In der Stadt steht eine Industrieerweiterung an, für die insgesamt 3,4 Hektar des Seewaldes gefällt werden müssten, das ist eine Fläche in der Größe von etwa fünf Fußballfeldern. Die Firmen Liebherr-Aerospace und das Unternehmen Aerospace Transmission Technologies (ATT) wollen gemeinsam ihre bereits bestehenden Standorte erweitern.

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Am Montag hatte der Gemeinderat dafür gestimmt, das Bebauungsplanverfahren in Gang zu setzen, obwohl für die beiden Firmen an der Flughafenstraße bereits Flächen reserviert waren. So war es wenig erstaunlich, dass das Meinungsspektrum der Fraktionen am Montag von offener Ablehnung bis hin zu absoluter Zustimmung vertreten war. Es geht um die Frage, ob der Naturschutz oder die Industrie den Vorrang bekommen – ein Thema, über das leidenschaftlich gestritten werden kann. Denn in dem betroffenen Stück Wald leben auch streng geschützte Tierarten, etwa die Haselmaus oder die Gelbbauchunke. Viele SÜDKURIER-Leser diskutierten in den sozialen Netzwerken und auf unserer Facebook-Seite über das Für und Wider der möglichen Rodung.

Ein Stück des Seewaldes soll entlang der B30 gerodet werden, damit die Liebherr-Aerospace GmbH erweitern kann.
Ein Stück des Seewaldes soll entlang der B30 gerodet werden, damit die Liebherr-Aerospace GmbH erweitern kann. | Bild: Mommsen, Kerstin

Pro: "Arbeitsplätze sind wichtiger"

Es gibt viele Häfler, die dem Plan zustimmen, 3,6 Hektar Wald zu roden, um der Industrie eine Erweiterung zu ermöglichen. Ein Auszug ihrer Ansichten:

  • "Traut man sich nicht zu einer klaren Entscheidung für oder gegen etwas, dann muss ein Tier wieder als Alibi herhalten."
  • "Für Tennisplätze ist der Wald nicht zu schade, aber für eine Industriehalle ist auf einmal die Natur wichtiger. Ich bin für Arbeitsplätze."
  • "Ich denke, die Arbeitsplätze zählen mehr."
  • "Wenn den Unternehmen kein Platz zum Expandieren gegeben wird, brechen sie ihre Zelte am Standort Friedrichshafen ab und gehen woanders hin. Das ist ganz einfach. Davon abgesehen bleibt ja der Teil des Waldes erhalten, in dem sich der Trimm-dich-Pfad und die schönen Waldwege befinden."
  • "Ich finde es gut, dass Arbeitsplätze entstehen und damit auch eine Lehrwerkstatt. So kann Liebherr-Aerospace auch in Friedrichshafen ausbilden, bislang war das nur in Lindenberg möglich. Liebherr ist ein Hauptzulieferer für Airbus. Wer seinem Protest Ausdruck verleihen möchte, sollte künftig keine Flugreisen mehr buchen."
  • "Tierschutz ist das Totschlagsargument für alles. Dann müsste man sofort aufhören, irgendwo etwas zu bauen, denn überall lässt sich irgendein seltener Regenwurm finden. Wenn man irgendeine Bebauung verhindern will, schiebt man den Naturschutz vor. Den meisten Naturschützern geht der Naturschutz bei eigenem Bauwunsch sonst wo vorbei."
  • "Ich finde den Deal, für jeden gefällten Baum zwei neue zu pflanzen, nicht schlecht."
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Contra: "Die Natur verliert immer gegen den Menschen."

Es sind aber auch viele Menschen dagegen, dass ein Teil des Seewaldes der Industrie zur Verfügung gestellt werden soll. Ein Auszug ihrer Ansichten:

  • "Ich bin klar für den Erhalt der Natur. Aber wenn es ums Geld geht, interessiert das vermutlich niemanden."
  • "Vielleicht hätte es etwas gebracht, einmal richtig über andere Lösungen nachzudenken, die es bestimmt gegeben hätte. Ist der Wald und der damit verbundene Lebensraum erst mal weg, kann man es nicht mehr rückgängig machen."
  • "Irgendwann sollte man die Notbremse ziehen und nicht alles, was noch übrig ist, im Namen der Wirtschaftlichkeit platt machen."
  • "Es entspricht meinem Humor, auf der einen Seite den Diesel wegen zu hoher CO2-Belastung schlecht zu reden, dann im Gegenzug aber große Waldflächen für die Industrie platt zu machen, die CO2 aus der Luft filtern."
  • "Reichen uns nicht die Horrornachrichten über Klimawandel und drastischen Artenschwund? Wir haben nur diese Welt."
  • "Warum bekommt Liebherr es scheinbar nicht hin, in die Höhe zu bauen oder das für sie reservierte Areal zu nutzen? Auch ZF oder MTU haben auf verschiedenen Arealen ihre Gebäude. Da geht es doch auch! Und ich befürchte, es wird nicht bei den 3,6 Hektar bleiben, das ist erst der Anfang!"
  • "Es geht um die Tiere, um den Wald als Ökosystem in seiner Funktion für die Stadt und darum, gar nicht erst zu beginnen, scheibchenweise den Seewald Finanzinteressen zu opfern. Die Freien Wähler reden öffentlich davon, gleich die ganze linke Seite bis zum Kreisel platt zu machen."