Ein 40-jähriger Friedrichshafener musste sich am Montag wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln und dem Handel mit solchen vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Tettnang verantworten. Dahinter steckt eine dramatisch gescheiterte Beziehung. Verurteilt wurde er letztlich zu sieben Monaten Haft auf Bewährung und 60 Arbeitsstunden. Die Staatsanwaltschaft hatte ein Jahr und fünf Monate gefordert.

In Gang kamen die Ermittlungen, weil die 35-jährige Ex-Freundin im Juli 2016 zu Beschuldigungen der gegenseitigen Körperverletzung und Beleidigungen befragt wurde, die offenbar nur die Spitze des Eisbergs waren. Bei der Befragung behauptete sie, im November 2015 acht Pakete mit je etwa 100 Gramm Haschisch in der Wohnung des Angeklagten gesehen zu haben. Die Polizei nahm daraufhin Ermittlungen auf, überwachte das Telefon und beobachtete die Wohnung bei verdächtigen Anrufen, wie ein Polizeibeamter berichtete. Im Oktober 2016 wurde ein Käufer, der vom Angeklagten kam, mit 10,5 Gramm Marihuana festgenommen. Bei einer Wohnungsdurchsuchung kamen insgesamt 35,1 Gramm Marihuana zusammen. Der Angeklagte und der damalige Käufer gaben dies zu. Der Angeklagte meinte, er habe damals kein Geld gehabt, weshalb er sich darauf einließ.

Aber stimmt die schwerwiegendere Geschichte mit den 800 Gramm oder waren es nur acht Gramm, wie der Angeklagte sagte? Der 40-Jährige berichtete, und dies ist belegt, dass er unter ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) leidet, was auch sein gebrochener Schul- und Berufsweg nahelegen. Betäubungsmittelbesitz und -handel hatten ihm vor über zehn Jahren schon ein Jahr und sechs Monate Haft einbracht. Er sagte, die Medikamente gegen ADHS vertrage er nicht, stattdessen nahm er Hasch und Marihuana. Dazu kam Alkohol. Dann verliebte er sich in seine Freundin. Aus ihrer Befragung und Zeugenaussagen ergab sich, dass sie psychische Probleme hat, sie sprach von Depressionen, Verteidiger Peter Oelbermann nannte den Verdacht auf eine Borderline-Störung. Beide Partner waren in Behandlung. Dazu kommen bei der Frau Alkoholprobleme sowie gelegentlicher Drogenkonsum. Diese Details wurden teils erst im Prozess deutlich. Für den Kripobeamten war die Aussage der Frau bei der Polizei glaubhaft und der Vertreter der Staatsanwaltschaft blieb am Ende der Verhandlung trotz neuer Erkenntnisse bei dieser Einschätzung.

Für die Verteidigung und das Gericht gab es aber Ungereimtheiten: der zeitliche Ablauf der Beschuldigungen nach der Trennung, Drohungen, eine angebliche Schwangerschaft, keine Hinweise, dass der Angeklagte, der von Hartz IV oder 450-Euro-Jobs lebte, sich diese Menge Haschisch überhaupt kaufen konnte, keine Hinweise, dass er viel Geld gehabt hätte, im Gegenteil, es lief damals eine Privatinsolvenz. Aufgrund der psychischen und alkoholbedingten Probleme der Frau zweifelte das Gericht an ihrer Wahrnehmung. Sie sei keine Lügnerin, meinte Richter Martin Hussels-Eichhorn, aber das Gericht gehe von einer irrtumsbehafteten Wahrnehmung aus.