und Schüler deutlich höher bewertet und berücksichtigt hat.

Die Fußgänger, darunter auch der Großteil unserer Schüler müssen ab Fertigstellung des Kreisels etwas mehr Weg bzw. Zeit in Kauf nehmen, können aber mit diesem zum großen Teil geringen Mehraufwand das Ziel ebenso sicher wie bisher erreichen.Jedoch muss man auch sehen, dass dieser Nachteil für die Fußgänger lediglich zum Vorteil der Autofahrer genutzt wird. Die aktuelle Gleichstellung aller Verkehrsteilnehmer wird damit aufgehoben – zugunsten der Autofahrer. Die Bedenken die hier auch von Stadtrat Leibrecht geäußert wurden, können wir absolut teilen.

Wenn wir damit aber das Ausweichen über die Wohnsiedlungen verringern konnten, wo ja unsere Schüler ebenfalls Straßen, zum Teil ohne Hilfsmitteln queren müssen, ist auch dieses akzeptierbarer, als wenn man nur den Kreisel / die Kreuzung alleine betrachtet. Grundsätzlich ist eine für alle gleichwertige Lösung, die alle gleich stellt und dennoch für alle Parteien sinnvoll ist, nahezu unmöglich.

Fraglich ist für uns aber nach wie vor der Sinn der Zebrastreifen, die an der Stelle der heutigen Ampel platziert werden sollen. Hiermit würde man grundsätzlich wieder dasselbe Gefahrenpotenzial hervorrufen, welches man mit der aktuellen Schaltung abgeschafft hat – und wir reden hier bisher nur von den Fußgängern. Das komplette Vorhaben richtet sich natürlich in erster Linie an die beiden bisher erwähnten Gruppierung der Verkehrsteilnehmer. Sehr kritisch sehen wir aber die Lage für die Fahrradfahrer, egal ob Schüler oder Erwachsene. Diese werden aktuell durch die Fahrradwege automatisch wieder auf den Kreisel geführt. Hier muss unserer Meinung nach dringend drüber nachgedacht bzw. nach alternativen Lösungen gesucht werden.

Auch die Dringlichkeit und spätere Notwendigkeit des Kreisverkehres sehen wir intern sehr diskutabel. Mit 2020 und der damit geplanten Fertigstellung des Kreisels stellt sich die Frage, wie stark frequentiert dieser Knotenpunkt sein wird. Eine erneute Bedarfsfeststellung wäre hier nach wie vor noch möglich, auch wenn es dem ursprünglichen Antrag von CDU und SPD wiedersprechen würde. Auch stellen natürlich die 1,5 Millionen für den aktuell geplanten Kreisel sehr hohe Kosten dar. Kostengeringere Lösungen wie die restlichen aktuellen Planungsvarianten verringern aber wieder übermäßig die Sicherheit aller Verkehrsbeteiligten, wären unsererseits somit aber auch wieder auszuschließen.

Uns bleibt letztendlich zu hoffen, den höchstmöglichen Einsatz für die Sicherheit der schwächsten Verkehrsteilnehmer gebracht zu haben. Alles andere ist aktuell nur Spekulation, die von allen Seiten geführt und keine endgültige Lösung bringen kann.

Christof Danner, Elternbeiratsvorsitzender Ludwig-Dürr-Schule