Mit einem klaren "Nein" beantwortet Peter Neisecke, Leiter des Umweltschutzamts im Landratsamt Bodenseekreis, die Frage, ob eine Stilllegung des Holzofens bei der Backstube Weber am Flughafen noch im Raum steht. "Durch das kooperative und umsichtige Verhalten von Herrn Weber, das nun in eine Änderung der Anfeuerungsmethode und der Brennstoffaufgabe gemündet ist, ist die Häufigkeit der Geruchsbelastungen deutlich zurückgegangen, sodass für eine Stilllegung der Anlage kein Grund besteht", sagt Neisecke.

Die rätselhafte Geruchsbelästigung, die Anwohner in Friedrichshafen-Ost seit Längerem umtreibt, ist damit allerdings nicht erledigt. "Es sind weiterhin Beschwerden eingegangen, aber deutlich weniger und nun durchaus mit anderem räumlichen Schwerpunkt", berichtete der Amtsleiter. Diese Beschwerden seien sehr nützlich, um weitere Verursacher zu suchen.

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Gutachten zu Luftströmungen liegt noch nicht vor

Zwei Gutachten sollte es im Zusammenhang mit der Geruchsbelästigung in Friedrichshafen-Ost geben. Zum einen ein Ausbreitungsgutachten, das die Luftströmungen im Bereich des Häfler Ostens untersucht. Es sollte im September vorliegen. "Das Gutachten liegt noch nicht vor. Soweit wir wissen, gab es Probleme bei der Beschaffung der Winddaten", berichtet Neisecke. Das zweite Gutachten soll Aufschluss geben, ob eine geänderte Erhitzung des Holzbackofens die Rauchemission weiter verringern kann. Dabei wird beim Anfeuern über eine Holzpelletbefeuerung der Stein erhitzt. "Das technische Gutachten zu der Anlage ist heute im Entwurf eingegangen. Ein Umbau ist bisher noch nicht erfolgt. Dies wird von dem Ergebnis beider Gutachten abhängig gemacht", sagt Neisecke.

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Maria Stelwag, gemeinsam mit Hannes Weber Geschäftsführerin von Webers Backstube, meinte auf Nachfrage, man kenne derzeit weder das Ergebnis dieses Gutachtens noch das des Ausbreitungsgutachtens. "Im Moment gibt es nichts Neues", sagt Maria Stelwag.

Hannes Weber und Maria Stelwag, beide Geschäftsführer der Bäckerei Weber.
Hannes Weber und Maria Stelwag, beide Geschäftsführer der Bäckerei Weber. | Bild: Wex, Georg

Kleingesägtes Hartholz statt Naturholzstücken zur Anfeuerung

In der Backstube hatte Weber im August nach Bekanntwerden der Verdächtigung bereits die Anfeuerung des Holzbackofens umgestellt, die zulässig war. Er verwendet statt Naturholzstücken kleingesägtes Hartholz, das weniger Rauch verursacht. "Das Anheizen des Ofens wurde weiter optimiert und die Umstellung hat zu einer deutlichen Emissionsminderung geführt", bestätigt Neisecke: "Hierzu wurden noch die Expertise eines Gutachters der Universität Stuttgart eingeholt und die Anlage gemeinsam vor Ort begutachtet."

Brot frisch aus dem Holzofen: Der Ofen in der Bäckerei am Flughafen soll eine Hauptquelle für nächtliche Geruchsbelästigungen im Wohngebiet Kitzenwiese sein. Wie ein Holzfeuer für Gestank nach verbranntem Gummi oder Kunststoff sorgen soll, kann derzeit keiner erklären.
Brot frisch aus dem Holzofen: Der Ofen in der Bäckerei am Flughafen soll eine Hauptquelle für nächtliche Geruchsbelästigungen im Wohngebiet Kitzenwiese sein. Wie ein Holzfeuer für Gestank nach verbranntem Gummi oder Kunststoff sorgen soll, kann derzeit keiner erklären. | Bild: Edmund Möhrle

In Belästigungsmeldungen nach Umstellung der Anfeuerung wird nicht immer Rauch beschrieben, so heißt es beispielsweise in einer Meldung aus dem Gebiet Schreienesch. Es rieche nach Benzol, Benzin und Diesel. "Ich glaube immer noch nicht, dass es der Bäcker war", meint Pia Helbig, deren Mann die Meldung versandte. Aus ihrer Sicht habe es auch schon vor Ansiedlung der Backstube am Flughafen Gerüche gegeben und es gebe sie teilweise auch tagsüber. Vertreter des Bürgerforums FN-Ost wurden nach Auskunft von Eberhard Utz Ende August im Landratsamt über bis dahin gewonnenen Erkenntnisse informiert. Zu einer Mitgliederversammlung im November seien Vertreter von Landratsamt und Stadt eingeladen. "Aus der Bevölkerung war in letzter Zeit nichts mehr oder wenig über die Geruchsbelästigung zu hören", teilt Utz außerdem mit.

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Vermutungen zu mindestens einem weiteren Verursacher

"Es gibt Vermutungen zu mindestens einem weiteren Verursacher", berichtet Neisecke: "Hier wird derzeit noch in Zusammenarbeit mit der Stadt Friedrichshafen ermittelt. Das Regierungspräsidium Tübingen und das Landratsamt führen derzeit weitere Betriebsbesichtigungen bei potenziellen Verursachern durch."

Expertin erklärt: Gerüche aus verschiedenen Quellen mischen sich in Luftströmen

Kann ein Bäcker mit Rauch aus seinem Holzofen für beißenden Gestank in Wohngebieten gut einen Kilometer entfernt verantwortlich sein? Für Helga Lauerbach vom Ingenieurbüro Lohmeyer in Karlsruhe, die Geruchs-Gutachten erstellt, ist das möglich, „aber nicht sehr wahrscheinlich“. Dass dieser Geruch quasi nahezu unverdünnt weitergetragen wird, dafür müssten verschiedene Bedingungen erfüllt sein, die zusammen selten gegeben seien. Im Gegensatz dazu hält es die Geoökologin durchaus für möglich, dass sich in einer Luftströmung unterschiedliche Gerüche aus verschiedenen Quellen mischen. Das würde erklären, warum die Anwohner in Friedrichshafen-Ost neben Geruch nach Holz auch den nach verbranntem Gummi, Kunststoff oder Altöl wahrnehmen. Abgesehen davon warnt Helga Lauerbach davor, nur sichtbare Quellen in die Ursachenforschung einzubeziehen. Die Abluft sei eben nur sichtbar, wenn Wasserdampf mit aus dem Kamin zieht.

Warum stinkt es nur nachts?

Doch warum ist der Gestank nur nachts ruchbar? Eine Erklärung könnten Luftströmungen sein, die vor allem im Sommer am Bodensee vorherrschend sind. Das passt zu den Meldungen der Anwohner. Auch deshalb lässt das Landratsamt ein meteorologisches Gutachten erstellen. Durch den Temperaturunterschied zwischen Bodensees und Landmasse bilden sich nachts Ausgleichsströmungen, die erst abreißen, wenn sich die Temperaturen angeglichen haben. Ein Thermalkartierung, die dem Gemeinderat 2017 als Vorstudie für eine Klimanalyse vorgestellt wurde, zeigt auf, dass sich vor allem entlang der Rotach, die durch das betroffene Gebiet fließt, stärkere Kaltluftströme entwickeln, die in heißen Sommernächten kühle Luft aus dem Bodensee-Hinterland zuführen. Solch einen Kaltluftstrom müsse man sich wie einen Honigfluss vorstellen, der sich relativ nah am Boden nur langsam vorwärts schiebt, erklärt die Fachfrau. Trägt dieser Luftstrom Gerüche mit sich, sind die im Vergleich zu Wind auch länger wahrnehmbar. Das heißt: Gerüche, die tagsüber aus einem Kamin aufsteigen und verfliegen, können nachts von diesem Kaltluftstrom erfasst und in Bodennähe weitergetragen werden. (kck)