Geht's der ZF gut, geht es auch der Stadt gut. Das weiß jeder Häfler, denn schließlich befinden sich 93,8 Prozent der Aktien im Besitz der Zeppelin-Stiftung. 2016 war ein gutes Jahr für die ZF Friedrichshafen AG. Das wurde bei der Präsentation der Jahresbilanz durch den Vorstandsvorsitzenden Stefan Sommer und Finanzvorstand Konstantin Sauer deutlich. Erstmals seit 2001 fand die Jahrespressekonferenz im ZF Forum statt und nicht wie sonst üblich in Stuttgart.

Gegenüber 2015 hat ZF 2016 den Konzernumsatz um 20,6 Prozent auf 35,2 Milliarden Euro gesteigert – ein Effekt, der mit der TRW-Übernahme 2015 zu tun hat und 2016 in der Bilanz erstmals voll zum Tragen kommt. Der Gewinn aus dem operativen Geschäft (EBIT) beträgt 2,2 Milliarden Euro (2015: 1,57 Milliarden), nach Steuern bleibt noch ein Gewinn von 924 Millionen Euro (2015: 1019 Millionen Euro). Die laufenden Bezüge der aktiven Vorstandsmitglieder im Jahr 2016 betragen 13,4 Millionen Euro (2015: 9,5 Millionen Euro). Auf Nachfrage, warum das Unternehmen angesichts der guten Geschäftszahlen "nur" 50 Millionen Euro an die ZF-Aktionäre (ZF-Stiftung, Ulderup-Stiftung) ausschütte, sagte Sommer, dass ZF auf die Ausschüttung einer „moderaten und nachhaltigen Dividende“ angewiesen sei, weil sich ZF als Stiftungsunternehmen am Kapitalmarkt nicht entsprechend refinanzieren könne. Die fixe Dividende würde immer gezahlt, in guten und weniger guten Jahren.

1,6 Milliarden Euro steckte ZF in die Schuldentilgung, 2 Milliarden wurden in Forschung und Entwicklung investiert. ZF will sich fit machen in den Bereichen Digitalisierung, Elektrifizierung und autonomes Fahren. Dazu kauft ZF weiter Know-how ein: Mit rund 45 Prozent steigt ZF bei dem Radarsensor-Spezialisten Astyx (Ottobrunn) ein. Das Auslaufen von MAN-Getriebeaufträgen hat laut Sommer im Moment auf den Standort Friedrichshafen keine Auswirkungen, „da wir das ersetzen können durch andere Wertschöpfungen“, wie Sommer im SÜDKURIER-Interview sagte. ZF habe auch in der Perspektive gute Möglichkeiten, „zum Beispiel durch neue Kunden für das Traxon-Getriebe oder im Bereich der Elektromobilität, Verteilerfahrzeuge oder elektrifizierte Stadtbusse“.

Teil der Vereinbarung zur Standort- und Beschäftigungssicherung am Stammsitz Friedrichshafen sind auch flexiblere Arbeitszeitmodelle. In einem Pilotversuch arbeiten derzeit etwa 250 Beschäftigte in vier statt drei Gruppen im Dreischichtbetrieb. Die Erfahrungen seien „sehr positiv“, so Sommer, „darin sehen wir ein großes Potenzial für die Zukunft“. So könne man flexibler auf Schwankungen reagieren und mache Prozesse effizienter. Inzwischen steht auch die exakte Summe der betrieblichen Erfolgsbeteiligung 2017 für jeden ZF-Tarifmitarbeiter an den deutschen Standorten fest: 1133 Euro. Dazu kommen noch 15 Euro pro Jahr Betriebszugehörigkeit.

Aus Sicht des ZF-Betriebsrats ist das Unternehmen gut aufgestellt. Ein Problem hat die Arbeitnehmer-Vertretung allerdings mit dem ZF-Management, was die geplante Verlagerung von Teilen der Buchhaltung, Einkauf und Informatik der europäischen Standorte nach Polen betrifft. Deutschlandweit seien davon 750 Stellen betroffen, am Standort Friedrichshafen wären es 180, sagt Achim Dietrich, Vorsitzender des ZF-Betriebsrats, in einem Gespräch mit dem SÜDKURIER. Ein Gutachten, das der Betriebsrat in Auftrag gegeben hat, kommt zum Schluss, dass die Anlaufkosten für dieses Projekt höher seien als die Zahlen, mit denen das Management bisher operierte.

Andreas Brand, Oberbürgermeister und Mitglied des ZF-Aufsichtsrats, sagt auf Anfrage: "Unsere ZF ist auf einem guten Weg und hat das Jahr 2016 wirtschaftlich überaus erfolgreich abgeschlossen. Das Ergebnis zeigt insgesamt: Vorstand, Aufsichtsrat, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben weltweit und am Standort Friedrichshafen eine hervorragende Arbeit geleistet." Auch die Kombination von Mechatronik und Elektronik zeige sich als Schlüssel zum Erfolg. "Die Herausforderungen der Elektromobilität, des autonomen Fahrens und neuer Mobilitätskonzepte hat die ZF nicht nur angenommen, sondern aktiv aufgegriffen und vorangetrieben."

 

Zahlen 2016

Umsatz: 35,2 Milliarden Euro (2015: 29,2 Milliarden Euro)

Gewinn (EBIT): 2,2 Milliarden Euro (2015: 1,6 Milliarden Euro)

Ergebnis nach Steuern: 924 Mio. Euro (2015: 1019 Mio. Euro)

Dividende: 50 Mio. Euro (2015: 50 Mio. Euro)

Mitarbeiter: 136 820 (2015: 138 269)

Umsatz nach Branchen: 80 Prozent PKW und leichte Nutzfahrzeuge, 12 Prozent schwere Nutzfahrzeuge, 8 Prozent Bau-, Landmaschinen, Marine, Luftfahrt, Sonder- und Schienenfahrzeuge, Windkraft.