Vor drei Wochen sind sie erst in Friedrichshafen angekommen, fast zwei Jahre lang musste die Syrerin Mariem mit sechs ihrer sieben Kinder im Alter von fünf bis 15 Jahren auf die ersehnte Ausreise nach Deutschland in der Türkei warten. Dort lebte schon seit eineinhalb Jahren Vater Abdullah mit dem 22-jährigen Sohn Malek. Jetzt ist die Familie fast komplett, nur Tochter Malak (20 Jahre) durfte die Türkei bislang nicht verlassen. Angekommen sind sie auf jeden Fall in der Kirchengemeinde St. Columban, dort werden sie wie alte Freunde begrüßt und kennen einander gut. Darum war es für Familie Fares auch keine Frage, mit ihren Kindern zur Advents- und Nikolausfeier zu kommen. Bereits zum dritten Mal veranstaltete der Helferkreis Asyl, bei dem rund 20 ehrenamtliche Helfer aktiv sind, die Feier in der Vorweihnachtszeit.

Zur Nikolaus- und Adventsfeier des Helferkreises Asyl  sind fast 100 Asylbewerber in die Gemeinde St. Columban zum gemeinsamen Basteln ...
Zur Nikolaus- und Adventsfeier des Helferkreises Asyl sind fast 100 Asylbewerber in die Gemeinde St. Columban zum gemeinsamen Basteln und Singen gekommen. Keine Angst vor dem Nikolaus hatten die vielen Kinder. Bild: Susanne Hogl

„Ich finde es sehr schön, dass alle, die wir eingeladen haben, heute gekommen sind und sind auch ein wenig stolz darauf, dass wir der erste Helferkreis hier waren und inzwischen ein wirkliches großes Angebot haben“, erklärt Sarah Kessler vom Arbeitskreis, die die Nikolausfeier am Samstag organisiert hat. Gerade die Kinder, das ist sofort zu spüren, haben keine Berührungsängste – weder mit dem Nikolaus noch beim Basteln mit den Ministrantinnen. Sie sind es auch, die bereits nach wenigen Wochen oder Monaten in Deutschland schon recht gut die fremde Sprache beherrschen. „Die Kinder kennen den Nikolaus schon aus der Schule und dem Kindergarten und wissen, welche Bedeutung er hat“, weiß Vater Abdullah. Er selbst lebt schon seit eineinhalb Jahren in Friedrichshafen und singt bei den Weihnachtsliedern wie selbstverständlich mit.

Bei der syrischen Familie ist auch klar, dass alle so rasch wie möglich Deutsch lernen möchten, deshalb nutzen sie auch alle Angebote. Mutter Mariem und die jüngeren Kinder gehen ins Freitagscafé des Helferkreises, Vater und Sohn Mohamed sind im Fußball aktiv. „Ich war in Damaskus Fußballtrainer und will hier natürlich auch mein Wissen einbringen. Mohamed ist auch schon lange als Spieler aktiv“, sagt Abdullah Fares. Doch bei der Feier haben zumindest die Kinder keine Zeit, zu erzählen – sie sind mit basteln, essen und staunen beschäftigt. Ein Schokolebkuchen nach dem anderen wandert in Masas Mund, die Fünfjährige liebt Schokolade und bastelt mit Begeisterung Engel, die sie dann mit ihren Geschwistern an den Christbaum hängen darf. Als Nikolaus und Knecht Ruprecht kommen, sind alle Kinder sehr still und schauen mit großen Augen auf die fremden Gestalten – Angst haben sie nicht, etwas Respekt schon. Pfarrer Markus Hirlinger hat deshalb auch in erster Linie für die Eltern mit Übersetzern erklärt, welche Bedeutung die christlichen Symbole wie Engel, Nikolaus und Weihnachtsbaum in der Adventszeit haben. „Unsere Angebote wie das Café, die Fahrradwerkstatt und auch unsere Deutschstunden werden sehr gut angenommen und ich denke auch, dass es für die Flüchtlinge wichtig ist, sich miteinander austauschen zu können und zu wissen, hier bei uns gibt es Ansprechpartner auch bei Behördengängen“, so Sarah Kessler.

Pfarrer Markus Hirlinger von der Häfler Gemeinde St. Columban erklärte den Flüchtlingskindern und deren Eltern, dass er auch bald in ...
Pfarrer Markus Hirlinger von der Häfler Gemeinde St. Columban erklärte den Flüchtlingskindern und deren Eltern, dass er auch bald in einem anderen Land um "Asyl" bitten wird ? er geht demnächst nach Paris als Pfarrer. Bild: Susanne Hogl